Jürgen Elsässers „Volksinitiative“ präsentierte im
Russischen Haus in Berlin Heiner Karuscheits Anti-Amerika-Machwerk „Bye
bye, USA“.
Seit einiger Zeit finden im Russischen Haus in Berlin regelmäßig
Veranstaltungen der sog.
„Volksinitiative“ statt. Der Name läßt zwar erwarten, daß es hier um die
Interessen des Volkes geht und darum, daß die Menschen sich engagieren
sollen,
die Initiative geht in diesem Fall jedoch im wesentlichen nur von dem
Autoren
und politischen Chamäleon Jürgen Elsässer und seinen Freunden aus.
Elsässer war Anfang der 1990 ein Initiator der „Antideutschen“, also
zu dem Zeitpunkt, als die
deutsche Wiedervereinigung im Gange war. Elsässer und seine
Antideutschen
bliesen ins gleiche Horn wie die britische Presse und einige britische
Politiker, die vor dem „Vierten Reich“ warnten und Kohl mit Hitler
verglichen.
Heute distanziert sich Elsässer zwar von den Antideutschen, hat aber
bisher
nicht ausgepackt, in welchem Interesse die Antideutschen damals standen.
Am Abend des 12. Juni 2010 fand im Russischen Haus in Berlin eine
Buchvorstellung und
Podiumsdiskussion zum Thema „Bye bye, USA - bye bye Euro!“ statt. Mit
dabei war der Ex-Marxist und Autor des Buches Heiner Karuscheit,
natürlich
Jürgen Elsässer, sowie der Philosoph, selbst ernannte
Pearl-Harbor-Experte und
renommierte Reiseführerautor Peter Feist. Moderiert wurde die
Veranstaltung von
Sandra Müller, die etwas deplaziert wirkte zwischen den älteren Herren,
deren
Ausstrahlung zwischen Frustration und Selbstverliebtheit schwankte. Das
Buch
mit dem vollständigen Titel Bye bye, USA - Aufstieg und Fall von
Finanzkapital und Militärmacht umfaßt 104 Seiten und bemüht sich,
240 Jahre
amerikanische Geschichte und Außenpolitik darzustellen.
Gleich am Anfang bezeichnete Elsässer das Buch als das beste
Buch, das er je auf den Markt gebracht habe. Das Buch sei als Schulbuch
hervorragend geeignet und leiste einen wesentlichen Beitrag zum
Geschichtsverständnis des US-Imperialismus, was angeblich bisher niemand
im
linken Spektrum in Deutschland als Thema erkannt habe, bis Herr Elsässer
Herrn
Karuscheit inspirierte, dieses bahnbrechende Meisterwerk über den
„Moloch USA“
zu schreiben.
Entsprechend hohe Erwartungen hatte ich, als Karuscheit das
Wort ergriff, um dem Publikum eine Lektion in Geschichte zu erteilen.
Was
folgte, war dann leider nur eine Reihe haarsträubender Behauptungen, die
zwar
nie bewiesen, dafür aber mit um so größerem Nachdruck zum besten geboten
wurden.
So hätten die USA seit ihrer Gründung angestrebt, ihre
geographische Lage auszunutzen, nicht nur um den eigenen Kontinent zu
besiedeln
und zu beherrschen, sondern um von Anfang an selber Seemacht zu werden
und als
Konkurrent zu den europäischen Mächten im Wettkampf um den Weltmarkt
aufzutreten.
Die eigentliche imperiale Seemacht sowie Finanz- und Handelsmacht der
letzten
240 Jahre, nämlich das Britische Weltreich, war unserem Autor keine
Erwähnung
wert. Auch nicht die Tatsache, daß die USA ihre Entstehung einem
Freiheitskampf
gegen dieses Weltreich zu verdanken hat.
Als nächstes meinte unser Autor zu wissen, daß der Angriff
auf die Twintowers in New York am 11. September 2001 der erste Angriff
auf
amerikanisches Territorium seit der Gründung der USA war. Schließlich
sei es ja
gerade diese Unangreifbarkeit gewesen, die „die Amerikaner“ seit 240
Jahren auf
die Idee brachte, selber ein Imperium zu errichten. Der
britisch-amerikanische
Krieg von 1812-1814, der Bürgerkrieg, bei dem die Südstaaten von den
Briten
unterstützt wurden, sowie der japanische Angriff auf Hawaii 1941 wurden
völlig
ignoriert. Übrigens kann ich mich erinnern, daß in Elsässers Kreisen
9/11
bisher immer als hausgemacht bezeichnet wurde. Also was denn nun?
Angriff einer
fremden Macht - oder eine Operation der eigenen Geheimdienste?
Leider waren das nicht die einzigen groben Schnitzer, denn
nun ging Herr Karuscheit auf FDR und die New-Deal-Politik ein. Er
bezeichnete
die New-Deal-Politik als „ein Viertel Keynesianismus und drei Viertel
Hegemonialpolitik“. Nun hätte sich New Deal bestens geeignet, um auf das
im
Buchtitel angesprochene Thema „Finanzkapital“ einzugehen, schließlich
ging es
Roosevelt mit seiner Bankreform darum, der Wall-Street den Einfluß auf
die
Politik zu nehmen und Politik für die vergessenen Männer und Frauen zu
machen. Aber
Herr Karuscheit setzte nun zum entscheidenden Schlag an, um dem Publikum
zu
beweisen, daß er von Geschichte keine Ahnung hat. Unser Autor kennt das
wichtigste New-Deal-Projekt nicht einmal dem Namen nach. Er spricht von
„Tennessee Williams“, erntet Gelächter, vertieft sich für ein paar
Sekunden in
seine Notizen und spricht nun vom „Tennessee Valley“. Ja, Herr
Karuscheit, der
Buchautor und Pulitzerpreisträger bzw. der Bau von Staudammprojekten zur
Regulierung des Tennesseeflusses und Elektrifizierung der verarmten,
ländlichen
Regionen im Süden der USA sind zwei verschiedene Themen.
Das waren längst nicht alle Stilblüten unseres Autors: Die
USA wollten 1941 um jeden Preis Krieg mit Deutschland und Japan, Hitler
wollte
keinen Weltkrieg, sondern die USA. Der Völkermord der Nazis sei für die
USA
kein Kriegsgrund gewesen, sondern die USA wollten die Welt beherrschen.
So ging
es weiter, bis dieser Spuk endlich ein vorläufiges Ende fand.
Nun kam es zu einer, zum Glück kurzen, Podiumsdiskussion,
deren Höhepunkt allerdings darin bestand, daß Herr Feist forderte, daß
Deutschland die rüstungspolitischen Lehren der Jahre 1933-1939 ziehen
sollte,
und nicht, wie Herr Guttenberg es fordert, bei der Bundeswehr zu sparen,
sondern eine den USA ebenbürtige Militärmacht aufzubauen. Kein
Widerspruch von
Karuscheit oder Elsässer. Vielleicht sind unsere drei Herren ja gar
nicht gegen
Imperialismus, sondern nur gegen Imperialismus von dem sie nichts haben.
Auch interessant war, daß Feist zur Frage der Revolutionen
in Deutschland die Ereignisse von 1989-90 gar nicht als friedliche
Revolution
ansah, sondern nur vom Scheitern der Revolution von 1918 sprach. Das ist
doch
ein recht deutliches politisches Bekenntnis für jemanden, der in den
achtziger
Jahren das Privileg hatte, an der Ostberliner Humboldt-Universität
marxistische
Philosophie zu studieren.
Endlich wurde das Wort dem Publikum erteilt, was es mir und
einigen anderen sichtlich beunruhigten Leuten ermöglichte, einen Teil
der Lügen
bloßzustellen. Den drei Herren wurde vor allem folgendes vorgehalten:
Sie
kennen keine Primärliteratur derer, die aktiv amerikanische Geschichte
(z.B. in
der New-Deal-Ära) gestaltet haben. Sie sind nicht informiert über die
Massenproteste, die derzeit in den USA stattfinden, die zeigen, daß die
Masse
der amerikanischen Bevölkerung sich auf die Ideale der Gründerväter
besinnt und
die desaströse Politik von Bush und nun Obama ablehnt. Sie sind sich
nicht der
desaströsen Konsequenzen bewußt, die die von britischer Seite befohlenen
Morde an
Hamilton, Lincoln, Garfield, McKinley, Kennedy und vielleicht auch
Franklin
Roosevelt hatten. Sie sind sich nicht darüber im Klaren, daß Imperien
niemals
aus Nationalstaaten - sei es nun Deutschland, die USA oder wer auch
immer - entstanden,
sondern seit der Zeit des Peleponnesischen Krieges stets von
international
operierenden Finanzoligarchien organisiert wurden.
Auf all diese Dinge wollten oder konnten sie nicht eingehen.
Karuscheit gab jedoch sichtlich destabilisiert zu, daß er noch am
Vorabend der
Veranstaltung, auf dem Weg nach Berlin, zu sich selbst gesagt habe, daß
das
Buch noch an einigen Stellen verbessert werden kann, und er bestritt
auch
nicht, daß er keine Literatur derjenigen kennt, die die amerikanische
Geschichte gestalteten. Die Zuhörer waren amüsiert, und spätestens zu
diesem
Zeitpunkt vom Zauberbann des Abends erlöst. Das beste Buch, das Elsässer
je auf
den Markt brachte, stellt sich nun als ein Machwerk heraus, demgegenüber
Wikipedia als Hort der Wissenschaft gelten muß.
Die Aufregung bei Feist und bei einigen Leuten im Publikum
war groß, da diese Intervention offensichtlich von der „LaRouche-Truppe“
kommen
mußte. Elsässer scheint es aber nicht an Unverfrorenheit zu fehlen, er
wechselte
am Ende noch einmal das Thema und behauptet einfach, daß Josef Ackermann
von
der Deutschen Bank und die „von den Amerikanern geschaffene
Springerpresse“ den
Euro attackieren würden, damit man ihn dann mit dem US-Dollar
fusionieren
könnte, damit Deutschland dann die Schulden der USA bezahlen könnte, die
ja
genau so bankrott seien wie Griechenland. Einige Leute im Publikum
ließen sich
von diesem Schwachsinn tatsächlich beeindrucken und bekamen es mit der
Angst zu tun.
Nun versteht es Jürgen Elsässer, Angst in Haß umzukehren: Er
forderte „einen intelligenten Antiamerikanismus“. Als ihm aus dem
Publikum die
Worte „Volksverhetzung“ und „Für wen arbeiten Sie eigentlich?“
entgegenkamen,
wechselte er ein letztes Mal das Thema und sprach wirres Zeug über die
Rückkehr
zur D-Mark und eurasische Perspektive, ohne zu sagen, warum die D-Mark,
welche
Perspektive es in Eurasien gibt, oder von wem er diese Slogans
übernommen hat,
und in welchem Kontext sie ursprünglich auftraten.
Allerdings war der Abend für Elsässer und seine Freunde zu
diesem Zeitpunkt schon gelaufen. Immerhin ist klar geworden, daß sie
beim
Verdrehen der Köpfe bei sich selbst den größten Erfolg haben, denn bei
einem
nur halbwegs gebildeten Publikum wird solcher Unsinn abperlen wie Wasser
an
einer Lotusblume.
AKTUELLES ZUM THEMA
Audio
VIDEOS ZUM THEMA
Min
Min
Min
EMPFEHLUNGEN
Artikel von Zepp-LaRouche
Min


