Im folgenden veröffentlichen wir den Wortlaut der Rede von Helga Zepp-LaRouche auf der internationalen Konferenz des Schiller-Instituts am 17. Februar 2002 in Reston im amerikanischen Bundesstaat Virginia.
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Betrachtet man die Ereignisse im Nahen Osten, in der Golfregion und anderswo, so erkennt man, wie groß die Gefahr ist, daß es tatsächlich zu dem "Zusammenstoß der Zivilisationen" kommt. Ich erinnere an die Worte des ehemaligen CIA-Chefs James Woolsey, der unmittelbar nach dem 11. September sagte, der Krieg gegen den Terrorismus könnte hundert Jahre dauern.
Sollte das Wirklichkeit werden, sollte es wirklich zu einem hundertjährigen Krieg kommen, dann würde die Welt in ein neues finsteres Zeitalter stürzen. Seit dem Beginn der Bombenangriffe auf Afghanistan brennt die Lunte zu diesem Zusammenstoß der Zivilisationen.
Schon heute ist die gesamte Region ein Pulverfaß. In Afghanistan ist die Lage völlig instabil. In Europa weiß jeder, daß die gesamte Region in die Luft fliegen würde, falls die Politik, die Präsident Bush in seiner "Rede zur Lage der Nation" zum Ausdruck brachte - die angebliche "Achse des Bösen" von Irak, Iran und Nordkorea - , in die Tat umgesetzt würde.
Deshalb gibt es in Europa eine beispiellose Protestwelle. Denn vielen europäischen Politikern ist klar, daß entgegen aller Propaganda ein Angriff auf den Irak - ganz zu schweigen vom Iran oder Nordkorea - eine strategische Krise mit Rußland bedeutete, und daß all dies im Kontext der finanziellen Kernschmelze zu einer unkalkulierbaren Lage führen würde, an deren Ende sehr leicht der Dritte Weltkrieg stehen könnte.
Huntington und der "Kampf der Zivilisationen"
Deshalb spreche ich heute über den "Dialog der Kulturen". Dies ist eine der dringendsten Aufgaben der heutigen Zivilisation, wenn wir den berüchtigten "Kampf der Kulturen" verhindern wollen. Ich halte es für wichtig, die Kulturen zu studieren, über die wir reden. Wir können wir sie verstehen? Und wie können wir erkennen, daß Samuel Huntingtons Wahnsinnsthese über den "Kampf der Kulturen" in der Tat verrückt und falsch ist?
Diese These beruht auf der falschen Annahme, die Kulturen, Religionen und Zivilisationen wären völlig unterschiedlich und durch keinerlei universale Prinzipien verbunden, weshalb ein Krieg zwischen ihnen letztendlich unvermeidlich wäre.
Samuel Huntington behauptet in seinem Buch Der Kampf der Kulturen, Christentum, Islam, Judaismus, Hinduismus, Konfuzianismus seien alle grundsätzlich verschieden und unvereinbar. Wenn man es liest, dreht sich einem der Magen um. Jedes Buch spiegelt den Geist seines Autors wieder, und bei diesem Buch erkennt man sofort: Dieser Mensch hat einen furchtbar häßlichen Geist.
Dieser häßliche Geist äußert sich auch in seinem Buch The Soldier and the State ("Soldat und Staat"), worin er das Verhältnis der Armee zur Zivilbevölkerung behandelt und worin er sich für eine Berufsarmee ausspricht, die blinden Gehorsam übt und deren Soldaten die Legionen bilden, die das Reich zusammenhalten. Und es ist höchst aufschlußreich, daß er als Beispiel für einen "guten" Soldaten, der nicht denkt, sondern blind Befehle ausführt, die Reichswehr nennt, die sich 1933 Hitlers Machtübernahme nicht widersetzte, und als Beispiel dafür, wie Soldaten nicht sein sollten, die Widerstandsbewegung des 20. Juli 1944 anführt - soviel zu seinem Geist.
Im Laufe der vergangenen Monate wurde in der New York Times und in anderen Organen über ein globales "Amerikanisches Empire" diskutiert. Diese Idee eines Weltimperiums, die H.G. Wells in seinem Buch Die offene Verschwörung entwickelte und die seitdem das Denken vieler Generationen im amerikanischen Establishment vergiftet hat, kommt aus der Versenkung hervor.
Die Kontrolle über ein solches neues Weltreich unter Vorherrschaft der USA, oder besser der Anglo-Amerikaner, steht und fällt mit der Annahme, die unterschiedlichen Kulturen hätten keine gemeinsamen universellen Ideen. Denn nur so kann man sie kontrollieren, voneinander fernhalten, manipulieren.
Das ist nun ganz und gar nichts Neues. Wenn man die britische Geschichtsschreibung studiert, so ist man schier überwältigt davon, mit welcher Energie die britischen Historiker seit 300 Jahren zu beweisen versuchen, alle Kulturen hätten sich völlig autochthon, autark entwickelt und hätten einander nicht beeinflußt.
Wenn die Menschen das glauben, sind sie natürlich extrem leicht zu manipulieren. Wahrscheinlich kennen Sie das alle: Man hat einen Streit mit jemand anderem, und dann fängt man an, im Kopf eine Liste der schlechten Eigenschaften des anderen zu erstellen und denkt nur noch in diesen negativen Begriffen über ihn. Wenn man dann die Auseinandersetzung schließlich beenden und den Konflikt beilegen will, dann muß man sich aber daran erinnern, daß der andere eben nicht nur diese schlechten Eigenschaften hat, sondern daß es etwas anderes gibt, was einen verbindet, und daß es eine höhere Vernunftebene gibt, auf die man sich gemeinsam beziehen kann.
Nikolaus von Kues und Universalgeschichte
Versucht man diese Idee des Dialogs der Kulturen auf der Grundlage der Universalgeschichte zu entwickeln, so ist für mich Nikolaus von Kues immer noch der beste Bezugspunkt. Schon in meinem Aufruf vom Oktober des vergangenen Jahres habe ich mich auf seinen großen Aufruf zum Dialog der Kulturen bezogen. Er ist überschrieben De pace fidei (Über den Frieden im Glauben) und wurde 1453 verfaßt, nachdem Konstantinopel an die Türken gefallen war. Man kann in dem Zusammenhang ruhig von einem Zusammenstoß der Zivilisationen sprechen. In Europa breitete sich große Furcht aus, Berichte über Blutvergießen, Vergewaltigungen, Morde machten die Runde.
Nikolaus von Kues war gerade in Konstantinopel gewesen, und nun schrieb er unter dem Eindruck dieser Kriegsberichte seinen erhabenen, schönen Dialog, in dem Vertreter von 17 Religionen und Nationen zu Gott, dem Heiligen Wort, kommen und (sinngemäß) sagen: "Wir bekämpfen uns alle gegenseitig in Deinem Namen, das kann doch nicht in Deinem Sinne sein. Kannst Du uns helfen, das Problem zu überwinden?" Gott, das Heilige Wort, antwortet: "Ihr seid alle weise Männer, Gelehrte Eurer Religionen und könnt deshalb alle verstehen, daß es nur eine Wahrheit gibt." Und die Weisen antworten: "Ja, wir alle wissen, daß es nur eine Wahrheit gibt. Aber warum kämpfen wir dann immer noch?" Und Gott antwortet: "Ihr alle macht den Fehler, die Worte der Propheten für das Wort Gottes zu halten." Alle geben zu, daß das Wort Gottes einen höheren Wert hat als die Worte aller Propheten.
"Aber wir kämpfen immer noch." Gott sagt: "Ihr macht noch einen weiteren Fehler, ihr verwechselt Wahrheit mit Tradition. Die Wahrheit ist einzig, der Traditionen gibt es viele." Da stimmen alle die Weisen zu, sagen aber: "Wie können wir nun zurückgehen zu unseren Völkern und ihnen sagen, sie sollten an eine neue Religion glauben, wenn so viel Blut für die alte vergossen worden ist?" Gott sagt: "Ich fordere ja gar nicht, daß Ihr an eine neue Religion glaubt. Ich spreche von der Religion, die vor allen Religionen war und die über allen Religionen steht. Jetzt geht zu Euren Völkern und lehrt sie die Wahrheit."
Nikolaus bringt hier, bezogen auf den konkreten Fall des Religionskrieges, seine tiefste Überzeugung zum Ausdruck, die wir schon in seiner ersten Predigt aus dem Jahr 1430 finden: daß es eine Vielfalt von Stimmen gibt, die alle die eine Wahrheit ausdrücken. Das stand in der humanistischen Tradition, die an eine fortgesetzte Urweisheit aller Völker glaubt: eine prisca theologica, eine alte, sehr weise Theologie, die über allen unterschiedlichen Theologien steht.
Untersuchen wir also, ob sich in den verschiedenen Religionen Beweise für diese eine Wahrheit finden lassen.
Die Hindu-Kosmologie
Gehen wir zunächst zu einer der Wiegen der Menschheit, nach Indien und zum Hinduismus, wo wir eine mindestens 8000 Jahre alte, vielleicht noch viel ältere, ungebrochene Zivilisation finden. In den ältesten indischen Schriften, den ältesten Hindu-Schriften der Rigveda, finden wir den berühmten Satz über "das Eine Wahrlich Göttliche mit den Vielen Namen". Die Wahrheit ist Eins, die Weisen geben ihr lediglich unterschiedliche Namen. Im Hinduismus gibt es die tiefe Erkenntnis, daß die Eine Göttliche Wahrheit keiner Sprache oder Kultur ein Vorrecht einräumt. Die Eine Wahrheit gehört niemandem allein, sondern erscheint in unterschiedlichen Seelen unterschiedlich. Die ewige Religion, das "Sanatana Dharma", ist mehr als das "Hindu Dharma" und mehr als jede andere Religion. Diese ewige Religion wird als hinter allen Religionen oder, wie Cusanus sagen würde, "über allen Religionen" liegend aufgefaßt.
Dharma bedeutet auch die ewige Ordnung, die sowohl den Kosmos als auch das moralische Gesetz des Menschen regiert - eine Idee, die dem Konzept des Mikrokosmos/Makrokosmos bei Nikolaus von Kues sehr ähnlich ist.
Mahatma Gandhi betrachtete sich selbst als Sanatana Hindu, der auch die Wahrheit der anderen Religionen akzeptiert. Der Hinduismus ist keine Missionsreligion, sondern ist von der tiefen Überzeugung bestimmt, daß andere Menschen oder andere Religionen ihren eigenen Weg haben, zu Gott zu kommen. Wenn jemand behauptet, er allein habe einen Begriff für die Wahrheit, gilt das sogar als Blasphemie. Wer die Farbe der eigenen Brillengläser für die einzige Farbe auf der Welt hält, der sieht nur diese Farbe und nicht die Gegenstände selbst. Gott hat bewußt viele Farben geschaffen, Gott wünscht die Vielfalt.
Der berühmte und wunderschöne Schöpfungsgesang der Rigveda beschreibt die Erschaffung des Universums als "vor aller Schöpfung ruhend" in der ursprünglichen Einheit, woraus der göttliche Schöpfer wirkt und das Universum erschafft. In der vierten Strophe des Schöpfungsgesangs finden wir die Idee, daß die erste Saat des Denkens der Wunsch nach Liebe war. Die Weisen blickten in ihr Herz, und indem sie so nachdachten, fanden sie das ursprüngliche Sein des Nichtseienden.
Wir sollten uns an diesen Aspekt der indischen Kosmologie erinnern, wenn wir uns später dem ägyptischen Schöpfungsmythos zuwenden.
Obwohl es im Hinduismus keinen bindenden Text wie die Bibel oder den Koran gibt, kann man unter den Hinduschriften die Rigveda grob mit dem Alten Testament vergleichen und die Upanishaden mit dem Neuen Testament. Aus all den interessanten Konzepten möchte ich nur zwei Ideen herausgreifen: einerseits das "Saguna Brahman" oder Absolute Brahman, mit besonderen Wesenszügen, und andererseits den Aspekt, der über allen unterschiedlichen Wesenszügen steht, der das "Nirguna Brahman" heißt. Dieses Brahman ohne spezifische Attribute ist die höchste Form des Bewußtseins. Es ist genau das, was Cusanus mit der "negativen Theologie" als das "Nicht-Andere" beschreibt: Man kann Gott keinen positiven Namen geben, weil das die Größe Gottes herabsetzt, man kann Gott nur beschreiben als "das Nicht-Andere ist nichts anderes als das Nicht-Andere."
Die meisten Menschen brauchen einen persönlichen Gott mit Attributen. Im Hinduismus ist dies das "Ishwara", das den Menschen die Gnade gibt. Im Hinduismus der späteren Perioden, aus der die großen epischen Dramen Ramayana, Mahahjarata und die Bhagavad-Gita (Ghandis Lieblingsbuch) stammen, wurde dieses Ideal des Saguna Brahman zur verbreitetsten Form des Hinduismus.
Von der älteren Rigveda bis zu den Upanishaden änderte sich der Gottesbegriff. Jetzt ist Gott kein einziger Gott, sondern er ist der allmächtige, allwissende Eine. Er ist in uns, neben uns und über uns. Wir werden das später bei den Konzepten der Ägypter wiederfinden, und es entspricht auch der cusanischen Idee des quodlibet in quolibet, daß alles in allem enthalten ist. Dieser Gott der Upanishaden läßt sich nicht durch Sprechen, Denken oder Sehen begreifen, sondern nur durch die Worte "Er ist": die Idee, daß alle Vorstellungen von Dualismus und Vielfältigkeit Verwirrung sind, daß positive Beschreibungen und Unterscheidungen negiert werden müssen - und das um so mehr, wenn man sich auf die eine Wahrheit, das Absolute Brahman bezieht.
Einige Schlüsselkonzepte des Hinduismus sind dem Christentum sehr ähnlich:
- Erstens, daß es eine ewige Religion gibt, die über der Tradition der einzelnen Religionen steht, wie es in De pace fidei zum Ausdruck kommt;
- zweitens, daß der wahre Charakter Gottes nicht mit positiven Begriffen erklärt werden kann - die negative Theologie des "Nicht-Anderen" bei Nikolaus von Kues;
- drittens, daß der Mensch an Gottes Natur teilhat (die christliche Idee des imago Dei: der Mensch als Ebenbild Gottes); und
- viertens, daß gemäß dem "Schöpfungsgesang" der Veda Liebe und Verstand zusammengehören wie in der christlichen Idee der Agape.
Der Zusammenhang zwischen Christentum und Philosophie
Welche anderen Beweise haben wir für diese Urweisheit, die in der ganzen Menschheitsgeschichte existiert, die Idee einer fortdauernden Tradition wißbarer Weisheit? Augustinus spricht im Siebten Buch seiner Bekenntnisse von der Übereinstimmung zwischen Christentum und Philosophie. Die Neuplatoniker hätten vieles, was im Johannesevangelium steht, fast wörtlich genauso ausgedrückt: die Einheit und das Eins-Sein Gottes, die Erschaffung der Welt durch den Geist (Logos), die Erleuchtung und Schaffung menschlicher Seelen durch den Logos. Nur die Fleischwerdung Gottes und die Erlösung des Menschen durch den Tod Christi fehlten, sagt Augustinus.
In der bereits erwähnten Predigt von 1430 zitiert Nikolaus von Kues diese Aussage des Augustinus und erläutert dann, warum der Beginn des Johannesevangeliums mit der allgemeinen menschlichen Weisheitstradition übereinstimmt. Wie Nikolaus hinzufügt, haben nicht nur die Neuplatoniker Gott als den Logos erkannt, schon Hermes Trismegistus habe die Wahrheit bereits fast vollständig erkannt und die Macht und Erhabenheit des Logos beschrieben.
Für Nikolaus sah in den Hermes Trismegistus zugeschriebenen Schriften den Ausdruck einer sehr, sehr alten Weisheit, auf die sich sowohl Moses als auch die Platoniker bezogen hätten. Nach seiner Überzeugung bildete diese Weisheit die gemeinsame Grundlage der Vielfalt menschlicher Geschichte, weshalb alle unterschiedlichen Ansichten in Übereinstimmung gebracht werden könnten.
Wer war dieser Hermes Trismegistus? Der Name ist mir seit langem bekannt, weil Nikolaus ihn oft zitiert, aber erst in jüngster Zeit habe ich mich eingehender mit ihm beschäftigt, und ich war von diesem Menschen - oder hat er vielleicht gar nicht als Person existiert? - völlig fasziniert. Es ist eine der aufregendsten Geschichten der antiken und neuzeitlichen Geschichte, die den unüberbrückbaren Gegensatz zwischen der Fraktion des britischen Imperiums und der humanistischen Tradition betrifft. Über diese Frage gibt es seit 25 Jahren einen erbitterten Streit unter den Historikern: die berühmte Debatte über die Schwarze Athene, ein Buch von Martin Bernal, das 1987 erschien und die ägyptischen Wurzeln des klassischen Griechenlands und damit der europäischen Zivilisation behandelt.
Die Auseinandersetzung über dieses Buch war und ist so heftig, daß beispielsweise ein gewisser John R. Lens in der Zeitschrift Free Inquiry schrieb: "Seit dem Alten Testament hat kein Buch über das zweite vorchristliche Jahrhundert eine solche Kontroverse ausgelöst wie Schwarze Athene." Und ein David Gress schreibt in New Criterion: "Wer hätte es für möglich gehalten, das Griechenland der Bronzezeit in den gegenwärtigen Krieg gegen die westliche Zivilisation hineinzuziehen?" Es ginge um nichts Geringeres als die Verdrehung und Zerstörung der höheren Erziehung, das sei das Ziel des Autors Martin Bernal.
Warum sollte Bernals These, die alten Griechen hätten viel von den Ägyptern gelernt, einen Angriff auf die westliche Zivilisation darstellen? Hat da jemand, der denkt wie die Verfechter des Krieges der Zivilisationen, die Nerven verloren? Wir werden sehen.
Wer ist Hermes Trismegistus?
Betrachten wir einige Aspekte einer sehr komplexen Frage. Gehen wir zurück zu Nikolaus von Kues' Aussage, Moses und Platon hätten wesentliche Wahrheiten von Hermes Trismegistus gelernt. Alle Gelehrten sind sich darin einig, daß Hermes Trismegistus mit dem ägyptischen Gott Thoth identisch war. Selbst die heutigen Autoren leugnen nicht, daß er der Gott der Weisheit und des Wissens war.
Eine weiteres Beispiel ist eine Vignette aus der 19. Dynastie, um 1285 v.Chr. Es ist die Vignette zu Vers 125 des Totenbuchs worauf Hunifer von dem schakalköpfigen Gott Anubis zum Prozeß geführt wird und sein Herz gegen eine Feder, das Symbol der Wahrheit, aufgewogen wird. Wenn die Feder und das Herz des soeben Verstorbenen gleich schwer sind, beweist das, daß dieser Mensch ein Leben nach den Gesetzen geführt hat. Rechts neben der Waage ist der Gott der Weisheit, Thoth, mit seinem Ibiskopf dargestellt, er notiert das Ergebnis des Wiegens. Die Schrift nennt Thoth den "Meister des Göttlichen Wortes".
Es gibt einen Streit über das Alter dieser Schriften und des sogenannten Corpus Hermeticus, das sind Texte, die vielleicht bis auf diesen Gott Thoth zurückgehen, wahrscheinlich aber teilweise viel später geschrieben wurden. Der große Streit geht nun darum, ob diese Texte die antike ägyptische Philosophie wiedergeben oder ob sie aus dem klassischen Griechenland stammen. Man streitet auch über Thoth, der auf griechisch Hermes genannt wird, und seine Rolle. Zugegebenermaßen ist die Grenze zwischen der unbestreitbar sehr alten Überlieferung des Thoth in Ägypten und der Philosophie der Hermetischen Texte fließend, und es ist sehr schwer, von einem archäologischen oder philosophischen Standpunkt zu eindeutigen Schlüssen zu kommen. Tatsache ist allerdings, daß bis zu den Schriften des französischen Protestanten Isaac Casaubon zu Anfang des 17. Jahrhunderts alle Denker Hermes Trismegistus und die Hermetischen Schriften als ägyptisch betrachteten.
Casaubon wies die philosophischen, theologischen und sogar wörtlichen Übereinstimmungen zwischen den Hermetischen Texten, Platon und dem Neuen Testament nach und folgerte, dies könne nur bedeuten, daß die Hermetischen Schriften nach dem Auftreten des Christentums in Griechenland entstanden sein könnten, d.h. im zweiten bis vierten nachchristlichen Jahrhundert. Aber man kann es auch umgekehrt betrachten, nämlich daß diese Übereinstimmungen die These von Augustinus und Nikolaus von Kues stützen, daß zwischen der universellen menschlichen Wahrheit und dem Christentum kein Widerspruch bestehe.
Entweder sind Platons Ideen identisch mit der ägyptischen Tradition, oder sie sind von dort übernommen. Betrachten wir die unterschiedlichen Aspekte. In Platons Phaidon sagt Sokrates, Thoth habe die Zahlen, die Mathematik und Geometrie und vor allem die Buchstaben, die Hieroglyphen, geschaffen. Thoth ist eindeutig der Schöpfer der Schrift und der Weisheit; als dieser wird er im Totenbuch mehrmals erwähnt. Das Totenbuch war in der 18. Dynastie, d.h. zwischen dem 16. und 14. Jahrh. v.Chr., weit verbreitet. Auch in der 19. Dynastie werden die Schriften des Thoth erwähnt und Thoth als besonders mächtige Gottheit bezeichnet.
Neuere Entdeckungen deuten darauf hin, daß zumindest Teile der Hermetischen Schriften viel früher zu datieren sind. Im oberägyptischen Esne finden wir den Namen Thoth (der auch der "dreimal Größte" genannt wird) im dritten Jahrhundert v.Chr., und "Trismegistus" heißt der "dreifach große" Hermes. Man fand auch die sog. demotischen Texte aus Saqqana bei Memphis aus dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert.
Ein hochinteressanter Text, die sog. "Memphis-Theologie" aus dem 2. oder 3. Jahrtausend v.Chr., enthält eine Kosmologie, in der Ptah, der Gott von Memphis, und sein Abkömmling Atun als die ersten Lebewesen erscheinen. Ptah schafft das Universum in seinem Herzen, wo sein Intellekt sitzt, und verwirklicht es durch seine Zunge im Akt des Sprechens. Die Ähnlichkeit dieses Schöpfungsberichts mit Platon und dem Beginn des Johannes-Evangeliums liegt auf der Hand. Selbst James Breasted von der Universität Chikago, der ansonsten die Ansichten Philons von Alexandria und Friedrich Schillers über Ägypten nicht teilt, schrieb 1901 nach der Veröffentlichung der Übersetzung der Memphis-Theologie: "Diese Konzeption der Welt bildet eine hinreichende Grundlage für die Annahme, daß der Begriff des Nous [der Geist] und Logos [das Wort], von denen man bisher annahm, sie wären erst viel später in Ägypten eingeführt worden, bereits viel früher existierten. Damit erhält der griechische Bericht, wonach die griechische Philosophie ihren Ursprung in Ägypten habe, viel mehr Wahrheit, als man heutzutage zuzugeben bereit ist."
In der Kosmologie bildet Thoth das Herz von Path und Horus die Zunge. Die Tradition, die Thoth mit dem Herzen verbindet, findet sich noch 2000 Jahre später im Schatz des Hor. John Ray, der diese Texte veröffentlichte, betont die enge Verbindung des Herzens mit dem Intellekt, mit dem Thoth verbunden ist.
Ist das nicht eine ähnliche Idee wie in den ersten vier Versen des vedischen Schöpfungsgesangs: daß Intellekt und Herz zusammengehören?
Es scheint, daß der Corpus Hermeticus über einen sehr langen Zeitraum zwischen dem sechsten und zweiten Jh. v.Chr. entstand, wobei möglicherweise ältere Überlieferungen aufgeschrieben wurden, aber er enthält sicherlich die religiösen und philosophischen Ideen viel früherer ägyptischer Zeiten.
Griechen und Ägypter
Die ebenfalls vorhandenen griechischen Einflüsse müssen noch weiter untersucht werden. Vieles von der pythagoreischen und platonischen Philosophie war zunächst stark von Ägypten beeinflußt. In diese Zeit fiel auch die sogenannte "Euhemerisierung", d.h. die Umwandlung der Götter in Weise, aber Christentum und Islam bezogen sich auch weiterhin auf Hermes Trismegistus als Vorbild des Wissens.
Bevor wir uns der Ursache zuwenden, warum die Frage der ägyptischen Einflüsse auf die griechische Philosophie so umstritten ist, untersuchen wir zunächst, was die griechischen Philosophen selbst und die Denker der Renaissance dazu sagen. Martin Bernal nimmt an, es habe im zweiten Jahrtausend v.Chr. Wellen der Kolonisierung gegeben, nicht nur auf Kreta, sondern auch in Griechenland. Warum sollte es einen Bruch in dieser Tradition gegeben haben? Platon beschreibt in seinen Dialogen Timaios und Kritias die frühere Zivilisation von Atlantis und deren Zerstörung. Kritias erzählt folgende Geschichte: Solon - der von 640 bis 560 v.Chr. lebte - habe Sais besucht, die Hauptstadt Ägyptens im frühen 6. Jahrhundert, wo er wie ein Familienmitglied empfangen worden sei, weil die Beziehungen zwischen Athen und Sais so eng waren. Ein hochrangiger ägyptischer Priester ermahnt Solon mit den berühmten Worten: "O Solon, Solon! Ihr Griechen seid nichts als Kinder, es gibt keinen erwachsenen Griechen." Dies spiegelt offenbar wieder, daß Platon Ägypten als die ältere Kultur betrachtete - vielleicht sahen die alten Ägypter in den Griechen die "Babyboomer" oder "68er" ihrer Zeit.
Dann erklärt Platon, warum die Athener so wenig über ihre eigene Vergangenheit wissen. Es gebe keine Erinnerung an den Glanz vergangener Zeiten, weil die griechische Kultur immer wieder durch Feuer und Flutkatastrophen - das berühmte finstere Zeitalter - zerstört wurde. In Ägypten hätten aufgrund der günstigeren Lage sehr alte Institutionen und Zeugnisse über lange Zeiten überlebt. Deshalb müsse jeder, der etwas über die früheren Zeiten der Athener erfahren wolle, nach Ägypten gehen.
Er berichtet auch, daß zahlreiche wichtige Männer wie Solon, Pythagoras, aber auch Pelops, Cadmus, Aigyptus oder Danaos Ideen und Kulturgüter aus Ägypten mitgebracht hätten.
Betrachten wir auch kurz, was einige spätere Denker dazu sagen. Der christliche Autor Caecilius Firnianus Lectantius, der 317 n.Chr. starb, schreibt, Hermes habe vor Moses gelebt. Philo von Alexandria, der im ersten Jahrhundert lebte, versuchte eine Verbindung zwischen dem hermetischen Denken und dem Neuen Testament sowie platonischen Denken zu ziehen. Abaelard bezog sich auf die Hermetischen Schriften, um wie schon Augustinus vor ihm zu zeigen, wie tief die Philosophen die göttlichen Geheimnisse verstanden hatten - daß Gott nicht nur gut ist, sondern das Gute selbst ist, daß er als welterschaffende Weisheit die Summe aller Ideen hervorbringt, und daß er die ganze Welt in liebender Weise bewegt.
Diese Grundprinzipien einer philosophischen Lehre der Dreieinigkeit fand Abelard bereits in Hermes Trismegistus sowie Platon, den er "den größten Philosophen" nennt.
Einen ähnlichen Begriff der Dreieinigkeit finden wir bei Ramon Llull (Raimundus Llullus), der auf Mallorca lebte. Er beschrieb Gott als den Schöpfer (Deificans), den Geschaffenen (Deificabilis) und den Werdensprozeß der Schöpfung (Deificare). Nikolaus von Kues, der Llulls Schriften aus seiner Studienzeit in Padua kannte, versucht die Dreieinigkeit philosophisch zu beweisen und sieht sich selbst in der Tradition des Hermes und der Neuplatoniker, von denen schon Augustinus gesagt hatte, sie hätten die Dreieinigkeit philosophisch verstanden.
Einflüsse der Hermetischen Schriften finden sich bei Albertus Magnus im 13. Jahrhundert, der über die ägyptische Weisheit des Hermes spricht: "Der Mensch ist durch den Intellekt, das ,Band' zwischen Gott und der Welt", sagt Albert. Der englische Mathematiker und Philosoph Thomas Bradwardine, der 1349 starb, nennt Hermes den "Vater der Philosophen", den "dreifach großen Trismegistus", Trismegistus triplex, den philosophischen "größten Vater" Pater Maximus, den König Ägyptens Rex Aegypti, Philosoph und Prophet.
Im Auftrag Cosimo de Medicis, des großen Förderers der Renaissance in Florenz, übersetzte Ficino 1463 die gesamten Hermetischen Schriften, die mazedonische Mönche gerade mitgebracht hatten, noch vor den Dialogen Platons, aus Ehrfurcht für die älteren Quellen. Diese Übersetzungen stärkten die Idee, daß es eine universelle, grundlegende Wahrheit gibt, die sich in der Universalgeschichte zeigt. Ficino wollte auch die Einheit von Christentum, Platonismus und Hermetischer Tradition beweisen. Und Giordano Bruno sagte: "Wir Griechen" - er nannte sich einen Griechen, weil er sich in dieser Tradition sah - "danken Ägypten, der großen Monarchie der Erziehung und des geistigen Adels, daß sie der Ahn unserer Fabeln, Metaphern und Lehren ist." Bruno wurde für seine Ansichten bei lebendigem Leibe verbrannt.
Noch im 17. Jahrhundert schrieb der deutsche Jesuit Athanasius Kircher: "Hermes Trismegistus, der als erster die Hieroglyphen einführte und dadurch Prinz und Vorläufer der gesamten ägyptischen Theologie und Philosophie wurde, war der erste und älteste unter den Ägyptern. Von ihm lernten Orpheus, Musaios, Linos, Phyllagorus, Platon, Eudoxos, Parmenides, Mellisos, Homer, Euripides und andere alles, was sie über Gott und das Göttliche wußten."
Der romantische Rassismus kommt ins Spiel
Bernal erklärt in seinem Buch, dieses antike Modell der griechischen Geschichte, welches die Griechen der klassischen und hellenistischen Perioden als ihre eigene Geschichte betrachteten, sei durch das "arische Modell" ersetzt worden, wie Bernal es nennt, das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auftaucht, sich aber bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen läßt. Ich stimme Bernal zu, wenn er die These aufstellt, für die Rassisten und Romantiker des 18. und 19. Jahrhunderts sei der Gedanke unerträglich gewesen, daß Griechenland, die Wiege der europäischen Zivilisation, tatsächlich eine Mischung aus europäischen und ägyptischen, also afrikanischen, asiatischen und semitischen Kolonisierungselementen war. Wenn man weiß (und ich selbst habe das intensiv studiert), wie besessen die Romantiker daran gearbeitet haben, die griechische Klassik durch eine eigenartige Mixtur von Phantasien, mittelalterlichen Vorstellungen und nordischen Mythologien zu ersetzen, wie statt der Ideengeschichte Blut und Boden und offener Rassismus zur Grundlage der Identität (z.B. der verschiedenen Kolonialreiche) gemacht wurde, dann ist das sehr einleuchtend.
Es ist erstaunlich, wie in der Literatur über griechische Geschichte und Philosophie die ägyptische Seite völlig ignoriert wird. Hermes Trismegistus wird einfach als Grieche hingestellt. Auch die Ägyptologen haben dazu nichts zu sagen. Und auch in der Sekundärliteratur über die Philosophie der Renaissance und Platons findet man den Namen Hermes Trismegistus, doch der ägyptische Hintergrund dieser Ideen wird fast nie erwähnt.
Es gibt auf der einen Seite die europäische Geschichte und auf der anderen die ägyptische, doch die Experten beider Richtungen tun so, als gäbe es die andere gar nicht. Die Frage wird noch weiter dadurch vernebelt, daß sich verschiedene merkwürdige Sekten und Tendenzen auf die ägyptische Geschichte und Philosophie beziehen, z.B. insbesondere ab dem 17. Jahrhundert die Rosenkreuzer und freimaurerische Gruppen oder die Esoteriker unserer Tage.
Das ist um so erstaunlicher, als einige der wichtigsten archäologischen Arbeiten in das 19. Jahrhundert fallen, beispielsweise die Entzifferung der Hieroglyphen durch Champollion. Die Inschrift auf dem berühmten Stein von Rosette aus dem ptolemäischen Reich im Jahr 196 v.Chr. beschreibt den 18. Tag des zweiten Wintermonats in der Regierungszeit Königs Ptolemäus V., als die Priester von Memphis ein Dekret über die Krönung des 14jährigen Königs erließen, der aus Mazedonien gekommen war.
Auf dem Stein finden wir drei Schriften: erstens griechisch, die offizielle Sprache, zweitens demotisch, damals die Umgangssprache in Ägypten, aber dieser heilige Text ist auch in den alten Hieroglyphen geschrieben. Die Stele wurde 1798 während Napoleons Ägyptenfeldzug in der Hafenstadt El Rashid gefunden. Obwohl sie 762 kg wiegt, wurde sie gestohlen und ins Britische Museum gebracht. Von dort erhielt Champollion später eine Abschrift, anhand derer er die Hieroglyphenschrift entzifferte.
Ein weiterer archäologischer Höhepunkt im 19. Jahrhundert war die Entdeckung Trojas durch Heinrich Schliemann. Später entzifferte Michael Ventris die Schrift Linear B.
Die Ideologie des Kolonialismus
Doch seit dem Ende des 18. Jahrhunderts bis ins 20. Jahrhundert hinein wurde trotz alledem die Frage des ägyptischen Einflusses auf das antike Griechenland immer mehr ideologisiert. Offensichtlich steigerte sich das Mißfallen der Briten an Ägypten (und am Sudan) während der britischen Besatzung des Landes noch weiter. Es gab zwar auch ernsthafte Archäologen in England, wie etwas William Matthew Flinders-Petrie, doch die rassistischen oder arischen Betrachtungsweisen - à la Gobineau - gewannen die Oberhand.
Typisch dafür ist ein von Bernal erwähntes Zitat des englischen Ägyptologen Wallis Budge: "Die Ägypter, ihrem Wesen nach ein afrikanisches Volk, hatten alle Vorzüge und Mängel, die die afrikanische Rasse allgemein auszeichnen. Und es ist nicht im entferntesten vorstellbar, daß ein afrikanisches Volk in der Lage wäre, eine Metaphysik im modernen Sinne zu entwickeln." Und gegen den deutschen Ägyptologen Heinrich Bruksch, der 1868 Professor für Archäologie in Göttingen geworden war und die Ansicht vertrat, die Ägypter hätten den Monotheismus entwickelt, schrieb Bugde: "Es ist sehr schwer zu begreifen, warum ein ausgezeichneter Ägyptologe versuchen sollte, das Gottesbild ,hellenisierter Afrikaner' mit dem von den Griechen und Römern entwickelten zu vergleichen."
Zweifellos wird die Frage des ägyptischen Einflusses auf Griechenland und damit Europa durch solchen puren Rassismus völlig vernebelt. Deshalb sind Martin Bernals Bemühungen legitim, auch wenn er in seinem berechtigten Zorn den Fehler begeht, die "europäische Arroganz", wie er es nennt, mit den Ansichten der Kolonialherren gleichzusetzen und die humanistische Tradition vollkommen außer acht zu lassen. Leider stützt er damit verbreitete Vorurteile gegenüber "toten weißen europäischen Männern" bei Afro-Amerikanern und anderen, die sich damit den Zugang zu großartigem universellen Wissen selbst versperren.
Als 1987 sein Buch Schwarze Athene erschien, diskutierten alle großen Historikervereinigungen darüber in ihren Versammlungen, etwa die Klassiker- und Ägyptologenvereinigungen, die Amerikanische Philologische Vereinigung und das Amerikanische Forschungszentrum in Kairo. In Zeitungen und Zeitschriften erschienen zahllose Artikel, im Internet finden sich bis heute Tausende. Es ist immer noch eine der umstrittensten Thesen.
Besonders wütend reagierte eine gewisse Mary Lefkowitz in einem Aufsatz mit dem Titel "Nicht aus Afrika", worin sie die ihrer Meinung nach "afrozentrische" oder "nilozentrische" Sicht zurückweist. Dabei versucht sie nicht nur, Bernals Argumente zu widerlegen, sondern greift alle die folgenden Autoren gleich mit an: Frederick Douglass, Edward Blyden, W.E.B. DuBois, John Henrick Clark, Cheikh Anta Diop, Josef Ben-Yoshanan und George G.M. James, die alle zu behaupten wagten, es gebe Dinge, welche die Afroamerikaner mit dem antiken Ägypten verbinden.
Dies ist alles andere als eine akademische Debatte. Im Vorwort zu "Nicht aus Afrika" bedankt sich Mary Lefkowitz beim Wellesley College, der Bradley-Stiftung und der Olin-Stiftung für deren Unterstützung. Wer unsere Publikationen über die Hintergründe der Angriffe des 11. September gelesen hat, der weiß, daß gerade die Kreise um diese Einrichtungen und Stiftungen die wichtigsten Verfechter des "Zusammenstoßes der Zivilisationen" sind.
Der Dialog der Kulturen
Gegen dieses fadenscheinige Spiel, das nur so lange wirken kann, wie es nicht öffentlich bekannt wird, setzen wir den Dialog der Zivilisationen. Wir beziehen uns auf die besten Traditionen jeder Kultur, auf den Beitrag einer Kultur zur Förderung der Universalgeschichte.
Wir beginnen mit einem Menschenbild, das die Gemeinsamkeit aller Menschen auf diesem Planeten betont: die kognitiven Fähigkeiten des Menschen, die ihn von allen anderen Lebewesen unterscheiden. Diesen kognitiven Aspekt nennen wir im Christentum, Judentum und Islam "den Menschen als Ebenbild Gottes", des Schöpfers. Im Hinduismus gibt es eine ähnliche Idee, wonach der Mensch an Gottes Wesen teilhabt. Was den Menschen als Ebenbild Gottes, des Schöpfers auszeichnet, ist seine schöpferische Vernunft, seine Fähigkeit, immer neue Hypothesen über das physikalische Universum zu bilden. Wenn diese Hypothesen richtig sind, führen sie zu neuen Entdeckungen und Erkenntnissen der Naturgesetze - das nennen wir dann "wissenschaftlichen Fortschritt". Werden diese wissenschaftlichen Entdeckungen dann auf den Produktionsprozeß angewendet, sprechen wir vom "technischen Fortschritt", der die Produktivität der Arbeitskraft und des Produktionsprozesses insgesamt erhöht.
Wirtschaftlich ermöglicht dies einen steigenden Lebensstandard der Bevölkerung, eine höhere Lebenserwartung und den Anstieg der potentiellen relativen Bevölkerungsdichte der Erde - wie LaRouche es nennt. Der russische Wissenschaftler Pobisk Kusnezow, der in der Tradition Mendelejews und Wernadskijs stand, war von LaRouches Methode der physischen Ökonomie und besonders dem Konzept der potentiellen relativen Bevölkerungsdichte als Maß für Wirtschaftsprozesse so beeindruckt, daß er sagte, die Maßeinheit für die Einschätzung von Wirtschaftsprozessen werde schon bald das "La" sein - nach "La"Rouche, ähnlich wie "Ampère" oder "Watt" nach ihren Entdeckern genannt werden.
Immer dann, wenn der Mensch wirklich menschlich, das heißt schöpferisch, ist, gibt es Fortschritt in der Universalgeschichte. Betrachtet man die Universalgeschichte mit Schillers Augen, so erkennt man, daß es die Kämpfe und Beiträge von Tausenden und Abertausenden Generationen erfordert hat, um uns dahin zu bringen, wo wir heute stehen. Ein solcher geschichtlicher Rückblick lehrt, daß dieser Prozeß nicht einer Kultur, Zivilisation oder Nation alleine gehört, sondern die Fackel des Fortschritts zu unterschiedlichen Zeiten von verschiedenen Kulturen getragen wurde.
Möglicherweise existierte vor und während der letzten Eiszeit eine hochentwickelte transozeanische Kultur. Es gibt Anzeichen dafür. Nach der Eiszeit, mit dem Schmelzen des Eises etwa um 10000 v.Chr., entwickelten sich verschiedene Kulturen, die an frühere, eiszeitliche ozeanfahrende Kulturen anknüpften. Die Organisation des Lebens hing von der Seefahrtkultur ab. Aller Wahrscheinlichkeit gab es, nachdem das Eis geschmolzen war, Völkerwanderungen in großen Schiffsverbänden. Hatten sie einen Fluß erreicht, zogen diese Menschen per Boot flußaufwärts.
Wiegen der Menschheit
Es gab vier Wiegen der Menschheit: China, Indien, Mesopotamien und Ägypten. Die Veden und Upanishaden stellten einen Höhepunkt der Entwicklung in Indien dar. Bal Gangadhar Tilak zufolge wurden in der Zeit zwischen 6000 und 4000 v.Chr. die vedischen Kalender entwickelt. Er konnte dies berechnen, weil zu der Zeit die Frühlings-Tagundnachtgleiche in der Konstellation Orion lag und die Datierung dieser Kalender damit relativ einfach war.
In China gab es nach ca. 5000 v.Chr. die sogenannte Xia-Periode von 2205 bis 1766 v.Chr. und die Shang- und Yin-Dynastie vom 16. bis zum 11. Jahrhundert, alle sehr wichtige Zivilisationen. Später trugen dann natürlich der Konfuzianismus und Menzismus zur Universalgeschichte bei.
In Ägypten bedeutete das sog. "Alte Reich", besonders die Dritte Dynastie von 2665 bis 2595 v.Chr., mit dem großen Erfinder Djoser, dem Erbauer der Großen Pyramiden, ein sehr hohes Niveau wissenschaftlicher und kulturelle Entwicklung. Aus dieser Zeit gibt es sonst nichts Vergleichbares. Um 1340 v.Chr. schuf ein Künstler den wunderschönen Kopf der Nofretete (Abbildung 2). Sie befindet sich jetzt im Ägyptischen Museum in Berlin. Sie ist von unvergleichlicher Schönheit, die zweifellos die Seele des Künstlers widerspiegelt. Wer so etwas 1340 v.Chr. schaffen konnte, der muß ein unglaublich schönes Menschenbild gehabt haben. Ein kleines Schild im Ägyptischen Museum weist darauf hin, daß dieser Kopf unserem heutigen Schönheitsideal entspreche.
Ein anderes Beispiel ist die Goldmaske Tut-ench-Amuns, um 1325 v.Chr. (Abbildung 3). Erneut ein wunderschönes Gesicht, von dem man nicht sagen kann, ob es afrikanisch, europäisch, asiatisch oder vielleicht eine Mischung aus allen dreien ist; wiederum kann diese Schönheit nur aus der Schönheit des geistigen Bildes des Künstlers kommen. Als die Maske 1817 zum ersten Mal im Britischen Museum gezeigt wurde, bedeutete dies wegen ihrer Schönheit eine Weltsensation. Denn sie zerstörte alle Vorurteile über die angebliche Häßlichkeit der Ägypter usw.
Als Alexander der Große Ägypten erobert und die Bibliothek von Alexandria begründet hatte, die lange Zeit das Zentrum ägyptisch-griechischer Forschung war, bedeutete dies einen weiteren Höhepunkt.
Der nächste wichtige Schritt nach vorn war das klassische Griechenland, besonders Platon und die Entwicklung der platonischen Methode.
Das Christentum schließlich legte den entscheidenden Grundstein für die europäische Zivilisation. Es bedeutete eine Wasserscheide, weil es mit der zyklischen Naturvorstellung brach und den Boden für die unbegrenzte Verbesserung des Menschen als Ebenbild Gottes bereitete. Politisch jedoch war die Idee des Menschen als Ebenbild Gottes noch nicht realisiert, denn das Römische Reich war ein Imperium, das auf einer Teilung in eine oligarchische Machtelite und eine breite Masse von Sklaven beruhte.
Als das Römische Reich zusammenbrach - was alle Imperien irgendwann tun - wurde die Fackel des Fortschritts in der Gupta-Periode in Indien weitergetragen, und gleichzeitig in China. Zur gleichen Zeit, als die Gupta-Periode in Indien einige der schönsten Dramen und Dichtungen hervorbrachte, gab es in China
Als das Römische Reich zusammenbrach - was alle Imperien irgendwann tun - wurde die Fackel des Fortschritts in der Gupta-Periode in Indien weitergetragen, und gleichzeitig in China. Zur gleichen Zeit, als die Gupta-Periode in Indien einige der schönsten Dramen und Dichtungen hervorbrachte, gab es in China wunderschöne Buddhas mit unglaublich ausdrucksvollen Gesichtern, edel und anmutig wie das Menschenbild ihrer Schöpfer. Auch die Tang-Dynastie im 7. Jahrhundert ist höchst faszinierend, aus dieser Zeit stammt das Bild einer chinesischen Dame, die offenbar eine sehr interessante Person war (Abbildung 4). Es gibt ein anderes Bild aus der Tang-Dynastie, auf dem ein Mädchen Polo spielt! (Abbildung 5) In Europa spielten die Menschen damals mit Sicherheit nicht Polo, denn es herrschte ein finsteres Zeitalter. Diese Beispiele geben nur einen ersten Eindruck, der hoffentlich anregend genug ist, sich mit diesen Kulturen eingehender zu beschäftigen und zu erklären, wie dies möglich war.
Die Arabische Renaissance
Während das finstere Zeitalter in Europa noch andauerte, begann im 8. Jahrhundert die Arabische Renaissance der Abbasiden-Dynastie. In der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts war Bagdad - dasselbe Bagdad, das man jetzt wieder bombardieren will - das Weltkulturzentrum, Hunderttausende Fachkräfte, Architekten, Handwerker, Bauarbeiter haben die Stadt aufgebaut. Nur durch die Kontakte Karls des Großen zum Kalifen Harun Al Raschid konnte Europa wieder an seine eigenen kulturellen Wurzeln anknüpfen, denn die Kalifen hatten in alle Mittelmeerländer Botschafter ausgesandt, die alles Wissen - ägyptisches, spanisches, italienisches, griechisches und anderes - sammeln sollten. Europa brauchte diese Infusion aus dem Osten, um seine Ursprünge zu finden.
Den gleichen fruchtbaren Kontakt mit der arabischen Welt gab es später wieder unter Friedrich II. von Hohenstaufen. Ramon Llull setzte sich im 13. Jahrhundert energisch für den Dialog der Kulturen ein.
Ein weiteres exzellentes Beispiel für den Austausch der Kulturen bildet die Missionsarbeit des Jesuiten Matteo Ricci (1573) in China. Er erwarb sich das Vertrauen des Kaisers von China und der Mandarine, weil er europäische Kultur und Wissenschaft nach China brachte und gleichzeitig unter Beweis stellte, daß ihm die Unterschiede zwischen religiösen Riten weniger wichtig waren als die eine, wißbare Wahrheit.
Vorher gab es natürlich schöne Renaissancen: in Italien, in Andalusien, aber auch in Polen und Deutschland. Auch die Renaissance war nur möglich durch die Wiederbelebung der Ideen des klassischen Griechenlands und Ägyptens. In ähnlicher Weise hat später die deutsche Klassik die Konzepte der klassischen Antike und der Renaissance wiederbelebt.
Die Amerikanische Revolution
Betrachtet man diese langen Ströme von Beiträgen über viele Generationen hinweg, dann stellt die Amerikanische Revolution erneut eine historische Wasserscheide dar, denn damit wurde zum ersten Mal in der Geschichte ein wirklich souveräner Nationalstaat gegründet, und in der Verfassung wurden die unveräußerlichen Rechte aller Menschen niedergeschrieben und in einem echten republikanischen repräsentativen System garantiert. Aber die Gründerväter waren keineswegs eine autochthone Gattung, kein autarkes Phänomen. Sie verkörperten die besten Traditionen der europäischen Kultur, insbesondere die in der Renaissance entwickelte Idee des souveränen Nationalstaats, der dem Gemeinwohl verpflichtet ist und allein darauf seine Regierung legitimiert. Die Amerikanische Revolution war nicht autochthon, sondern reflektierte die besten Traditionen Europas, z.B. das Erbe von Leibniz. Die Amerikanische Revolution, die später von Lincoln und Martin Luther King wiederbelebt wurde, stellt fraglos den Höhepunkt der amerikanischen Kultur dar.
Wir brauchen einen Dialog der Kulturen, bei dem wir uns auf die besten Perioden konzentrieren, in der die jeweilige Kultur die Menschheit voranbrachte. Wir müssen unsere besten Traditionen wiederbeleben und dann sehen, wie alle Kulturen einander über lange Zeiträume durch Ideen beeinflussen und nachfolgende Kulturen und Zivilisationen bereichert haben. Dann wird man erkennen, daß die Methode der Universalgeschichte der Menschheit die einzig sinnvolle ist.
Die Gefahr des Zusammenstoßes der Zivilisationen ist das Ergebnis des Oligarchismus, der seine Kontrolle nur ausüben kann, wenn er Unterschiede verstärkt, Konflikte ausnutzt und auf Kleingeistigkeit setzt.
Viele Menschen auf der Welt betrachten den Dialog der Kulturen als den einzig gangbaren Weg - beispielsweise der Papst, viele Vertreter in den Vereinten Nationen, Präsident Mubarak, Präsident Khatami und viele andere. Wenn man diesen Dialog in der von mir vorschlagenen Weise führt - nämlich vom Standpunkt der Universalgeschichte betrachtet - dann, so bin ich mir sicher, wird dies zu einer neuen, schönen Renaissance und zum Ende der Oligarchie führen.
Ein Dialog der Jugend der Welt
Ich möchte einen Dialog der Kinder und Jugendlichen aus aller Welt in diesem Geiste anregen. Bereits bei unseren Besuchen in Indien und Rußland im vergangenen Dezember habe ich einflußreichen Leuten vorgeschlagen, einen solchen Dialog zu fördern. Die Idee ist, daß Kinder und Jugendliche aus aller Welt nicht nur die besten Traditionen ihrer eigenen Kultur, sondern auch die Perlen der anderen Kulturen studieren sollten. Dadurch werden sie lernen, die fremden Kulturen wie ihre eigene zu lieben. Die Idee hat schon einige überzeugt, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. So wurde darüber zu Beginn des Jahres bei einer Jugendkonferenz in Indien diskutiert, an der 400 Kinder aus ganz Indien teilnahmen. Sie wollen Teil dieses Dialogs sein.
Kinder und Jugendlichen aus verschiedenen Ländern sollten sich an solchen Projekten beteiligen und dann schon bald das erste internationale Kinder- und Jugendparlament bilden, so daß die Kinder dabei mitreden können, wie die Zukunft aussehen soll. Ich bin mir sicher, daß Kinder nicht in einem neuen hundertjährigen Krieg aufwachsen wollen, der ihre Zukunft zerstört.
Zusammenfall der Gegensätze
Kehren wir noch einmal zu Cusanus zurück. In dem wunderbaren Dialog Der Laie über den Geist sagt der Philosoph: "Du erklärtest wunderschön die Aussage des Hermes Trismegistus, der sagte, der Name Gottes sei der Name aller Dinge, und der Name aller Dinge sei der Name Gottes." Und der Laie antwortet: "Falte durch ein sehr erhabenes geistiges Begreifen das Namengeben und das Namentragen in eines ein, und alles wird klar sein. Denn Gott ist die Präzision jedes Objekts."
Nikolaus bringt uns hier zu der Erkenntnis, daß in Gott die Gegensätze zusammenfallen, weil Gott ungeteiltes Sein ist. In De docta ignorantia (Die belehrte Unwissenheit) sagt Cusanus: "So sagt Hermes Trismegistus richtig, da Gott die Gesamtheit aller Dinge sei, sei kein Name für ihn angemessen. Denn entweder müsse man ihn bei allen Namen nennen; oder man müsse alle Dinge bei Seinem Namen nennen. Denn in seiner Einfachheit faltet er die Gesamtheit aller Dinge ein."
Bemerkenswerterweise erwähnt Nikolaus von Kues Hermes Trismegistus sowohl in bezug auf seine "negative Theologie" - d.h. daß man der Natur Gottes nicht gerecht werden kann, wenn man ihn mithilfe konkreter Prädikate beschreiben will - als auch in bezug auf die Methode des "Koinzidenzdenkens". Und dies ist meiner Ansicht nach der allerwichtigste Aspekt der cusanischen Philosophie. Er selbst betonte wiederholt, er lehre etwas, was noch nie gelehrt worden sei. Andere Denker hatten zwar die Vorstellung einer Einheit, die alle gegensätzlichen Aussagen vereint. Aber Nikolaus' "Koinzidenzdenken" ist einzigartig, weil es aufzeigt, wie widersprüchliche substantielle Ursachen in einer grundsätzlichen Verbundenheit existieren, bevor sie sich in ihre Differenzierungen voneinander trennen.
"Von oben" denken
Es gibt im Universum eine hierarchische Ordnung höherer und niederer Gattungen, die sich durch vielfältige individuelle Differenzierung auseinander entwickeln. Diese Entwicklung geht jedoch nicht von unten nach oben, sondern in umgekehrter Richtung. In der Schrift Der Laie über den Geist entwickelt Nikolaus die Idee, daß Gottes Wissen herabsteigt in die Natur des menschlichen Geistes und weiter in den Bereich der Dinge, aber eben nur durch den menschlichen Geist. Und das Höhere erhebt das Niedrigere - Nikolaus sagt sogar, es werde "emporgerissen". Durch dieses "Emporreißen" hat der Mensch teil an Gott, und das Tier hat teil am Menschen. Und deshalb gehorcht das physische Universum dem menschlichen Geist.
Diese Methode des Denkens von oben, von der Ebene des Ineinanderfallens der Gegensätze, ist ein universelles methodologisches Konzept, das sich auf alle Lebensbereiche anwenden läßt. So können scheinbar unlösbare Konflikte auf einer höheren Ebene beigelegt werden, und der Dialog der Kulturen kann erfolgreich sein, wenn wir von der einen Menschheit ausgehen.
In der Schrift Über den Beryll bespricht Nikolaus diese Methode und sagt: "Zum vierten wende Dich dem zu, was Hermes Trismegistus sagt, daß der Mensch ein zweiter Gott ist. Denn so wie Gott der Schöpfer dessen ist, was wirklich ist, und der naturgegebenen Formen, so ist der Mensch der Schöpfer dessen, was begrifflich ist, und der Kunstformen." Aber, sagt Nikolaus, der menschliche Geist ist auch fähig, durch Erkenntnis schöpferisch tätig zu sein. Es gibt ein Sein, daß nicht ist, weil Gott es geschaffen hat - und das der menschliche Geist deshalb nur assimilieren oder wiederholen kann - , sondern das völlig vom menschlichen Geist erzeugt ist. In diesem Sinne ist die reine Schöpferkraft göttlich. Man kann den Menschen als einen zweiten Gott auffassen.
Nikolaus sagt, dieser schöpferische Intellekt ist das selbstähnliche Abbild des göttlichen Geistes - während einfache Imitation oder Wiederholung Nicht-Ähnlichkeit ist. Je mehr der Mensch auf solche Weise wirklich schöpferisch ist, desto mehr wird er Gott ähnlich. Welch wunderbare Weise, den Menschen frei zu machen, sein ganzes Potential auszuschöpfen und die menschliche Identität auf der höchsten, erhabensten Ebene anzusiedeln! Ist es nicht wunderbar, daß Cusanus im hermetischen Denken die zentrale Wahrheit erkennt, die auch vom Christentum ausgeht?
So gesehen können Samuel Huntington und Mary Lefkowitz "Rumpelstilzchen" spielen, wenn sie wollen.
Nikolaus hat vollkommen recht darin, daß es eine concordantia philosorum et theologorum gibt: eine Übereinstimmung von Philosophie und Theologie. Der Unterschied liegt lediglich in den verschiedenen Ausdrucksformen und nicht in der Substanz der Wahrheit an sich. Und ist es nicht schön, daß wir auf diese Weise mit dem Zeugnis der "toten weißen europäischen Männer" den großen Beitrag Ägyptens zur Universalgeschichte beweisen können?
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