Autozulieferer Edscha. Nach dem Börsengang des mittelständischen Unternehmens 1995 und dem Management-Buyout 1999 begannen die Schwierigkeiten 2002 mit der Übernahme durch den Finanzinvestor Carlyle.
Wie purer Hohn nimmt sich das Wahlplakat der Grünen aus, das angesichts der brutalen Folgen neoliberaler Globalisierungspolitik, wie wir sie seit Monaten verstärkt in Nordrhein-Westfalen erleben, eine "gerechte Globalisierung" einfordert. Nach den Fällen von Denison Hydraulics, Agfa Photo, Gerresheimer Glashütte, Grohe und Opel Bochum ist jetzt neben Delphi in Wuppertal mit der Firma Edscha ein weiterer Autozulieferer in Bedrängnis geraten - im wesentlichen durch die Auswirkungen der von Angela Merkel so gepriesenen "entfesselten Marktkräfte".
Das mittelständische Unternehmen Edscha hatte vor der Übernahme keine großen Probleme. Vor über 130 Jahren von Eduard Scharwälder gegründet, entwickelte sich das Unternehmen zum Marktführer bei Scharniersystemen, Pedalwerken und Feststellbremsen. Das Unternehmen verfügt über 22 Produktionsstandorte in 14 Ländern und beliefert fast alle Automobilhersteller. Nach dem Börsengang von 1995 und einem Management Buy-out von 1999 wurde das Unternehmen Ende 2002 vom Finanzinvestor Carlyle übernommen.
Die Vorgehensweise ähnelt der bei Grohe. Der Finanzinvestor hat die Kredite, die er aufnehmen mußte, um Edscha überhaupt übernehmen zu können, auf Edscha übertragen und im April dieses Jahres im Zuge einer Rekapitalisierung 60 Mio. Euro aus dem Unternehmen herausgezogen. Dadurch stieg die Verschuldung des Unternehmens, das sich auf diese Weise sozusagen selbst gekauft hat, so stark an, daß es im Juni Schwierigkeiten hatte, seinen Kreditverpflichtungen nachzukommen.
Das endet jetzt so, wie es immer in der Welt der entfesselten Marktkräfte endet: Werksschließungen, Massenentlassungen, Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich, Gehaltskürzungen etc.
Damit gehört Edscha zu den vielen Unternehmen, die auf Private Equity-Finanzierung gesetzt haben und so zum Spielball der Finanzinvestoren wurden. Diese haben natürlich nur Interesse an einer hohen Rendite, die langfristige Sicherung der Entwicklung der Firma ist für sie völlig uninteressant. Die Gerüchte verstummen nicht, daß Carlyle sich aus der Firma "zurückziehen" will. Der Deutschlandchef von Carlyle, Heiner Rutt, sagte dazu der Automobilwoche: "Wir haben keinen Druck. Im Schnitt veräußern wir Beteiligungen nach fünf Jahren." Diese jüngste Äußerung steht im Gegensatz zur Behauptung des Vorstandschefs Manfred Puhlmann auf der Belegschaftsversammlung Anfang Juli, daß beim geplanten Stellenabbau keine Rückzugspläne von Carlyle im Hintergrund ständen, vielmehr solle die Zukunft von Edscha langfristig gesichert werden. Wie immer in solchen Fällen wird diese Renditesicherung von einem total arroganten Verhalten der völlig überbezahlten Managerkaste gegenüber der Belegschaft begleitet.
Bis zum jetzigen Zeitpunkt hat es überhaupt noch keine Verhandlungen mit dem Betriebsrat gegeben, weil das Management einfach "noch keine Zeit dafür hatte". Dabei sollten die Verhandlungen mit der Geschäftsleitung über Personalabbau schon längst vorbei sein.
Seit Mitte 2004 wurden bereits weltweit 500 Stellen gestrichen, bis Anfang 2006 sollen es noch einmal 500 werden, womit man sich Einsparungen von 20 Mio. Euro erhofft. Um das zu erreichen, sollen vier Werke in England, Frankreich, Portugal und Kanada geschlossen werden. Nach Informationen der Rheinischen Post könnten mögliche Umstrukturierungen bis zu 30 Prozent der Belegschaft den Job kosten, wenn die Unternehmensberatung, die mit der Suche nach Einsparpotentialen beauftragt wurde, ihre Prüfung abgeschlossen hat.
In einem Offenen Brief an die Mitarbeiter hatte der Vorstand betont, daß der Abbau von weiteren 500 Arbeitsplätzen notwendig sei, weil der Gewinn nicht ausreiche, um die Belastungen aus Zinsen, Darlehenstilgungen und notwendigen Investitionen zu decken.
Frank Müchler
Neue Solidarität Nr. 34/2005
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