Prometheus gegen Zeus oder warum ich Optimist bin
3. Januar 2014 •

Von Kai-Uwe Ducke

Der alte Mythos des Prometheus, der Zeus das Feuer stahl und es den Menschen brachte, wurde von Aischylos im alten Athen als Drama aufgeführt. Leider ist nur ein Teil des Werkes erhalten geblieben, aber es wird deutlich, daß der Mensch ohne das Feuer wie ein Tier leben würde. Das Feuer steht hierbei als Metapher für die kreative Fähigkeit des Menschen, sich Naturkräfte nutzbar zu machen.

Indem er ihr das Feuer, also die Kreativität, nahm, wollte Zeus die Menschheit vernichten. Viele Legenden der griechischen Antike haben ihren Anfang in dem Beschluß der Olympischen Götter, die Menschen auszurotten oder zumindest zu bestrafen.

In einer Legende bittet Mutter Gaia ihren Sohn Zeus darum, die Menschheit zu dezimieren1s. Kyprien, Buch I, da zu viele ungläubige Menschen auf ihr herumtrampeln. Daraufhin entwickelte sich die Verschwörung, die letztlich zum Trojanischen Krieg führte.

Für den Peloponnesischen Krieg unterschied der Geschichtsschreiber Thukydides sehr deutlich zwischen Ursache und Anlaß. Der Anlaß war, daß Epidamnos - eine Tochterstadt von Kerkyra, die selbst eine Tochterstadt Korinths war - in den Attischen Seebund eintrat und Korinth und Sparta daraufhin Athen und seinen Verbündeten den Krieg erklärten.

Dieser Krieg dauerte 27 Jahre und führte zur völligen militärischen und wirtschaftlichen Erschöpfung Griechenlands. Damit stand es so gut wie wehrlos vor der kommenden Invasion, die die Mazedonier im Auftrag des Persischen Imperiums durchführen sollten. Das Persische Imperium hatte vorher schon zweimal vergeblich selbst versucht (490 v. Chr. und 480 v. Chr.), Griechenland einzunehmen und danach mit Agenten - unter anderem in Delphi - dafür gesorgt, daß sich die größten Mächte, Athen und Sparta, mehr und mehr verfeindeten, woraus der Peloponnesische Krieg entstanden war - mit der eigentlich unbedeutende Kolonie Epidamnos, wie erwähnt, als Anlaß.

Kriege entstehen nicht durch Bündnisse und können auch kaum durch Bündnisse verhindert werden. Es sind die Bedenken und Ängste um die Zukunft eines Landes, als existentiell wahrgenommene Bedrohungen, die zum Krieg führen.

Das weiß auch der US-amerikanische Oberbefehlshaber Martin Dempsey. Denn Thukydides' „Der Peloponnesische Krieg“ und auch Sun Tsus „Die Kunst des Krieges“ sind in den führenden Militärakademien Pflichtlektüre. Dempsey zog in einigen Reden sehr deutliche Parallelen zu den heutigen Spannungen zwischen den USA und China bzw. Rußland.

Viele sehen dem Jahr 2014 hoffnungsvoll entgegen. Aber es ist auch der 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs. Leider befinden wir uns wieder in einer Lage, die zu einem Weltkrieg führen könnte - diesmal mit Atomwaffen. Der Ausbruch solch einen Krieges muß unbedingt verhindert werden, denn damit könnte sich die Menschheit selbst auslöschen.

Geometrie der Lage: Transatlantik gegen Asien

Wenn man die Welt aus russischer Sicht betrachtet, dann sieht man in den letzten 20 Jahren eine Einkreisung des Landes. Die NATO wurde nicht aufgelöst und alle Zusagen des Westens wurden gebrochen. Es gibt einen Raketenabwehrschirm in Polen und in Rumänien „gegen den Iran“ - aber wer soll das bitteschön glauben?

Verbündete Länder wie Syrien werden von Al-Nusra und Al-Kaida ins Chaos gestürzt. Dann will der Westen dort einmarschieren, und Rußland würde seine einzige Militärbasis im Mittelmeer verlieren.

Falls die Ukraine der EU und sicherlich nur wenig später der NATO beitreten würde, dann hätte die russische Schwarzmeerflotte keinen Heimathafen mehr und die Hauptstadt Moskau wäre nur noch 500 km entfernt von der Grenze zur NATO. Damit wäre Rußland unfähig, sein eigenes Territorium zu verteidigen!

Das gleiche gilt in ähnlicher Weise auch für China, das durch Obamas „Air-Sea-Battle“-Doktrin praktisch die eigene Küste gegen Invasionen nicht mehr verteidigen könnte.

Es sind, wie Thukydides betont, insbesondere die Ängste vor einem weiteren Voranschreiten eines möglichen Feindes, geschürt durch Lügen bzw. gebrochene Versprechen, welche zum Krieg führen.

Die höhere Ebene

In den ersten beiden Beispielen wurde die Absicht einer Macht gezeigt, welche einen Krieg zum eigenen Nutzen herbeiführte. Der Trojanische Krieg sollte die Menschheit nach dem Wunsch Mutter Gaias reduzieren. Der Peloponnesische Krieg nutzte einzig und allein den Persern, welche ihre Herrschaft in das Mittelmeer ausdehnen wollten.

Aber wer will einen Atomkrieg?

Seit der Renaissance trauern viele Adlige dem Mittelalter nach, denn zu dieser Zeit gab es nur eine kleine Oberschicht von Oligarchen, die den Rest der Bevölkerung praktisch wie Vieh behandelten. Diese Oligarchen oder Hochadligen Europas sind in diesem Sinne die Nachkommen des Zeus. Wenn sie auch nicht wie Zeus herrschen können, sorgen sie u.a mit Manipulation des Wirtschaftssystems dafür, daß viele Menschen hungern und im Elend leben. Afrika liegt praktisch im Sterben, und mittlerweile ist das gesamte transatlantische System von EU/NATO wirtschaftlich am Ende.

Das ist kein Zufall! Denn das Ziel der heutigen europäischen Oligarchie ist die Abschaffung des souveränen Nationalstaats durch die EU und Reduzierung der Weltbevölkerung durch Hunger, Krieg und Seuchen.

Doch was nützt das der Oligarchie? Gar nichts! Denn so wie Zeus wütend auf Prometheus war - erstens, weil er den Menschen das Feuer brachte, zweitens und noch wichtiger, weil Prometheus die Zukunft kannte -, so ist die Oligarchie heute machtlos, wenn es um Ideen und Visionen geht. Der gesamte Machtapparat der Abhörung von Milliarden von Menschen kann nicht die Kreativität der Menschen auslöschen. Das Feuer des Prometheus brennt immer noch, und der damit verbundene Hang des Menschen, ständig etwas verbessern zu wollen, immer etwas Neues lernen zu wollen und sich selbst zu vervollkommnen, kann von keiner Tyrannei erstickt werden. Solange es noch Menschen gibt, die sich für Ideen einsetzen, die die Fackel des Prometheus weitertragen, so lange gibt es für die Menschheit eine Zukunft!

Ich wünsche allen Freunden ein gesundes neues Jahr!

Anmerkungen

1s. Kyprien, Buch I




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