Bundesbank: Stabilität des Finanzsystems durch Risiken bedroht
5. Dezember 2017 • 10:45 Uhr

Im aktuellen Finanzstabilitätsbericht 2017 der Deutschen Bundesbank wird - wenn auch in Bankerspeech - vor dem Risiko einer finanziellen Kernschmelze gewarnt, sowohl im Falle eines Zinsanstiege als auch bei Fortsetzung der Niedrigzinspolitik. (https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Veroeffentlichungen/Finanzstabilitätsberichte/2017_finanzstabilitaetsbericht.html)

Mehrere Anzeichen sprächen dafür, daß die Risikoaufschläge allgemein zu niedrig seien und deshalb die Risiken unterschätzt würden. Gleichzeitig könne angesichts der niedrigen Zinsen die Zahlungsfähigkeit von Marktteilnehmern überschätzt werden. In dem Bericht heißt es, daß „Risiken für die Stabilität des deutschen Finanzsystems bestehen und sich weiter aufbauen können. Dabei besteht die Gefahr, daß Risiken aus Neubewertungen von Vermögenstiteln, Zinsänderungsrisiken und Kreditrisiken gleichzeitig eintreten und sich gegenseitig verstärken.“

Der kritische Zustand deutscher Banken zeige sich daran, daß Banken immer häufiger kurzfristig zu flexiblen Zinsen Geld leihen, während ihre Investitionen langfristig und fest verzinst sind, was im Falle von Zinsänderungen oder externen Schocks ein gefährliches Ungleichgewicht erzeuge. „Insbesondere hat der lang laufende Anteil bei den Buchforderungen gegenüber Nichtbanken zugenommen. Bei Instituten des Sparkassen- und Genossenschaftssektors ist er besonders hoch; der Anteil ihrer Forderungen mit einer Ursprungslaufzeit von über fünf Jahren liegt mit 83% deutlich höher als bei den Kreditbanken mit 47%. Gleichzeitig ist der durchschnittliche Anteil der kurzfristigen, täglich fälligen Einlagen deutlich gestiegen.“

Der Anteil der Hypotheken auf Wohneigentum mit einem zehnjährigen festen Zinssatz sei in den letzten Jahren von 23% auf 45% gestiegen. Falls die Zinsen steigen, müßten die Banken Renditen auf Einlagen zahlen, die höher sind als ihre Renditen auf diese langfristigen Investitionen. Dies stelle angesichts des Umfangs der betreffenden Kredite ein großes systemisches Risiko dar. Gleichzeitig könne bei Fortsetzung der Niedrigzinspolitik der Anreiz steigen, höhere Risiken einzugehen, um höhere Renditen zu erzielen, was den Banken zusätzliche Schwierigkeiten bringen könne.

In dem Bericht wird die Preisdynamik des Eigenheimmarkts analysiert und besorgt angemerkt, daß die Wohnungspreise in den größten deutschen Städten 2016 um 15-30% überbewertet waren, verglichen mit „nur“ 10-20% im Jahr 2015 (Zahlen für 2017 sind noch nicht verfügbar, aber wenn der Trend sich fortsetzt, könnten es schon 20-40% sein - eine beträchtliche Blase).

Während die Bundesbank vor Systemrisiken warnt, leugnet die Europäische Zentralbank (EZB) die Realität. Vor Mitgliedern des Wirtschafts- und Währungsausschusses des Europaparlaments sagte EZB-Chef Mario Draghi am 20.11., er könne keine Blasen und Systemrisiken erkennen. Auf die Frage, welche Risiken für die globale Finanzstabilität ihn „nachts nicht schlafen lassen“, antwortete Draghi: „Sehen wir Blasen? Bisher nicht.“ Die Blasen beim Aktienmarkt, Unternehmensanleihen und Haushaltsschulden schlicht ignorierend, meinte er: „Risiken für die finanzielle Stabilität sind lokal... Sie sind nicht systemisch.“

Das ist die große Lüge - deshalb brauchen wir jetzt dringend die strikte Anwendung des Glass-Steagall-Trennbankensystems , zusammen mit LaRouches Vier Wirtschaftsgesetzen (Hamiltonische Kreditschöpfung für Infrastruktur- und andere realwirtschaftliche Projekte; ein Wissenschaftsmotor zur Erhöhung der Produktivitätsplattform , wie z.B. Weltaumfahrt, Kernfusion und die Zusammenarbeit mit Chinas Projekt der Neuen Seidenstraße.