Von Lyndon LaRouche
Die nachfolgende Rede hielt Lyndon LaRouche am 17. Dezember anläßlich einer Pressekonferenz
im Straßburger Europaparlament:
Aller Voraussicht nach wird der gewählte Präsident der Vereinigten Staaten
am 20. Januar ins Amt eingeführt. Für die Zeit zwischen jetzt und diesem Termin
ist es äußerst schwierig, eine Vorhersage zu machen. Wir müssen in dieser
Interimsperiode bereit sein, mit der Art von Problemen umzugehen, wie wir sie jüngst
mit den Terroranschlägen in Indien gesehen haben. Aber das Hauptproblem, vor dem
der kommende Präsident der Vereinigten Staaten steht - er hat übrigens eine
Reihe meiner Freunde und Leute, mit denen ich zusammenarbeite, für seine
Regierung nominiert, angefangen bei Hillary Clinton als Außenministerin - aber
die Probleme, vor denen sie alle stehen, sind die, die ich am 25. Juli 2007 prognostiziert
habe - daß ich innerhalb weniger Tage den Beginn der größten Krise der Neuzeit
erwartete, die größte Wirtschafts- und Finanzkrise der Geschichte. Drei Tage
später brach sie aus.
Die Krise ist im wesentlichen eine Krise von Finanzderivaten. Das unter Alan
Greenspan, als Chef der Federal Reserve, begonnene Spekulationssystem mit
Finanzderivaten hat den Punkt der Explosion erreicht. Es sind Schulden
in der Größenordnung von Billiarden von Dollar. Es besteht keine
Möglichkeit, daß diese Schulden jemals bedient geschweige denn getilgt werden
könnten. Das stellt eine Gefahr für die Welt dar und ist eine Herausforderung,
das Währungs- und Finanzsystem der Welt zu reorganisieren. Was ich meinen
Freunden und Sympathisanten in der kommenden Regierung vorschlage, ist, die
gesamte Welt einer finanziellen Reorganisation zu unterziehen, nach Art der
Politik Franklin Roosevelts 1944. Nicht das, was Truman 1945 einführte, sondern
was Franklin Roosevelt bei der Bretton Woods Konferenz 1944 präsentierte. Das
heißt, die Schaffung eines internationalen Kreditsystems auf der Grundlage von
auf festen Wechselkursen beruhenden Kreditsystemen zwischen den Nationen und so
mit einem Programm wirklicher Erholung zu beginnen - finanzieller und
wirtschaftlicher Erholung.
Wir kennen die Lage in Europa, wir kennen im großen und ganzen die
gegenwärtige Lage in den Vereinigten Staaten. Die Verrücktheit der aktuellen
Regierung der Vereinigten Staaten mit der Einführung einer quasi Nullzinspolitik,
ähnlich der für den Yen vor einigen Jahren bei Tagesgeldern, ist wie ein Stück
aus dem Tollhaus, dessen Folgen wir bald zu spüren bekommen. Ich hoffe, daß das
rückgängig gemacht wird. Wird es das nicht, dann haben wir eine unberechenbare
Situation.
Auf jeden Fall: das ist das Thema. Die Aufgabe besteht in der Beendigung der
Art von Finanzsystem, wie es seit 1971-72 zustande gekommen ist. Wir müssen
zurückgehen zu einem System fester Wechselkurse, das auf einem Kredit-, nicht
auf einem monetären System beruhen muß. Was ich damit meine, ist folgendes: Die
Einzigartigkeit der Vereinigten Staaten in der Gemeinschaft der Nationen
besteht darin, daß wir ein Kreditsystem haben, während europäische Nationen monetäre
Systeme haben. Der Unterschied dabei ist dieser: Unter unserer Verfassung wird
Geld oder Kredit durch den Präsidenten der Vereinigten Staaten geschaffen,
allerdings mit Zustimmung des Repräsentantenhauses. Dieser Kredit kann dann
benutzt und zum umlaufenden Zahlungsmittel gemacht werden, so wie es durch
Gesetz näher bestimmt wird.
Was ich im wesentlichen vorschlage, ist, daß wir die US-Verfassung mit dem
von ihr vorgesehenen Kreditsystem durch vertragliche Vereinbarungen mit anderen
Nationen dazu benutzen, ein Kreditsystem mit festen Wechselkursen zu schaffen.
Die Absicht dabei ist die Schaffung von Kredit, der dann international benutzt
werden kann, um langfristige Investitionen in die Weltwirtschaft zu tätigen.
Das bedeutet, den Großteil der Finanzderivate zu streichen, die sowieso niemals
bezahlt werden können - es gibt einfach keine Möglichkeit die Forderungen des
gegenwärtigen Finanzsystems zu bedienen. Es wird niemals die Menge an Geldern
auf der Welt geben, um die Billiarden an Dollarschulden zu begleichen,
die ja im wesentlichen betrügerische Schulden sind. Und deshalb müssen wir
diesen Teil der Weltverschuldung aus den Büchern streichen und zu einem
Kreditsystem zurückkehren, das auf der Idee des Nationalstaats beruht, im
Unterschied zum gegenwärtigen, seltsamen, internationalen Geldsystem. Zurück
zum Nationalstaat mit langfristigen Aufbauprojekten, die sich über ein Viertel-,
ein halbes oder sogar ein ganzes Jahrhundert erstrecken, je nachdem wie die
Aufgabenstellung lautet!
In dieser Hinsicht haben wir in Asien zum Beispiel Probleme: Ich schlug natürlich
als Initiative vor, daß es zu einer Übereinkunft zwischen den Vereinigten
Staaten, Rußland, China und Indien kommen müsse, denn in diesem Teil der Welt,
in Asien, einschließlich Rußlands Rolle in Eurasien, gibt es am meisten Armut
und die größte Notwendigkeit an Entwicklung. In Indien sind z.B. 63% der
Bevölkerung äußerst arm und es ist nicht wahrscheinlich, daß sie umgehend aus
eigener Kraft ihre Produktivität erhöhen können. Es geht nicht ohne große
Infrastrukturprojekte, wie etwa die Nutzung der Kernenergie und ähnliches, um
die Entwicklung in Gang zu bringen. Die Erneuerung und Verbesserung der  Infrastruktur in Nationen wie in Indien, ist
die Methode mit der sich die Produktivität der Arbeitskraft in diesen Ländern vervielfacht
läßt. Auch China hat seine Probleme, wie wir mittlerweile alle wissen. Als
Folge des Zusammenbruchs des US-Marktes ist China dabei zu kollabieren, das
gesamte chinesische System befindet sich in einer Krise. Das wird sich sehr
schnell über die gesamte Welt auszuweiten und das ist der Grund für die
Instabilität der Lage.
Rußland ist wesentlich, denn Rußland ist eine eurasische Kultur, keine
europäische und auch keine asiatische Kultur. Das ist so seit der Zeit von
Dschingis Khan.
Unter diesen Bedingungen sind die Rohstoffe, die hauptsächlich in Rußland,
in Nordrußland vorkommen, notwendig zum Aufbau der Volkswirtschaften von
Ländern wie China und Indien. Die Förderung dieser Rohstoffe kann nicht von
China und Indien geleistet werden, denn hier spielen Technologien eine Rolle,
die nur in Rußland bekannt sind, in Institutionen wie dem Wernadskij-Institut
zum Beispiel, das für diese Aufgaben spezialisiert ist, in solche Gebiete wie
die Tundra zu gehen, die arktische oder subarktische Region, um dort die
notwendigen Rohstoffe abzubauen. Dabei geht es nicht allein ums Vordringen in
tiefere Erdschichten, sondern um die Entwicklung eines Systems der
Erschließung und Veredelung von Rohstoffen.
Außerdem wird sich die Zukunft der Menschheit zunehmend in Asien gestalten, in
den  großen Bevölkerungen Asiens. Dort
leben ungefähr 40% der Weltbevölkerung und die meisten Menschen sind sehr, sehr
arm.
Wir werden also die beiden Amerikas, besonders die Vereinigten Staaten, und auch
Europa mobilisieren müssen, wieder eine führende Rolle in Wissenschaft und
Technologie zu spielen, als Teil eines Entwicklungsprozesses des gesamten
Planeten, einschließlich Asien und Afrika, bis wir Bedingungen geschaffen haben,
die man als menschlich bezeichnen kann.
Ich glaube, daß unter der Regierung Obama, unter Berücksichtigung aller
bisherigen Anzeichen, etwas in dieser Richtung geschehen wird. Es wird
Komplikationen geben, denn sie wissen ja wie Regierungen sind, sie sind immer
kompliziert. Sie geben nicht genau das her, was man eigentlich will, aber wenn
man 50% oder 60% des Erwünschten bekommt, so ist das für die heutige Zeit
eigentlich schon sehr viel.
Das also ist die Lage. Das Schlüsselproblem ist, daß es im Bereich der
Wirtschaft nur sehr wenige Ökonomen und andere Personen gibt, die die Natur des
Problems verstehen. Sie haben es nicht prognostiziert, sie haben es nicht
kommen sehen, und sie verließen sich zu sehr auf statistische Prognosen als auf
richtige Prognosen. Echte Vorhersagen beruhen auf Naturwissenschaft. Sie beruht
darauf, daß man den Willen der Menschen berücksichtigt - daß sie Entscheidungen
treffen -, und ob ihre Vorstellungen richtig sind oder nicht. Können sie die
Folgen von dem, was sie beabsichtigen, vorhersagen oder nicht?
Das ist also meine Position. Meine Fähigkeiten, die im Bereich der Prognose
vielfach bewiesen sind, beruhen eigentlich auf einem Wissenschaftszweig, den
man Riemannsche Physik nennt, die reale Wirtschaft aus Sicht der Riemannschen
Physik. Und ich war erfolgreich. Ich mache seit langer Zeit Prognosen - noch
unbekannt in den 50er Jahren, als ich die Rezession von 1957 vorhersagte, und
dann prognostizierte ich in mehreren Vorhersagen den späteren Zusammenbruch des
Bretton-Woods-Systems, und auch jetzt war ich wieder  erfolgreich. Als Resultat meines Erfolgs bei
Vorhersagen haben einige Leute in der zukünftigen Regierung des neuen
Präsidenten anerkannt, daß ich recht hatte, und entschieden, daß ich eine recht
bedeutende Rolle dabei spielen muß, die Politik dieser neuen Regierung mit zu
gestalten.
Ich kann dazu keine Garantien oder Prophezeiungen machen, weil es von jetzt
bis zum 20. Januar eine lange Zeit ist, und mit dem Ausbruch von Terrorismus in
Indien und anderswo und der Wahrscheinlichkeit, daß es unter diesen Bedingungen
zu weiteren Anschlägen in verschiedenen Teilen der Welt kommt, können wir nicht
davon ausgehen, daß wir genau wissen, was passieren wird. Auf der einen Seite
müssen wir vorbereitet sein und wissen, was wir tun sollten - was die Ziele der
Menschheit sein sollten, welche Politik wir betreiben sollten, welche Mittel
wir einsetzen können, um diese Ziele zu erreichen -, wir brauchen aber neben
diesem Plan A auch einen Plan B. Plan A ist, was geschehen könnte und gut für
die Menschheit wäre. Plan B ist für den Fall, daß das wir Plan A nicht
realisieren können. Man braucht in der Politik immer zwei Optionen: die eine
ist die beste Option, die man verfolgen sollte, und die andere ist, was man tun
sollte, falls die erste nicht klappt. Ich denke, diejenigen von Ihnen, die lange
genug in der Politik sind, kennen das und verstehen das.
Aber das ist die Lage, in der wir stecken: Wir sind in einer äußerst
gefährlichen Situation. In der ganzen Geschichte der Neuzeit gab es in der
europäischen Erfahrung nichts Vergleichbares seit dem sogenannten Neuen
Finsteren Zeitalter des 14. Jahrhunderts, als das Haus Bardi Bankrott ging. Und
mit der Derivatkrise, mit Billiarden Dollar an Schulden, die unmöglich bezahlt
werden können, sind wir in einer noch schlimmeren Krise als das Haus Bardi und
andere Unternehmen im 14. Jahrhundert. Das bedeutet, daß wir so vorgehen
müssen: abschreiben, was keine Schuldverpflichtung sein sollte, was nicht
bezahlt werden sollte; fortsetzen, was fortlaufen muß, ohne dabei einen Schritt
zu vergessen, die Menschen schützen, die Individuen und die Kulturen schützen,
so als ob es für sie gar keine Störung gegeben hätte. Ich bin überzeugt, daß
wir das mit einer Sanierung in einem ordentlichen Konkursverfahren tun können.
Aber wir brauchen, wie gesagt, einen Plan A und einen Plan B. Ich arbeite an
Plan A. Und ich warne die Menschen davor, wie Plan B aussähe - es würde
schrecklich, absolut schrecklich! Aber wenn es dazu kommt, müssen wir uns dem
stellen, so wie wir uns früher schrecklichen Situationen stellen mußten.
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