USA und China: eine neue Ära der Zusammenarbeit
14. November 2017 • 10:26 Uhr

Präsident Trumps „Staatsbesuch plus“ in China war ein schlagender Erfolg. Neben Fortschritten für eine Lösung der Koreakrise und Stabilität im Südchinesischen Meer sowie den vielversprechenden Wirtschaftsabkommen gilt dies besonders für das sehr gute persönliche Verhältnis, das beide Präsidenten hervorhoben. Chinas Staatsführung organisierte einen beispiellosen Empfang, Trumps feierliche Begrüßung bei der Ankunft wurde im Fernsehen live übertragen - ein Novum. Präsident Xi bemühte sich besonders, Trump die chinesische Kultur und Geschichte nahe zu bringen. Am ersten Tag wurde (zum erstenmal) die gesamte „Verbotene Stadt“ geschlossen, damit das Ehepaar Trump sie besichtigen konnte, und es wurden Höhepunkte aus Pekingopern vorgetragen.

Xi äußerte sich optimistisch, daß ihre Staaten für beide Seiten positive Beziehungen entwickeln werden. Er sagte: „Da sich unsere Wirtschaftsbeziehungen rasch ausweiten, ist es nur natürlich, daß wir von Zeit zu Zeit Differenzen haben mögen. Das wichtige ist, daß wir im Geist des gegenseitigen Vorteils und Verstehens handeln und eine angemessene Einigung durch Dialog und Konsultation suchen.“ Trump beklagte zwar erwartungsgemäß Chinas „unfairen Handelsüberschuß“ mit den USA, fügte aber hinzu, schuld daran sei nicht China, sondern vorangegangene US-Regierungen. „Wer kann schließlich einem Land Vorwürfe machen, wenn es im Dienst seiner Bürger ein anderes Land ausnutzt?“

Trump betonte auf der zehntägigen Reise mehrmals, er schütze die Interessen der Amerikaner, so wie andere Regierungen ihre eigenen nationalen Interessen schützen müßten. Als direkte Antwort auf das grotesk verzerrte Bild von Xi in westlichen Medien sagte Trump am 11.11.: „Ich bin fest davon überzeugt, daß er ein guter Mensch ist. Er will das Richtige tun, er vertritt sein Volk... Er ist sehr stark... Und wir kommen sehr gut miteinander aus.“

Während der Chinareise wurden 37 Handelsgeschäfte im Gesamtumfang von mehr als 253 Mrd.$ zwischen amerikanischen und chinesischen Unternehmen geschlossen oder angekündigt. Die drei größten Geschäfte sind ein Gemeinschaftsprojekt des Bundesstaats Virginia mit dem chinesischen Shenhua-Konzern zur Förderung von Schiefergas über 83 Mrd.$, ein Flüssiggas-Projekt des Staates Alaska mit chinesischen Firmen über 43 Mrd.$ sowie ein Abkommen zwischen Boeing und der China Aviation Supplies Holding über den Kauf von 300 Boeing-Maschinen für 38 Mrd.$. General Electric (GE) und Chinas Seidenstraßenfonds gründen ein Gemeinschaftsvorhaben, um „gemeinsam in Stromnetze, neue Energie und Öl und Gas in Ländern und Regionen entlang der Gürtel- und Straßen-Initiative zu investieren“.

Wenig erwähnt wurde ein Projekt mit faszinierendem Potential. Westinghouse Electric bestätigte den Abschluß von Verträgen mit Chinas staatlichem Atomkonzern und dessen Tochterunternehmen über den Bau von sechs neuen Kernkraftwerken des Typs AP1000 in China: zwei in Haiyang, zwei in Sanmen und zwei in Lufeng - ein Standort, von dem bisher noch nicht die Rede war. Verschiedenen Berichten zufolge ist der AP1000-Reaktor mit 1100 MW Kapazität der sicherste und wirtschaftlichste der Welt. Das Großgeschäft könnte für das angeschlagene Unternehmen aus Pennsylvania die Rettung sein.