BüSo-Wahlkampf Rheinland-Pfalz: Antwort auf Wahlprüfsteine des Landeselternbeirates
11. März 2011 • 18:41 Uhr

Hier finden Sie eine Stellungnahme der Spitzenkandidatin der BüSo für die Wahlen zum Landtag von Rheinland-Pfalz, Barbara Spahn zu den "Wahlprüfsteinen" des Landeselternbeirates, die unten abgedruckt sind. 

Leider ist auf der Webseite des Elternbeirates die Antwort bisher sinnentstellend wiedergegeben.

Landeselternbeirat
Mittlere Bleiche 61
55116 Mainz

Betrifft:  Antwort auf Wahlprüfsteine

Sehr geehrter Herr Merod,

grundsätzlich können wir allen Punkten zustimmen. Von 9 Punkten fordern allein 7 den Einsatz höherer Finanzmittel, was zwar ermöglicht werden sollte, gegenwärtig aber Zweifel an der Verwirklichung aufkommen läßt. Die wirtschaftliche Situation in Europa und in den USA ist so dramatisch zugespitzt, daß dieser Tage in Detroit beschlossen wurde, 50% aller öffentlichen Schulen zu schließen, konkret sind das 70 von 140.

Die BÜSO hat lange davor gewarnt, daß es so kommen würde und  sowohl über die Ursache sehr viel geschrieben als auch über den Weg der Lösung. Die Lösung klingt einfach, setzt aber voraus, daß unsere Gesellschaft den falschen Weg der Spekulation sofort aufgibt und zu unserer eigentlichen traditionellen Industriepolitik zurückkehrt.

Spätestens seit der Einführung des EURO wurden Tor und Tür für Wettgeschäfte im großen Stil geöffnet, ein regelrechtes Spielkasino, in das auch Gemeinden, Städte, Länder und öffentliche Banken hineingezogen wurden. Folglich verschwanden Millionen Arbeitsplätze im produzierenden Bereich, Dienstleistung und Minijobs traten an ihre Stelle und  das Steueraufkommen schrumpfte, wodurch natürlich immer weniger bezahlt werden kann.

Auf einen anderen Mangel sei hier hingewiesen, der auch mit der Auffassung von Erziehung viel zu tun hat: Was sich ausgebreitet hat, ist eine vollkommen unwissenschaftliche Praxis in allen wirtschaftlichen Entscheidungen. Schnelles Geld ist der Maßstab geworden, überall und egal mit welchen Folgen. Nach den heutigen Kriterien eines Finanzmanagers macht es absolut keinen Sinn 15 Jahre in ein Projekt ohne jeden Profit  zu investieren. Der Logik folgend ist die Erziehung von vornherein ein gewagtes Unternehmen und die Lebensverkürzung älterer Menschen ganz normal.

Unsere Industrietradition ist aber eine ganz andere:  Demnach sind die einzige Quelle unseres Reichtums kreative Menschen mit dem Willen zum Fortschritt und dem Optimismus für die Zukunft. Es kommt einer mittleren Katastrophe gleich, wenn heute etwa 20 % aller Schulabgänger als ausbildungsunfähig eingestuft werden müssen.  Wahrscheinlich müßte man im größeren Stil bereits in die Vorschulerziehung eingreifen, mit gut ausgebildeten Pädagogen und einem sehr gezielten und relativ aufwendigen Konzept in den ersten Schuljahren und darüber hinaus.

Noch ein anderer wichtiger Punkt liegt mir am Herzen. Der allgemeine Zukunftspessimismus ökologischer Machart ist wissenschaftlich  unbegründet und äußerst destruktiv. Was sollen Kinder von ihrer Zukunft halten, wenn man ihnen eintrichtert, daß die Welt an der Anzahl der Menschen untergeht ? Wäre es nicht sinnvoller, die Herausforderung mit Freude anzunehmen, 7 Milliarden Menschen zu ernähren und einen großen Teil von der Sorge um das tägliche Brot zu befreien, damit auch sie kreativ sein können?  Umweltschutz und die Entwicklung unseres Planeten ist kein Gegensatz; Angst ist der schlechteste Wegweiser.

An diesem Punkt möchte ich noch stichwortartig darlegen, wie ich mir denke, daß diese Probleme gelöst werden müssen:

1. Die Einführung des Glass-Steagall Trennbankenstandards: Dies bedeutet, daß der Staat nur Schulden und Guthaben schützt, die mit der Realwirtschaft verknüpft sind, nicht aber den Derivathandel und alle andere Formen der Spekulation. Dies käme einem geordneten Konkursverfahren für die Banken gleich. Es würde den Staat von einer großen Schuldenlast befreien.

2. Die Weltlandbrücke: Diese nationalen, aber vor allem internationalen Großprojekte zum Aufbau der Infrastruktur des 21. Jahrhunderts werden eine grundlegende Veränderung bewirken. Wir schaffen wieder produktive Arbeitsplätze und damit werden die Steuereinnahmen steigen und die Kassen der Sozialversicherungen werden sich wieder füllen. Aber ganz besonders wichtig ist, daß junge Menschen sehen, daß sie gebraucht werden, um eine bessere Zukunft zu bauen. Es wird ihre Ohren und Herzen für die Bildung wieder öffnen.

Mit freundlichen Grüßen

Barbara Spahn


Hier die Forderungen des Landeselternrates:

1. Die Klassenmesszahl in allen Klassen soll auf 25 Schülerinnen und Schüler gesenkt werden. Dies soll insbesondere in der Grundschule geschehen, denn gerade am Anfang sind kleine Klassen besonders wichtig. Außerdem hat die Grundschule die heterogenste Schülerschaft. Doch auch nach der Orientierungsstufe in der Realschule plus und im Gymnasium sollen die Schülerzahlen auf maximal 25 pro Klasse gesenkt werden.

2. Damit die im Schulgesetz verankerte individuelle Förderung in allen Schulen umgesetzt werden kann, fordert der LEB die passenden Rahmenbedingungen: Dazu gehören u. E. neben den kleineren Klassenmesszahlen in erster Linie eine ausreichende Anzahl zusätzlicher, qualifizierter Lehrkräfte, die den Umgang mit Heterogenität beherrschen, günstige räumliche Voraussetzungen (z. B. Differenzierungsräume), und die Bereitstellung aller erforderlichen Lehr- und Lernmittel.

3. Inklusive Schule - gemeinsam leben und lernen! Die UNBehindertenrechts- konvention ist geltendes Recht, wonach niemand vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden darf. Ob ihr Kind in eine Regelschule geht oder in eine Förderschule, müssen die Eltern beeinträchtigter Kinder entscheiden. Die personellen, räumlichen und sächlichen Ressourcen sind derart bereitzustellen, dass den beeinträchtigten Kindern kein Nachteil gegenüber der Förderschule entsteht (z.B. zusätzliches, sonderpädagogisch qualifiziertes Personal in gleicher Wochenstundenzahl wie an der Förderschule). Schwächere müssen Teil der Gemeinschaft bleiben, Stärkere bereichern ihr eigenes Leben, indem sie ihnen helfen.

4. Führung vor Ort: Die Leitung einer Schule ist eine Führungsaufgabe! Das Berufsbild der Schulleiterin und des Schulleiters muss genau definiert werden. Die Schulleitung muss Dienstvorgesetzte/-r werden, Personal- und Budgetverantwortung tragen, sowie Verantwortung für den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler und für das Erreichen der Bildungsstandards übernehmen. Die Schulleitung soll ausreichend Zeitressourcen für die Leitungsaufgaben bekommen, z. B. für regelmäßige Hospitationen im Unterricht der Lehrkräfte. Schulleiterinnen und Schulleiter müssen auf ihre Aufgabe vorbereitet werden, gegebenenfalls durch eine theoretische Ausbildung, in jedem Fall aber durch eine vorherige mehrjährige Mitwirkung in der engeren Schulleitung (mindestens als zweite/-r Stellvertreter/-in) Die Einzelschule soll gestärkt werden. Die eigenverantwortliche Schule darf aber kein Sparmodell sein: Die Budgets müssen den Herausforderungen der Schule angepasst sein.

5.Die Erziehungs- und Bildungspartnerschaft kann nur gelebt werden, wenn die Partner sich gegenseitig informieren und alle schulischen Prozesse transparent sind. Die Beteiligungsrechte der Elternvertretung sind zu gewährleisten. Elternvertreterinnen und Elternvertreter sollen Stimmrecht in allen Konferenzen erhalten!

6. Gute/bessere Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte: Lehrerinnen und Lehrer müssen verstärkt in Diagnostik, im Umgang mit Heterogenität, im Umgang mit Eltern und im Umgang untereinander (Teamfähigkeit) ausgebildet sein. Lehrerfortbildung muss verpflichtend sein und das Angebot entsprechend erweitert werden. Jede Schule muss ein schuleigenes Fortbildungskonzept erstellen.

7.Unterrichtsversorgung: Die Unterrichtsversorgung muss nicht nur eine 100%ige Abdeckung der Stundentafel ermöglichen, sondern sie muss auch die qualifizierte Vertretung bei temporärem Ausfall garantieren. Die Unterrichtsversorgung soll demnach einen Vertretungspool und einen Förderpool enthalten.

8.Der LEB fordert eine wirkliche Lernmittelfreiheit statt der entgeltlichen Ausleihe.

9.SchulpsychologInnen und SchulsozialarbeiterInnen: Die Relation SchulpsychologIn / SchülerIn muss erheblich verbessert werden. An allen Schularten sollen SchulsozialarbeiterInnen und/ oder SchulpsychologInnen die Lehrkräfte unterstützen.