Europas Eigeninteresse: statt Sanktionen - Zusammenarbeit mit BRICS-Staaten
30. Juli 2014 • 17:42 Uhr

Larry Elliott analysierte im Londoner Guardian vom 22.7., wie stark die EU-Volkswirtschaften vom Handel mit Rußland abhängig sind. Der Rußlandhandel betrug 2013 für Deutschland 66 Mrd.€, die Niederlande 37 Mrd., Italien 30 Mrd., Polen 26,7 Mrd., Frankreich 18 Mrd. und Großbritannien 12,6 Mrd. Schon vor den Sanktionen hatte die deutsche Handelskammer für 2014 einen Rückgang des Rußlandhandels um 10% und einen Verlust von 4 Mrd.€ prognostiziert.

Ebenso wie der Päsident des deutschen Bundesverbands Mittelständische Wirtschaft, Mario Ohoven, davor warnte, daß 300.000 Arbeitsplätze in Deutschland bei weiteren Sanktionen gegen Russland auf dem Spiel stünden, äußerte sich auch der Vorstandsvorsitzende von ALSTOM und Präsident der Vereinigung Europäischer Firmen in Russland (AEB). In einem Interview mit der französischen Wirtschaftstageszeitung L'Opinion sagte er am 29. Juli, politische Entscheidungsträger sollten vor allem die Konsequenzen weiterer Sanktionen bedenken. “Würde man alle Verträge mit Russland aussetzen, so kann dies 300.000 Entlassungen in Deutschland und 100.000 in Frankreich bedeuten ...Europa hat 75% aller ausländischen Investitionen in Russland und die EU ist der Handelspartner Russlands Nr. 1.”

In Russland sind ca. 6000 deutsche Firmen engagiert, einschließlich der großer Firmen wie Opel und Siemens. Bereits jetzt gingen Autoverkäufe in Russland um 12% im Mai um 12 %, im Juni sogar um 17% zurück. Opel ist von allen deutschen Autoproduzenten am stärksten in Russland exponiert. Siemens mit ca. 2.3 Mrd. € Engagement in Russland könnte beträchtliche Verluste im ganzen Spektrum seiner Produkte erleben – von Lokomotiven über Energieausrüstung bis zur Medizintechnologie. Deutsche Mittelstandsfirmen bekommen bereits jetzt von ihren potietellen russischen Handelspartnern zu hören, daß Deutschland wegen der Sanktionspolitik ab jetzt als unzuverlässiger Partner gesehen werde und daß sich Russland in Korea oder anderswo nach vergleichbaren Partnern umsehen werde. Auch die Abwertung des Rubels unter Sanktionen wird zu Verlusten führen.

Eine ähnliche Einschätzung wie Pegorier zur Bedeutung des Russlandgeschäfts für die europäische Wirtschaft kam von Andreas Steiniger vom Ost-Institut in Wismar. Die deutschen Mittelstandsfirmen stünden bei weiteren Sanktionen allein da, während die großen russischen Industriefirmen mit ihrer marktbeherrschenden einheimischen Stellung und staatlicher Unterstützung, von den Auswirkungen der Sanktionen abgeschirmt seien. Steiniger warnte, die meisten der 300.000 deutschen Arbeitsplätze, die vom Russlandgeschäft abhängen, stünden bei verschärften Sanktionen in Frage. Russland hingegen verfüge über 427 Mrd. € an Währungsreserven ebenso wie Einkommen aus Rohöl- und Gasexporten. Vor allem werde die gerade gegründete BRICS-Entwicklungsbank Moskau Kredite zur Verfügung stellen.

Auch Philippe Pegorier bezog sich auf das Potential der BRICS, das in der deutschen Presse völlig ausgeblockt wird. Pegorier sagte, Putin habe sich zu Beginn seiner Amtszeit Europa als priviliegiertem Partner zugewandt, was sich unter den jetzigen Bedingungen aber nicht realisieren lasse. “In der Tat glauben wir Europäer und Amerikaner, wir seien das Zentrum der Welt, und lassen die BRICS außer acht, die als eine günstige Quelle für Kredit zur Verfügung stehen, vor allem China.”

Die Vorstellung, daß sich die europäischen Nationen der BRICS-Perspektive anschließen und das Zwangskorsett der EU und das untergehende transatlantische Finanzsystem verlassen, ist eine Horrorvorstellung für die bankrotte transatlantische Finanzelite. Das Empire legt es offenbar darauf an, das nach den Wellen von Deregulierung, grünem Ökowahn und EU-Austeritätsdiktatur noch vorhandene Potential Europas jetzt endgültig zu zerstören. Dieser Kriegsführung eines abgewirtschafteten Systems dürfen wir uns nicht länger beugen.

Deshalb mobilisieren Sie mit uns! Schluß mit der Konfrontation gegen Russland; Glass-Steagall-Bankentrennung jetzt; souveräne Kreditschöpfung in Infrastruktur und Hochtechnologie - für langfristige Investitionen und die Großprojekte der Eurasischen Landbrücke; Crashprogramm für die Kernfusion – dort liegt unser Selbstinteresse als moderne Volkswirtschaft! Die BüSo hat dafür die entsprechenden Programme vorgelegt, die Sie auf dieser Webseite finden können (u.a. für die Landtagswahl in Sachsen).