Helga Zepp-LaRouche warnt in China vor Weltkriegsgefahr
6. März 2014 • 13:29 Uhr

In einer Reihe von Vorträgen in China stellte die Vorsitzende des Schiller-Instituts die chinesische Politik der Neuen Seidenstraße in den Kontext der gegenwärtigen globalen Krise.

Eine Delegation des Schiller-Instituts unter Leitung von Helga Zepp-LaRouche besuchte im Februar China. Frau Zepp-LaRouche war in ihrer Funktion als Präsidentin des internationalen Schiller-Instituts zu Vorträgen in mehr als einem Dutzend Denkfabriken und Universitätsinstituten eingeladen, um über das Projekt der Neuen Seidenstraße zu referieren. Anlaß der Reise war die von Chinas Präsidenten Xi Jinping im vergangenen Jahr verkündete Absicht, mit dem Ausbau des „Wirtschaftsgürtels der Seidenstraße“ das Land weiter voran zu bringen. Damit griff er das Thema der Eurasischen Landbrücke auf, für das sich Frau Zepp-LaRouche schon seit mehr als 20 Jahren einsetzt. Der realwirtschaftliche Aufbau des eurasischen Kontinentes sei der Gegenentwurf, betonte Frau Zepp-LaRouche, zu der um Einflußsphären kämpfenden Geopolitik der USA und EU, die nun infolge des Putsches in der Ukraine drohe, die Welt in einen thermonuklearen Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Rußland zu ziehen.

Auch wenn die chinesischen Gelehrten die Entwicklungen, die sich in der Ukraine entfalteten, mit Unruhe verfolgten, zogen nur wenige die notwendigen Schlüsse aus dieser gefährlichen Konfrontationspolitik. Der Besuch von Frau Zepp-LaRouche war daher eine Gelegenheit, die klare Warnung zu übermitteln, daß der Menschheit insgesamt die Auslöschung drohe, wenn es zu einem thermonuklearen Konflikt kommen sollte.

Frau Zepp-LaRouche machte auch deutlich, daß diese geopolitische Krise eine direkte Folge des voranschreitenden Zusammenbruchs des internationalen Finanzsystems sei - einem Kollaps, vor dem ihr Ehemann Lyndon LaRouche schon seit Jahrzehnten gewarnt hat. Wenn dieses gescheiterte Finanzsystem nicht aufgegeben und durch die Einführung des Glass-Steagall-Trennbankengesetzes und die Rückkehr zu einer Hamiltonischen Kreditpolitik ersetzt werde, erklärte sie, werde die Welt in ein „neues Finsteres Zeitalter“ stürzen oder - noch wahrscheinlicher - sich selbst in einem thermonuklearen Konflikt, wie er uns heute droht, vernichten.

Die „Silk Road Lady“ kehrt zurück

Viele Gelehrte in China, mit denen sie bei ihrem Besuch zusammentraf, darunter auch einige alte Freunde, hatten schon viel von der Arbeit von Herrn und Frau LaRouche gehört. Diejenigen, die schon in den 1990er Jahren aktiv waren, kannten ihre Rolle bei der Formulierung der Politik der Seidenstraße, die auch als Eurasische Landbrücke bekannt ist. Als es nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion notwendig war, eine Politik zu entwerfen, um den neuen Nationen, die sich aus den Trümmern der Sowjetunion bildeten, eine Zukunft zu weisen, entwickelten sie und ihr Ehemann das Konzept von „Entwicklungskorridoren“ durch das eurasische Herzland, um mit Hilfe eines Netzes von Hochgeschwindigkeitsbahnen die landeingeschlossenen Regionen Mittel- und Südasiens in das wirtschaftliche Leben des Planeten einzubinden. Gespräche mit chinesischen Vertretern Anfang der 1990er Jahre führten dazu, daß 1996 unter der Schirmherrschaft des Chinesischen Ministeriums für Wissenschaft und Technologie eine Konferenz in Beijing durchgeführt wurde, bei der Helga Zepp-LaRouche eine der Hauptreden hielt.

Später organisierte sie Dutzende von Konferenzen in Europa, den Vereinigten Staaten und Asien, um Unterstützung für dieses grundlegende Projekt zu gewinnen, und verdiente sich so die Bezeichnung „Silk Road Lady“. Ihr zu Ehren organisierten dann auch einige der im Laufe der letzten Jahre gewonnen chinesischen Freunde ein großes Bankett als einen Höhepunktes ihres jetzigen Aufenthalts in Beijing.

Andere, die jünger waren oder nichts von ihrem Einsatz für diese Vorschläge in den 1990er Jahren wußten, waren erstaunt, zu erfahren, welch lange Vorgeschichte dieses Projekt hat, das sie erst kennenlernten, als Präsident Xi im September letzten Jahres bei einem Besuch in Kasachstan seinen Vorschlag des „Wirtschaftsgürtels der Seidenstraße“ vorgestellt hatte.

Aber die größere Perspektive des Seidenstraßen-Vorschlags, wie sie von Frau Zepp-LaRouche präsentiert wurde, die weit über die traditionellen Begriffe des Baus von neuen Eisenbahn- und Straßenverbindungen und Pipelines hinausgeht - eine große Vision des Baus neuer Städte, um die Zivilisation in die bisher noch unerschlossenen Gebiete Zentralasiens zu bringen, in Verbindung mit einer Renaissance der Kultur für die Menschen in der Region - löste bei ihrem Publikum großes Interesse und Begeisterung aus. Dieser Enthusiasmus spiegelte sich deutlich in den Gesichtern vieler Zuhörer. Alle Institutionen, die sie besuchte, äußerten nachdrücklich ihr Interesse, mit dem Schiller-Institut in Kontakt zu bleiben.

Besuch in Schanghai

Nach einer Woche in Beijing fuhr Frau Zepp-LaRouche mit der neuen Hochgeschwindigkeitsbahn nach Shanghai. Der Weg durch die Provinzen Shandong und Jiangsu führte uns durch viele landwirtschaftliche Gebiete - es leben immer noch rund 50% der Chinesen auf dem Land. Man sah dort zwar noch immer viele Bauern, die mit den traditionellen Methoden arbeiten, aber es war nicht zu übersehen, daß in den Städten und Dörfern entlang der Strecke vielen gebaut wird, was zeigt, daß auch der Lebensstandard der ländlichen Bevölkerung wächst.

Die Rückkehr nach Shanghai war ein besonderes Erlebnis für Frau Zepp-LaRouche, die die Stadt als junge Journalistin im Jahr 1971, als die Kulturrevolution ihren Höhepunkt erreicht hatte, zuletzt besuchte. Während im Shanghaier Bund, dem Zentrum des städtischen Lebens seit der Qing-Dynastie, immer noch die alten Gebäude der kolonialen Finanzinstitute erhalten sind, hat sich alles andere radikal verändert. Jenseits des Flusses, in Pudong, wo es damals nur Reisfelder und Farmen gegeben hatte, ist ein blühender Industrie- und Geschäftsbezirk mit beeindruckenden Bauwerken wie dem 457 m hohen Oriental-Pearl-Fernsehturm entstanden. Anders als Beijing könnte man Shanghai heute für eine europäische Stadt halten - tatsächlich wird die Stadt oft als das Paris des Ostens bezeichnet.

Auch hier zeigten die Gelehrten der Stadt großes Interesse für das, was Frau Zepp-LaRouche zu sagen hatte. Sie alle nahmen ihre Warnung vor der Gefahr eines Nuklearkrieges sehr ernst. Bei einem Treffen an der Universität mit einer Gruppe, die sich normalerweise mit Energiefragen befaßt, konzentrierten sich die Fragen vor allem auf die Gefahren, die mit der Destabilisierung der Ukraine drohen. Auch wenn die Denkfabriken und Institute in Shanghai nicht den gleichen „direkten Draht“ zu den Ministerien der nationalen Regierung haben, wie es bei den Beijinger Einrichtungen oft der Fall ist, sind sie eifrig bedacht, ihren nationalen Status dadurch zu sichern, indem sie in ihren Forschungen Wert auf höchste Qualität legen. Die einzigartige Perspektive des Schiller-Instituts war daher für sie von besonderem Interesse.

Ein Land studiert die Seidenstraße

Präsident Xis Rede vom September 2013 über das Projekt der Neuen Seidenstraße liefert den Rahmen einer Strategie, die vom ganzen Land verfolgt wird. Nun müssen die zahllosen Details ausgearbeitet werden, und damit beschäftigen sich die verschiedensten Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen. Das Projekt weist dem Land den Weg in die Zukunft. Es betrifft die innere Entwicklung Chinas, insbesondere die besonders wichtige industrielle Entwicklung der westlichen Region des Landes, und die manchmal nicht ganz leichte Aufgabe, die Nationen Zentralasiens, Rußland und China zu einer Politik der gemeinsamen wirtschaftlichen Entwicklung zu einigen.

In ihren Gesprächen mit den Wissenschaftlern, die sich mit dem Projekt befassen, betonte Frau Zepp-LaRouche die Notwendigkeit einer „größeren Vision“ für die Neue Seidenstraße als Teil der Weltlandbrücke. Das Projekt gehe weit über die bloße Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur hinaus. Der Bau neuer Städte, das Umlenken von Flüssen, um Wasser in trockene Regionen zu leiten, gehöre genauso dazu wie der Bau neuer Kernkraftwerke, die sowohl zur Stromerzeugung als auch zum Betrieb von Meerwasserentsalzungsanlagen zur „Begrünung der Wüsten“ dringend benötigt würden. Diese Projekte würden für eine völlige Transformation der menschlichen Zivilisation in den betroffenen Regionen sorgen und die Grundlage für einen noch größeren „Wirtschaftsgürtel“ legen, der sich durch ganz Eurasien bis hinunter nach Afrika und von Sibirien durch den Beringstraßentunnel nach Nordamerika und von dort bis hinab nach Patagonien erstrecken werde.

Wenn es gelinge, die „klare und gegenwärtige Gefahr“ eines nuklearen Konflikts zwischen Rußland und den Vereinigten Staaten zu überwinden, die durch die Machenschaften des Westens in der Ukraine heraufbeschworen wurde, und gleichzeitig die Finanzoligarchie mit der Errichtung einer Glass-Steagall-„Brandmauer“ in den Bankrott zu schicken, dann werde die erfolgreiche Realisierung dieses Wirtschaftsgürtels entlang der Seidenstraße die Menschheit in eine neue Ära der wirtschaftlichen Entwicklung führen.
William Jones