Frankreich: Cheminade verkündet Präsidentschaftskandidatur
8. April 2016 • 11:50 Uhr

Jacques Cheminade, Freund und Mitstreiter von Lyndon LaRouche und Helga Zepp-LaRouche in Frankreich, hat am 4. April seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2017 angekündigt.

Offenbar kommen angesichts der großen Schwierigkeiten, in denen Frankreich und die transatlantische Welt heute stecken, einige Leute zur Vernunft. So wurde Cheminade, der in seinen beiden bisherigen Präsidentschaftswahlkämpfen von den Medien nur verspottet und verteufelt wurde, diesmal vom nationalen Fernsehsender France 2 eingeladen, seine Kandidatur in einem Interview in einer der meistgesehenen morgendlichen Nachrichtensendungen, Tele-Matin, bekanntzugeben. Die Sendung hat im Schnitt 1,3 Millionen Zuschauer. Als Cheminade später am Tag mit Bürgermeistern sprach, um deren Unterstützungsunterschriften für seine Kandidatur zu erhalten hatten fünf der sechs Bürgermeister, mit denen er sprach, das Interview gesehen. Wer in Frankreich als Präsidentschaftskandidat antreten möchte, benötigt die Unterstützungsunterschriften von 500 gewählten Mandatsträgern.

Auf der Webseite des Senders erschien zusammen mit dem Videomitschnitt des Interviews ein kurzer Artikel unter der Überschrift „Vier Wahrheiten – Jacques Cheminade: ,Meine Ideen machen der französischen politischen Klasse Angst’.“ Dort zitiert France 2 Cheminade:

„Seit 40 Jahren herrscht eine Politik der finanziellen Demontage unseres Landes; es ist keine Politik des Wachstums, sondern eine Politik der Unterwerfung unter die internationale Finanzmacht. Und deshalb haben wir jetzt soziale Austerität. Eine Politik, in der die politischen Serails ihre Pakte mit dem Empire des Geldes schließen. Heute finden 81% der Franzosen dies beunruhigend, und 71% halten die französische Gesellschaft für ungerecht… Wir unterstehen einer finanziellen Besatzung, die wir bekämpfen müssen, um uns zu befreien.“

France 2 fährt fort: „Zu seinen Ergebnissen bei seinen bisherigen Präsidentschaftswahlen (0,28% 1995 und 0,25% 2012) sagte Jacques Cheminade: ,Wie ich behandelt wurde, war darauf angelegt, mich auszuschalten… Meine Ideen machen ihnen Angst, mir nicht – die Idee, daß man die Kollaboration der französischen politischen Klasse, der Oligarchie der Unfähigen, mit dem internationalen Währungs- und Finanzsystem in Frage stellen kann.’“ Das war eine offensichtliche Anspielung auf die Kollaboration der französischen Oligarchie mit den Nazis in den 1930er und 40er Jahren.

Der Sender erwähnt, daß Cheminade Abschlüsse der Pariser Wirtschaftshochschule HEC und der Nationalen Verwaltungsakademie ENA hat und früher als Handelsattaché an der französischen Mission in New York tätig war. Dann heißt es: „Er erwartet, daß er keine Schwierigkeiten haben wird, mindestens 500 Unterstützungsunterschriften von gewählten Mandatsträgern zur Bestätigung seiner Präsidentschaftskandidatur zu erhalten.“ Cheminade wird zitiert: „Die Franzosen werden diesmal erkennen, daß die ,nicht vergeudete Stimme’ 2017 an mich gehen muß… Sie dachten, sie hätten François Hollande eine ,nicht vergeudete Stimme’ gegeben, aber er hat seine Versprechen nicht annähernd gehalten.“

Zu seinen politischen Positionen schreibt France 2: „Jacques Cheminade definiert sich selbst als einen ,linken Gaullisten’, und seine Vorbilder sind Jaurès, de Gaulle und Mendès-France. Er ist dafür, ,aus dem Euro auszusteigen, unter der Bedingung, daß das Ziel nicht der Rückzug in den Isolationismus ist’, dafür, ,daß Frankreich aus der Europäischen Union austritt’ und ,gegen die Legalisierung weicher Drogen, aber gegen die Bestrafung der Konsumenten’.“

Über 40 Medien berichten

Das Interview mit dem Moderator Guillaume Daret, die beiden Meldungen von France 2 zu Cheminades Kandidatur sowie eine Meldung der Agentur AFP setzten weitgehend den Ton für die anschließende Welle der Berichterstattung in mehr als 40 der wichtigsten französischen Medien, wie Le Figaro, L’Obs, Le Monde, Huffington Post, Le Parisien, L’Express, sowie der Mehrheit der regionalen Zeitungen: Ouest France (die auflagenstärkste französische Zeitung), Le Progrès de Lyon, Le Dauphiné Libéré und die Medien in Elsaß-Lothringen. Auch mehrere afrikanische Medien aus Togo, Benin und Gabun berichteten über Cheminades Kandidatur. Der russische Internetdienst Sputnik veröffentlichte in seiner französischen Ausgabe einen kurzen Bericht mit einem großen Foto Cheminades, aus dem Elysée-Palast kommend, nachdem Präsident Hollande ihn eingeladen hatte, mit ihm über die Regeln für die Präsidentschaftswahlen zu diskutieren. Die Sputnik-Meldung löste eine Welle von Kommentaren aus, die großenteils Sympathien für Cheminade ausdrücken.

Wenige Medien, wie Liberation, der nationale Fernsehsender TF1 und einige andere, wärmten alte Verleumdungen auf, aber die große Mehrheit zitierte kommentarlos Cheminades Aufruf an die Franzosen, sich von der Finanzoligarchie zu befreien. Im allgemeinen ist die Berichterstattung respektvoll, auch wenn die meisten Medien auf die niedrigen Ergebnisse der früheren Wahlen hinweisen. Auch Cheminades Unterstützung für die Raumfahrt wird erwähnt.

Die konservative, tendenziell rußlandfreundliche Zeitung Le Figaro schrieb in einem längeren Bericht, der Gründer der Partei Solidarité et Progrès habe in France 2 erklärt, es sei sein Ehrgeiz, die „politischen Serails abzuschaffen“ und die „Oligarchie der Unfähigen“ zu bekämpfen (ein Bezug auf ein hervorragendes Buch von Sophie Coignard, in dem diese moderne Art der Kollaboration gut dargestellt ist). Der in Buenos Aires geborene Cheminade sei für den Austritt aus dem Euro und aus der EU und für die Eroberung des Mars, schreibt Le Figaro.

Es ist das erste Mal, daß schon lange vor dem Beginn des offiziellen Wahlkampfs, der erst einige Wochen unmittelbar vor der Präsidentschaftswahl beginnt, über Cheminade berichtet wird.

Zwei Tage später war Cheminades Name erneut in den Schlagzeilen, als ein führender Politiker der Partei Les Républicains (die Partei von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy), der deren Vorwahl organisiert, eine aufgeregte Erklärung an die Mitglieder verbreitete. Zu dieser Vorwahl haben sich nämlich nicht weniger als zwölf Kandidaten angemeldet – ein höchst ungewöhnlicher Vorgang, aber auch ein Zeichen der Zeit. Er sagte: „Diese Vorwahl wurde nicht dazu erfunden, damit alle rechten Cheminades als Kandidaten zur Präsidentschaftswahl antreten können. Der Präsidentschaftswahlkampf ist ein ernsthaftes Geschäft, und die Vorwahl wurde eingeführt, damit wir in der zweiten Runde der Präsidentschaftswahl nur einen Kandidaten haben!“ Diese Bemerkung gehörte am Mittwochnachmittag zu den ersten Meldungen in den Nachrichtensendungen.

Cheminade kommentierte den Vorgang nicht. Er besuchte an diesem Tag Lille, wo er einen Vortrag in einer Managementschule hielt und ein Interview im regionalen Fernsehsender Grandlille sowie eine Pressekonferenz gab. Das Interview wurde am folgenden Tag sechsmal ausgestrahlt.

Die Welle der Berichterstattung veranlaßte mehr als 4000 Besuche auf seiner neuen Internetseite www.jacquescheminade2017.fr, wo sein Programm dargestellt ist.