Rhodos-Dialog der Zivilisation: Neoliberales Dogma ist gescheitert! Jetzt auf LaRouche hören!
18. Oktober 2008 •

Von Helga Zepp-LaRouche

Die sechste Konferenz des "World Public Forum - Dialogue of Civilizations", die vom 9. bis 13. Oktober 2008 in Rhodos stattfand, - und damit nach mehreren Wochen von sich täglich überstürzenden Katastrophenmeldungen über den Kollaps des Finanzsystems- , fand im Bewusstsein der Teilnehmer an einem historischen Wendepunkt statt. Redner der unterschiedlichsten philosophischen und geographischen Herkunft waren sich einig: das neoliberale Dogma der freien Marktwirtschaft ist gescheitert. Die Organisatoren konnten sich darin bestätigt sehen, dass der ureigenste Zweck, zu dem das Forum vor fünf Jahren ins Leben gerufen wurde, nämlich ein neues Paradigma für eine menschlichere Weltordnung zu schaffen, jetzt als dringendste Aufgabe auf der Tagesordnung der Menschheit steht.

Vladimir Yakunin, Präsident und Mitbegründer des Forums unterstrich in seiner Eröffungsrede den existentiellen Charakter der Krise, bei der es um Sein oder Nichtsein der Menschheit gehe. Er betonte, wie eine Reihe weiterer Redner, dass es es sich nicht nur um eine Finanzkrise, sondern um eine Krise der Zivilisation handele, deren tiefere Ursachen behoben werden müssten. Sein Co-Präsident, ebenfalls Mitbegründer des Forums und indischer Philosoph, Jagdisch Chandra Kapur, sah in der Krise die Gelegenheit, das kommende Paradigma in Übereinstimmung mit der kosmischen Ordnung derart zu gestalten, dass in der neuen Weltordnung nicht nur jeder Mensch Nahrungsmittel zu essen und eine Wohnung zum wohnen haben müsse, sondern dass sie jedem die Chance geben müssen, das höhere im Menschen angelegte Potential zu verwirklichen.

Der stellvertretende russische Aussenminister, Alexander Saltonov, überbrachte die Grussbotschaft von Aussenminister Lavrov, der das Forum für den beeindruckenden Beitrag beglückwünschte, den es bei der Erarbeitung von konzeptionellen und praktischen Lösungen bei so fundamentalen Fragen wie der Koexistenz verschiedener gesellschaftlicher Modelle, dem Erhalt der kulturellen Identität der Völker unter der Bedingung der Globalisierung, der Rolle der Religionen in der Politik und der Lösung regionaler Konflikte geleistet habe. Als deutlichen Ausdruck für den Wandel der Zeit sind auch die Worte des österreichischen Bundeskanzlers Gusenbauer zu werten, der zwei Punkte herausgriff, erstens, dass die Marktwirtschaft gescheitert sei, und zweitens, dass die Konfrontation als Methode der Konfliktlösung sich als unfähig erwiesen habe, politische Zielsetzungen zu erreichen. Und erstaunlicherweise pries der selbe Kanzler, der noch vor kurzem den Lissabonner Vertrag unterzeichnet hatte, die Neutralität Österreichs als Modell.

Auch wenn dies in den westlichen Medien, nicht so überraschenderweise, bisher nicht einmal annähernd zum Ausdruck gekommen ist, so hat sich das Forum doch in den fünf Jahren seiner Existenz zu einem beachtlichen Gegenentwurf zum neoliberalen Weltwirtschaftsforum in Davos entwickelt. Die jährliche Rhodos-Konferenz versammelte dieses Mal über 700 Teilnehmer aus über 70 Nationen, die über vier Tage an zwei Plenarsitzungen und acht Arbeitsausschüssen teilnahmen, in denen es um Politik, Wirtschaft, Erziehung, Religion, Rechtsordnung, Kultur, Migration, Medien und in einem Sonderausschuss um die chinesische Zivilisation ging. Auch wenn die Teilnehmer natürlich nur einen Bruchteil der über 250 Reden, die insgesamt gehalten wurden, mitverfolgen konnten, so zeigte doch schon eine Auswahl, dass es durchaus einige philosophische Perlen unter diesen Beiträgen gab, so z.B vor allem einige Beiträge über chinesische Fragen und Themen.

Das alles dominierende Thema war allerdings der Finanzkollaps, auf den die Teilnehmer je nach Temperament und ideologischer Ausrichtung mit Reaktionen reagierten, die von kaum zu verbergender Panik ( Vertreter einiger westlicher Staaten), über etwas kurzsichtige Schadenfreude über den Niedergang des amerikanischen Hegemonieanspruchs bis zu verantwortungsvoller Sorge, dass das Scheitern eines Paradigmas noch nicht notwendigerweise das Zustandekommen eines neuen, besseren Paradigmas bedeutet.

Mehrere russische Redner, vor allem in dem Arbeitsausschuss „Wirtschaftliche Parameter der integralen Entwicklung der Weltgemeinschaft“ betonten emphatisch, dass der Geist von Roosevelt nun zurückkehre. Sowohl von russischer Seite als interessanterweise auch von europäischer Seite wurde betont, man sei sich darüber bewusst, dass für die weltstrategische Lage das Verhältnis zwischen den USA und Russland am wichtigsten ist.

Jacques Sapir, Professor für Ökonomie an der High Schoold of Social Sciences in Frankreich, warnte, dass die Gefahr eines Kollapses innerhalb von Tagen drohe, wenn es den Regierungen nicht gelinge, die Banken- und Liquiditätskrise unter Kontrolle zu bringen. Sapir unterstrich, er müsse feststellen - obwohl er nichts gegen die EU habe -, die EU seit Ausbruch der Krise kollabiert sei, und alle Entscheidungen auf nationaler Ebene getroffen worden seien. Ein deutscher Teilnehmer erklärte, die deutsche Regierung habe offensichtlich kein Interesse gehabt, für Versäumnisse in anderen Ländern mit deutschen Steuergeldern einzuspringen. Nicht nur das Versagen der EU, sondern auch das der G7 wurde angesprochen, die es im Juli völlig versäumt hatte, bei ihrem Gipfel in Japan das Thema der Finanzkrise auch nur auf die Tagesordnung zu setzen.

Ein zweites, angesichts der Dramatik des Finanzkrachs etwas zurückgestelltes Thema, war die Überalterung der existierenden Sicherheitssysteme. Die Ostausweitung von Nato und EU habe verdeutlicht, wie schnell bisher „eingefrorene Konflikte“ sich zu heissen Konflikten entwickeln können. Die ehemalige Aussenministerin von Georgien, Salome Zurabishvili, jetzige Vorsitzende der „Way of Georgia Party“ präsentierte ihre Sicht der Dinge. Mehrere Diskussionsbeiträge stellten fest, dass die Entscheidung der georgischen Agression gegen Südossetien nicht in Tiflis gefallen war, sondern auf der Ebene der transatlantischen Kommando-Struktur.

Auch wenn es vielleicht noch nicht so offensichtlich ist, wie das Ende des neoliberalen Dogmas und der Wandel in der Gewichtung der Nationen in der Welt: ein weiteres Thema, bei dem die bisherige Kontrolle nicht mehr funktionieren wird, ist die totale Gleichschaltung der westlichen Medien. Sowohl innerhalb des Arbeitsausschusses als auch in vielen Gesprächen beim Frühstück , Mittag- oder Abendessen waren die Massenmedien als Instrument der Manipulation der öffentlichen Meinung ein Thema, was auch von Yakunin vor dem Plenum thematisiert wurde.

Und hier liegt vielleicht eine der wichtigsten Funktionen des Rhodos-Forum des WPFDC, das es nämlich den realen politischen Gewichtsverhältnissen in der Welt viel angemessener ist, als dies bei den meisten vom Westen dominierten Konferenzen und Institutionen der Fall ist. So hatten die USA zwar mit 16 Teilnehmern die grösste Delegation, Frankreich mit 13, Deutschland mit 9, Italien mit 8 waren gut vertreten, aber auch China und Indien fühlten sich adäquat repräsentiert.

Die Stimmung in Rhodos war jedenfalls geprägt von einer historischen Aufbruchstimmung. Anders in den Prädikaten, aber doch ähnlich, was den Systemcharakter des Wandels angeht, drängte sich der Autorin dieses Artikels die Erinnerung an 1989 auf: als die Mauer im November 89 fiel, hatten die Menschen das profunde Gefühl, an einem geschichtlichen Wandel teilzunehmen, den Untergang eines bisher als unerschütterbar geltenden Systems zu erleben, und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu spüren. Was den Amerikanern und Europäern heute als Krise und Bedrohung erscheint, wird von der absoluten Mehrzahl der Nationen Asiens, Afrikas und Lateinamerikas als die Hoffnung auf eine menschlichere Epoche erlebt, gefährlich zwar, aber mit der Perspektive für neue Optionen.

Auch wenn es den Europäern vielleicht schwer fällt, dies so zu sehen: was für die Menschen 89 der Fall der Mauer war, das ist für die Mehrheit der Menschheit heute das Scheitern des Systems der Globalisierung, das nur für eine kleine Minderheit unermessliche Reichtümer, für Milliarden von Menschen hingegen wachsende Armut, Hunger und Tod bedeutet hat.

Alles wird jetzt davon abhängen, ob sich die verantwortlichen Personen in den relevanten Institutionen der Welt rechtzeitig ehrlich mit der Frage auseinandersetzen, was es in ihrem eigenen Denken war, was sie dazu veranlasst hat, auf das neoliberale Dogma hereinzufallen, und warum sie nicht in der Lage waren, die vielfach publizierten Analysen des Problems durch Lyndon LaRouche aufzugreifen und danach zu handeln. Noch gibt es eine, vielleicht letzte Gelegenheit, diesen Fehler zu korrigieren.


Rede von Helga Zepp-LaRouche:
Für eine neue Weltwirtschaftsordnung in der Tradition des Westfälischen Friedens!


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