Französischer Präsidentschaftskandidat Cheminade vor Unternehmerverband : Produktive Industrie aufbauen statt Finanzspekulation
4. April 2017 • 10:39 Uhr

Bei der Veranstaltung des französischen Unternehmerverbands MEDEF am 28.3. in Paris wurde Präsidentschaftskandidat Jacques Cheminade vom Moderator herzlich begrüßt. Anhand von "drei Zahlen" stellte er Cheminade vor: 1. 100 Mrd.€ jährlich würde ein Präsident Cheminade in Realwirtschaft und Infrastruktur investieren; 2. 80 Mrd.€ im Monat vergibt die EZB an Banken, was nur Schulden seien, die nicht in die Realwirtschaft gelangten, 3. 800.000 Jahre - weil Cheminade in seiner Sammlung prähistorischer Objekte einen Proto-Faustkeil aus der Altsteinzeit besitze.

Cheminade begann seinen Vortrag: „Ein Wort wurde in diesem Wahlkampf fast nie gehört, ein anderes wurde erwähnt, aber verdreht. Das erste Wort ist ,Industrie’. Frankreich wurde dermaßen entindustrialisiert, daß die Industrie heute nur noch 12,5% unseres BIP ausmacht. Gleichzeitig stagniert die Kaufkraft der Bevölkerung... Das zweite Wort, das verdreht wird, ist ,Arbeit’. In der Präambel unserer Verfassung heißt es..., daß jeder Mensch das Recht auf Arbeit hat. Aber heute gilt Arbeit als Kostenfaktor oder anpaßbare Variable statt als Motor der Wirtschaft von morgen. In diesem Wahlkampf wird ständig die Frage gestellt: ,Aber wieviel kostet das?’... und man hört ständig: ,Wir haben kein Geld’, dabei müßte man eigentlich die Frage stellen: ,Wie macht das die Zukunft besser, und was wird es kosten, wenn wir es unterlassen?’ Sie hier sind Unternehmer, das bedeutet, Sie sind zukunftsorientiert, und Sie beschäftigen Mitarbeiter, deren Qualifikationen und Können Sie brauchen, um sich zu entwickeln, indem Sie sie mit ihrem Erfolg verbinden...“

Cheminade stellte dann das globalisierte, deregulierte und räuberische Finanzkapital von heute der Mission eines Arbeitgebers gegenüber, der etwas für die Zukunft schafft und entwickelt. Er setze nicht auf nationale Abkapselung, betonte er, denn das wäre selbstmörderisch, sondern auf die „Wiedererschaffung eines Europas der Vaterländer, der Großprojekte und der sozialen Gerechtigkeit, in Verbindung mit der von China angestoßenen BRICS-Dynamik, in einem System, das als inklusiv und Gewinn für alle beschrieben wird - ohne die Vereinigten Staaten auszuschließen. Meiner Ansicht nach können drei große Vorhaben die gemeinsamen Ziele der Menschheit fördern: der Weltraum, die Meere (die ,blaue Wirtschaft’) und die Entwicklung Afrikas.“

Cheminade sagte, er sei hier, um mit den Unternehmern über die Chance zu diskutieren, die ergriffen werden muß: "Was wir für das Frankreich von morgen tun müssen, statt Ihre und meine Zeit damit zu vergeuden, ein System und seine wohlbekannten Mängel und Gefahren zu kritisieren.“

In der Diskussion kam er mehrfach darauf zurück, daß Großprojekte notwendig sind und daß Europa sich an Chinas Gürtel-und-Straße-Initiative beteiligen muß. Eine Frage betraf die Berufsausbildung, besonders in mittelständischen Unternehmen. Auf eine Frage nach Schulden und Wirtschaftswachstum antwortete Cheminade, die heutigen Schulden könnten nie zurückgezahlt werden - nicht nur die Griechenlands, sondern auch die Frankreichs -, und er forderte dringend eine Bankentrennung.