Griechenland: Gewerkschaften und Arbeitgeber verbünden sich gegen Troika-Politik
27. Januar 2012 • 20:11 Uhr

Die Vertreter der sog. "Troika" aus IMF, EU und EZB hatten gestern solche Angst vor wütenden Demonstranten, daß sie sich die Polizei zu Hilfe riefen, um das Hilton-Hotel verlassen zu können, das von Mitgliedern der kommunistischen PAME-Gewerkschaft umrundet worden war. Mehr als 500 Gewerkschafter demonstrierten vor dem Fünf-Sterne-Hotel mit Fahnen und Bannern "Troika go home" und "Troika - verlasst Griechenland" gegen das Kürzungsdiktat der Technokraten. So sollen nach deren Vorstellungen die Mindestlöhne noch weiter gesenkt, das 13. und 14. Jahresgehalt abgeschafft werden (was häufig den Unterschied macht, ob eine Familie überleben kann) und das Arbeitsrecht weiter gelockert werden - das alles als Voraussetzung für ein zweites angebliches "Rettungspaket" für Griechenland.

Aber nicht nur die Gewerkschaften mobilisieren gegen die Lohnkürzungen, sondern auch die Unternehmer. Die Vereinigung der Gewerkschaften im Privatsektor, GSEE, und die Hellenische Unternehmensvereinigung (SEV) einigten sich bei einem Treffen darauf, daß die Forderungen der Troika vom Tisch müssen! Dimitris Daskalopoulous vom SEV sagte der Presse : "Wir sind alle zusammen Passagiere auf einem sinkenden Schiff. Wenn uns einmal klar wird, daß wir ein gemeinsames Schicksal haben, werden wir uns auf gemeinsame Grundsätze einigen können." Die GSEE ist Griechenlands größte Gewerkschaft. Beide Seiten vereinbarten, am Mindestlohn und den zusätzlichen Gehältern festzuhalten und darüber nicht zu verhandeln. Hassilis Korkidis, Vorsitzender des Nationalen Verbands des griechischen Handels , der auch an den Gesprächen teilnahm, sagte, man sei auf dem richtigen Weg. "Die Sozialpartner sind sich einig, daß der Mindestlohn nicht für die Rezession und für die Schließung der Unternehmen verantwortlich ist." Wie Athens News berichtete, fügte Panagopoulous für die GSEE hinzu, man könne nicht zulassen, daß der Wert bezahlter Arbeit weiter untergraben wird. Die Regierung dürfe die "Deflationspolitik" der Troika nicht durchsetzen.