Griechenlandrettung? Selbstbedienung für die Finanzoligarchie!
15. Juli 2011 • 14:40 Uhr

Das griechische Parlament hat sich im letzten mörderischen Sparmemorandum dazu verpflichtet ("Tränengas-Abstimmung"), zwischen 50 und 300 Mrd. € an staatlichen Gütern zu privatisieren, um weitere "Rettungspakete" zu erhalten. Demnach muß ein Privatisierungskomitee gegründet werden, das mit "Beratern" von EU-Kommission, IWF und der EZB bestückt ist.  Wie am 9. Juli bekannt wurde, ist als Chef der neuen Agentur niemand anderer als Costas Mitropolous vorgesehen - ein Top-Vertreter der "Eurobank EFG", die dem Milliardär und Öl- und Schiffstycoon Spiro Latsis gehört.

Jose Barroso, der EU- Kommissionspräsidenten hat seit langem enge Beziehungen zu Latsis, auf dessen berühmter Yacht er und seine Frau z.B. 2004 ihren Urlaub verbrachten. Einen Monat später ermächtigte die Europäische Kommission den griechischen Staat, Latsis' Bankgeschäfte mit 10,3 Mio. Euro zu subventionieren. Und deutsche Medien berichteten letztes Jahr darüber, daß Latsis einer der Hauptnutzniesser der "Rettungspakete" für Griechenland sei.*

Latsis beliefert den anglo-holländischen Öl-Spotmarkt. Der frühere griechische König Konstantin arbeitete für die Latsis-Familie, nachdem er Griechenland verlassen mußte. Konstantin ist ein enger Freund von Prinz Charles und Patenonkel des "Duke of Cambridge", Prinz William.

Der französische Autor Karel Vereycken schrieb in einem [url:"http://www.solidaritaet.com/neuesol/2010abo/29/barroso.htm]Artikel für Neue Solidarität am 21.7.2010: "Seit den achtziger Jahren engagierte sich der Gründer des Latsis-Imperiums, John Latsis (1910-2003), der im Reedereiwesen begonnen hatte und sich dann ins Ölgeschäft und ins Bauwesen ausweitete, auch im Finanzbereich. Die von ihm erworbene Banque de Dépôt (Genf) wurde in den neunziger Jahren mit anderen Bankaktivitäten verkoppelt und zur EFG Eurobank gemacht, die auch heute noch die Bank der Latsis-Gruppe darstellt.

"Die Initiative dazu ging allerdings nicht von Latsis aus, sondern von dem Schweizer Bankier Jean-Pierre Cuoni, der 1990-94 Chef des Bankhauses Coutts and Co. Private and Commercial Banking war, das seit Generationen als Privatbankier für das britische Königshaus fungiert. Coutts war seit 1969 in Besitz der britischen Geschäftsbank NatWest, die später von der Royal Bank of Scotland übernommen wurde.

"1995 beschlossen Cuoni und drei weitere Direktoren von Coutts, eine neue Privatbank traditionellen Zuschnitts zu gründen, die sich um die Bedürfnisse ihrer „gehobenen" Kunden kümmern sollte. Aus diesem Grund wandten sie sich an Spiro Latsis, der als Sohn von John Latsis damals in Genf das Latsis-Vermögen verwaltete. So entstand aus der Banque de Dépôts und den schweizerischen Aktivitäten der Royal Bank of Scotland die EFG Eurobank."

Vereycken schloß seinen Artikel: "Vor diesem Hintergrund kann man sagen, daß es sich bei der EFG Eurobank eigentlich weder um eine „griechische" noch um eine „schweizerische" Bank handelt, sondern um eine Institution im Umkreis des britischen und - denkt man an Latsis' Ölaktivitäten in Saudi-Arabien - des saudischen Königshauses. Die ungewöhnliche Bedeutung und Funktion der Bank erklärt auch die erstaunliche Tatsache, daß die EFG Eurobank ihre Anlagen fast ausschließlich in Staatsanleihen eines einzigen Landes - Griechenland - getätigt hat, ein Risiko, das eine „normale" Bank nie eingehen würde. Neben der Stützungsfunktion für den Euro, die sich darin ausdrückt, heißt das auch, daß sich die Bank im Falle von Problemen ihres staatlichen Schuldners der Sicherheit ihres eingegangenen finanziellen Engagements doch recht sicher sein muß."

* Wie Vereycken schreibt, hatte die französische Wochenzeitung Le Canard Enchaîné schon am 25. Mai 2005 berichtet, nach Ansicht von Europaabgeordneten seien „die Geschäfte der Latsis-Gruppe (Bankgeschäft, Immobilien, Erdöl, Schiffsbau) in Griechenland und auf dem Balkan nicht gerade ein Vorbild an Transparenz. Genausowenig wie die Konten ihrer Filialen mit Sitz auf Jersey, in Monaco oder Luxemburg." Die Abgeordneten hätten auch entdeckt, daß die Europäische Kommission in der Zeit seit 1999 in mindestens sechs Fällen Unternehmen von Spiro Latsis besonders zuvorkommend behandelte. „So war für den Zeitraum von 1999 bis 2004 die Bank der griechischen Gruppe, die EFG Eurobank, von der Kommission ausgewählt worden, das Geld europäischer Finanzierungen in Griechenland weiterzuleiten. Ebenso hat die europäische Exekutive mehrere Übernahmen griechischer Banken oder Unternehmen durch die Latsis-Gruppe gestattet. ... Um alles zu arrangieren, hat Barroso schließlich, sowie er an der Spitze der europäischen Exekutive installiert war, einen gewissen Dusan Sidjanski zum Sonderberater der Kommission gemacht. Sidjanski ist auch Chef des Centre européen de la culture [das von de Dennis de Rougemont gegründete ECC in Genf], einer im wesentlichen von ... der Latsis-Gruppe finanzierten Einrichtung."