Sputnik interviewt Helga Zepp-LaRouche zu Xi-Trump Gipfeltreffen
6. April 2017 • 19:02 Uhr

Die russische Nachrichtenagentur Sputnik führte am 5. April das folgende Interview mit Helga Zepp-LaRouche zum bevorstehenden Gipfeltreffen zwischen den Präsidenten Xi Jinping und Donald Trump.

Sputnik: Was wird der Tonfall des Treffens sein?

Helga Zepp-LaRouche: Ich denke, er wird tatsächlich herzlich sein. Die westlichen Medien irren sich normalerweise, wenn sie versuchen, die ganze Frage auf einen geopolitischen Konflikt zu reduzieren. Aber ich denke, daß beide Seiten dieses Treffen sehr gut vorbereitet haben. Als Außenminister Tillerson im letzten Monate in Beijing war, um den Besuch vorzubereiten, sagte er, daß die amerikanisch-chinesische Beziehung unter der Trump-Administration eine sehr positive Beziehung sein werde, die auf dem Grundsatz aufbauen werde: keine Konfrontation, kein Konflikt, gegenseitige Respekt und ständige Suche nach einer „Win-Win“-Lösung. Und das war genau die Formel, die Xi Jinping 2012 verwendete, als er den Aufbau einer neuen Form der Beziehungen zwischen den Großmächten China und den Vereinigten Staaten forderte.

Nun, das wurde damals von Präsident Obama zurückgewiesen. Aber die Tatsache, daß Tillerson jetzt genau diese Formulierungen verwendet, ist ein sehr, sehr positives Signal. Und da China seit 2013 die Politik der Neuen Seidenstraße - oder der Gürtel- und Straßen-Initiative, wie sie jetzt genannt wird - auf den Tisch gebracht hat, und diese Neue Seidenstraße baut, mit der Idee, daß auch die Vereinigten Staaten sich daran beteiligen sollten, wäre ich überhaupt nicht überrascht, wenn so etwas diskutiert würde, zur Überraschung vieler.

Sputnik: Ich verstehe. Nun, Trump hat China früher vorgeworfen, die US-Wirtschaft auszurauben. Er bezeichnete das Land als Währungs-Manipulator und drohte sogar, hohe Zölle gegen chinesische Importe einzuführen. Welche Reaktion sollten wir von dem chinesischen Staatsführer erwarten? Welche Positionen wird er beziehen?

Zepp-LaRouche: Ich glaube nicht, daß Xi Jinping auf den Wahlkampfton des Kandidaten Trump reagieren wird, denn Trump ist jetzt Präsident. Und ich denke, wenn sie die Idee auf den Tisch bringen, daß China in die Infrastruktur in den Vereinigten Staaten investieren könnte - Trump selbst hat ja angekündigt, daß ein Eine-Billion-Dollar-Programm zum Wiederaufbau der amerikanischen Infrastruktur notwendig ist. Kürzlich fand in Hongkong eine Konferenz statt, wo chinesische Ökonomen schätzten, daß tatsächlich sogar acht Billionen investiert werden müssen. Nun, der Weg, das Handelsdefizit zu reduzieren, wären direkte chinesische Investitionen in die [US-]Infrastruktur - vielleicht nicht sofort, sondern indirekt, man könnte vielleicht eine Infrastrukturbank haben, in die China investieren könnte, oder ähnliches.

Aber ich bin überzeugt, daß sie aus diesem Gipfeltreffen jedenfalls mit Resultaten herauskommen werden, die für beide Länder nützlich sind.

Sputnik: Es ist interessant, daß Sie über eine positive Lösung für das Handelsdefizit sprechen, das Sie gerade erwähnt haben, bei der China möglicherweise eine besondere Investitionsbank schaffen könnte. Aber gibt es noch etwas anderes, was Trump tun könnte, um das Handelsdefizit zu reduzieren? Oder gibt es Wege, wie Trump die Beziehungen zwischen den beiden Ländern und den Handel zwischen beiden Ländern verbessern könnte?

Zepp-LaRouche: Nun, Trump hat kürzlich mehrmals erwähnt, daß er zum Amerikanischen System der Ökonomie zurückkehren will, dem System Alexander Hamiltons, Lincolns, und Henry Clays. Das ist tatsächlich das System, das die Vereinigten Staaten nach dem Unabhängigkeitskrieg groß gemacht hat. Und es war ein sehr protektionistisches System. Alexander Hamilton schuf die Vereinigten Staaten, indem er eine Nationalbank gründete, ein Kreditsystem, und beispielsweise der deutsche Ökonom Friedrich List hat auf den Unterschied zwischen dem Amerikanischen System der Ökonomie und dem Britischen System der Ökonomie hingewiesen. Damit meinte er das Amerikanische System, das von Hamilton geschaffen wurde, und es besagt im Grunde, daß die einzige Quelle des Reichtums die Kreativität und Produktivität der Arbeitskraft ist, im Gegensatz zum Britischen System, das besagt, man muß billig einkaufen und teuer verkaufen, den Handel beherrschen und die Arbeitskosten so gering wie möglich halten.

Und wenn man das anschaut, was China mit seinem chinesischen Wirtschaftswunder der letzten 30 Jahre getan hat - das ist viel näher an der Philosophie Alexander Hamiltons, als an dem System der Globalisierung und des sogenannten „Freihandels“. Denn ich denke, daß das chinesische System des Freihandels nicht dasselbe ist wie das, was sich die Briten und die Amerikaner unter den Regierungen Obama und Bush darunter vorstellen.

Wenn Trump also sagt, die Globalisierung habe zur Auslagerung von produktiven Arbeitsplätzen geführt und ich will die amerikanische Wirtschaft wiederaufbauen, nun, das ist der Weg, wie man das Handelsdefizit reduzieren kann, denn der Grund dafür, daß es das Handelsdefizit gibt, ist vor allem der, daß viele Produkte in den letzten 16 Jahren unter den Regierungen Bush und Obama weniger konkurrenzfähig wurden, beispielsweise in der Automobilindustrie. Der Grund, warum immer mehr Autos importiert wurden - aus Korea, aus Deutschland - , ist, daß diese Autos besser sind als amerikanische Fahrzeuge.

Was Amerika tun muß, und was Trump tun muß - und ich denke, das ist auch seine Absicht -, ist, die amerikanische Wirtschaft auf dem höchsten Niveau der Produktivität wiederaufzubauen. Die Infrastruktur ist dafür nur die Voraussetzung, aber dann gibt es weitere Bereiche, wie die Kernspaltung und insbesondere die Entwicklung der Kernfusion, die Kooperation mit anderen Ländern im Weltraum und so viele andere Bereiche, in denen man in die produktivsten Bereiche der Wirtschaft springen kann. Und ich denke, daß Trump die Absicht hat, das zu tun.

Sputnik: Es ist interessant, daß Sie darüber reden, und es gefällt mir sehr, daß Sie dieses Thema ansprechen. Aber leider müssen wir das auf einen anderen Zeitpunkt vertagen. Gibt es neben der Frage, über die wir gesprochen haben, noch andere Themen, die zwischen dem chinesischen Staatsführer und dem US-Präsidenten auf dem Tisch kommen werden?

Zepp-LaRouche: Nun, offensichtlich wird Korea hoch auf der Tagesordnung stehen, angesichts der jüngsten Raketentests Nordkoreas. Aber man muß verstehen, daß Nordkorea das nicht tut, weil es aggressive Absichten gegenüber Südkorea oder Japan oder die Vereinigten Staaten hat. Sie tun es als Reaktion auf die Stationierung der THAAD-Raketen, von denen sowohl Rußland als auch China gesagt haben, daß sie eine Bedrohung für ihre nationale Sicherheit sind. Und Nordkorea reagiert auch auf die sehr großen Manöver unter Beteiligung der Vereinigten Staaten, Japans und Südkoreas, die derzeit laufen.

Der Weg, dies zu beruhigen, und das wäre meine Vermutung, ist, daß sie vereinbaren, die Sechs-Parteien-Gespräche wieder aufzunehmen, um eine Lösung zu finden, oder vielleicht Fünf-Parteien-Gespräche, um eine wirkliche Lösung auszuarbeiten, die man Nordkorea anbieten kann. Aber es ist meine Überzeugung, daß der einzige Weg, diesen Konflikt für immer beizulegen, der ist, die Neue Seidenstraße nach Korea zu verlängern und Nord- und Südkorea wieder zu vereinigen und dann gemeinsam den Norden zu entwickeln, wobei natürlich die Souveränität Nordkoreas berücksichtigt werden muß; aber ich denke, die Idee muß sein, die schreckliche wirtschaftliche Not zu überwinden und dafür die hochqualifizierten Arbeitskräfte einzusetzen, die es in Nordkorea gibt! Die Leute wissen das nicht, aber es gibt tatsächlich eine hochentwickelte Arbeitskraft in Nordkorea.

Ich denke daher, daß die Neue Seidenstraße, die Gürtel- und Straßen-Initiative, sogar schon kurz- oder mittelfristig den Rahmen bilden würde, in dem man das Problem Nordkorea für immer lösen kann.

Sputnik: Nun, in diesem Sinne möchte ich Ihnen ganz herzlich danken, daß Sie heute dabei waren, Helga. Es war eine Freude, Sie hier zu haben, und ich würde mich freuen, wenn Sie in der Zukunft wieder dabei sind.

Zepp-LaRouche: Gerne, vielen Dank.

Das Interview wurde auf englisch geführt und veröffentlicht:

Sputniknews.com

Audio des ganzen Interviews