Wir brauchen sofort eine Antikriegsbewegung
11. November 2011 •

Von Helga Zepp-LaRouche

Den folgenden Vortrag, der für die Veröffentlichung leicht bearbeitet wurde, hielt Helga Zepp-LaRouche am 5. November bei einem Treffen mit aktiven Mitgliedern der BüSo in Berlin.

Audioaufnahme hier

Ich fürchte, daß das, was ich heute zu sagen habe, keine leichte Kost ist, und auch nicht sehr erfreulich, aber es ist die Realität. Und es ist besser, man setzt sich mit der Realität auseinander und überlegt dann, was man tun kann, um es notfalls in eine bessere Richtung zu bringen, als daß man den Kopf in den Sand steckt und wie beim Vogel Strauß zwar der Kopf geschützt ist, aber noch ein sehr großes Hinterteil rauskuckt, wo dann entsprechende Tritte reinversetzt werden können.

Die Lage ist extrem ernst. Wir sind auf dem direkten Weg in den Dritten Weltkrieg. Wer das bisher nicht realisiert hat: das ist eigentlich ganz leicht nachzuvollziehen.

Vor ungefähr fünf Tagen ist ein riesiger Skandal in Israel ausgebrochen, weil dort - wahrscheinlich von Geheimdienstkreisen, Mossad, Schin Bet - die Information an die Öffentlichkeit, an die Medien gebracht wurde, daß Premierminister Netanjahu und Verteidigungsminister Barak einen präventiven Militärschlag gegen den Iran vorhaben.

Das hat zu einer totalen Eruption geführt, worauf der größere Teil des Kabinetts und die Chefs der Geheimdienste Mossad und Schin Bet, der Generalstabschef und die früheren Chefs dieser Organisationen sich gegen diesen Krieg geäußert haben, mit dem Argument, daß es nicht nur Israel selbst extrem gefährde, sondern daß die gesamte Region für 100 Jahre zerstört würde.

Der angebliche Anlaß für den geplanten Angriff ist, daß am Montag die IAEA berichten soll [der Bericht wurde dann am Dienstag, dem 8.11. veröffentlicht, d.Red.], wie weit der Iran mit seinem Atomprogramm ist, und es Spekulationen im Vorfeld gab, daß der Iran kurz davor wäre, eine Atomwaffe bauen zu können, oder in den nächsten 12 Monaten in der Lage sein würde, die Atomanlagen unterirdisch zu bauen, so daß man sie nachher nicht mehr angreifen könne. Man muß bis Montag warten, um zu wissen, was es genau sein wird. Aber im Vorfeld ist die Hölle los, buchstäblich.

Riesiger Militäraufmarsch

Dazu kommt, daß sich ganz, unabhängig von dieser Aufdeckung, im Golf und im Nahen Osten eine dermaßen große Militärkonzentration befindet, daß sie keinen Sinn macht, wenn man nicht davon ausgeht, daß ein größerer Krieg in Vorbereitung ist.

Es ist strategisch eine vollkommen neue Lage eingetreten mit dem Krieg gegen Libyen, weil dieser Krieg eben ein Krieg war, und keine humanitäre Intervention, wie Obama die ganze Zeit gesagt hat. Er wollte damit verhindern, daß der amerikanische Kongreß dem Krieg zustimmen muß, weil in der Verfassung steht, daß es dem Präsidenten nicht erlaubt ist, einen Krieg zu erklären. Er kann zwar Militäraktionen einleiten, muß aber spätestens nach 60 Tagen die Zustimmung des Kongresses einholen. Genau das wollte Obama verhindern und hat es deshalb zu einem „humanitären Eingriff“ erklärt. Wenn man sich aber anschaut, wie viele Einsätze von der Luftwaffe gemacht worden sind, dann besteht überhaupt kein Zweifel, daß es ein voller Krieg war. Es waren auch ganz viele amerikanische Spezialkräfte vor Ort in Libyen, sodaß das Argument, es wären keine Bodentruppen im Einsatz, absolut nicht stimmt.

Dazugekommen ist, daß Gaddafi ermordet worden ist, und zwar nicht von Rebellen, die ihn einfach umgebracht hätten. Auch das wäre schon nach der Genfer Konvention ein Kriegsverbrechen. Nach der Genfer Konvention muß man das Leben eines Kriegsgefangenen schützen, man kann ihn nicht einfach umbringen.

Dazu kommt - wir betrachten auch die internationale Presse und nicht nur die eines Landes -, daß in Frankreich von Top-Militärs gesagt wurde, daß das Kriegsziel von vornherein der Regimewechsel und die Ermordung Gaddafis war. Damit ist völlig klar, was das war, und es ist eine totale Verletzung des Völkerrechts. Wo kommen wir hin, wenn wir einfach in andere Länder intervenieren und fremde Staatschefs einfach umbringen? Das ist der erste Schritt zum Weltkrieg.

Selbst Saddam Hussein hat man noch den Prozeß gemacht, auch wenn natürlich der gesamte Irakkrieg auf Lügen basierte. Wie sich herausstellte, gab es keine Massenvernichtungswaffen, und all die Anschuldigungen stellten sich als Lügen heraus. Immerhin hatte Gaddafi umfangreiche Kooperationsverträge - mit Blair, mit Sarkozy, mit Berlusconi und anderen. Die haben ihn hofiert, haben Waffenverträge gehabt.

Zu dem Grund, warum Gaddafi umgebracht wurde, muß man sagen: Es gab verschiedene Analysen, z.B. in der dänischen Presse, die besagten, daß er schnell umgebracht werden mußte, damit er nicht in einem langwierigen Prozeß aussagen mußte, was seine Geschäftsbeziehungen waren mit Sarkozy, mit Blair und all diesen Leuten.

Unsere Einschätzung ist, daß das nicht der Grund war. Der Grund für das Tempo, mit dem man die Sache vorangetrieben hat, war, daß man das Kriegsmomentum gegen Syrien und Iran nicht aufhalten wollte durch einen langwierigen Prozeß. Hätte man jetzt in Den Haag oder woanders einen Prozeß gemacht, dann hätte es Monate gedauert, Aussage gegen Aussage. Und genau diese Zeit ist eben nicht da. Wir haben gesehen, die Sache ging voll weiter mit Syrien - dasselbe Spiel: Angeblich hat Syrien Rebellen umgebracht und Gewalttaten verübt, was sicherlich auch passiert ist. Was die Medien nicht berichten, ist, daß diese Rebellen von den Saudi und anderen finanziert wurden und eine Rebellion im Land angestiftet wurde.

Das ist ungefähr so, wie wenn plötzlich meinethalben die Österreicher in Bayern einen bewaffneten Aufstand machen würden. Dann würde die Bundeswehr auch sagen: „Moment mal, das geht nicht! Wir sorgen jetzt für Ruhe und Ordnung!“ Die Idee, nur weil das jetzt in der arabischen Welt ist, sei das jetzt alles erlaubt, muß man wirklich gerade rücken.

Jetzt haben wir eine Situation, wo ganz unabhängig von der Lage in Israel, wo in den letzten fünf Tagen der Skandal ausgebrochen ist, sich in der Region eine unglaubliche Streitkräftekonzentration befindet. Im Indischen Ozean sind atomar betriebene Flugzeugträger der USA, im östlichen Mittelmeer ist ein weiterer Flugzeugträger. Um diese insgesamt drei Flugzeugträger, die Hunderte von Flugzeugen in kurzem Takt losschicken können, sind jetzt zahlreiche Fregatten, Zerstörer, Schiffe, die Cruise Missiles lancieren können. Und diese haben extrem moderne Raketenabwehrsysteme. Es gibt eine große Zahl von US-Truppen in dieser Region, 30.000 in Irak.

Obama kündigte an, diese Truppen abzuziehen. Er wollte die Irak-Besetzung beenden, das ist aber nicht passiert. Zusätzlich sind jetzt noch 27.000 Soldaten in die Golfstaaten, u.a. Kuwait, Bahrein verlegt worden. In Afghanistan sind sowieso schon 100.000 Soldaten. Wenn man jetzt annimmt, die USA kämen, um die Rebellen zu unterstützen - es kommen nicht drei Flottenverbände in eine Region, um eine humanitäre Intervention zu machen. Das ist ein Aufgebot für einen Krieg gegen den Iran.

Jeder, der die Region kennt, weiß, daß Israel, allein schon wegen der Größe, niemals allein einen Krieg gegen den Iran führen könnte. Das ist vollkommen ausgeschlossen, es sei denn, Israel würde eine Atombombe einsetzen. Jeder in der arabischen Welt weiß, daß Israel mindestens 200 Atomraketen hat. Wir haben in der Vergangenheit mit führenden israelischen Militärexperten gesprochen, die sagten, daß es für Israel überhaupt kein Problem wäre, wenn Iran Atomwaffen besäße. Allein schon weil Israel so viele Atomwaffen besitzt, wäre das eine genügende Abschreckung. Die Existenz Israels wäre nicht in Gefahr, wenn der Iran Atomwaffen hätte. Der US Intelligence Estimate der Dachorganisation aller US-amerikanischen Geheimdienste sagte jetzt zum zweitenmal, Iran arbeite nicht an einem Atomwaffenprogramm. Aber selbst wenn sie dies tun würden, wäre es keine existentielle Bedrohung für Israel.

Das System ist bankrott!

Was ist der Grund für diesen Aufmarsch?

Man muß den Zusammenhang zu der Tatsache sehen, daß das globale Finanzsystem, aber vor allem das in der transatlantischen Region, absolut hoffnungslos bankrott ist. Die gesamten amerikanischen Banken, welche zu groß sind, um unterzugehen, sind hoffnungslos bankrott. Bank of America hat nach Aussage der New York Times einen unmittelbaren Kapitalbedarf von 300 Mrd. $. Aber die anderen Banken sind in exakt demselben Zustand.

Wenn man sich die Lage in Europa anschaut, dann hat man jetzt auf dem Gipfel der G20-Staaten gesehen, daß die Eurozone kurz davor ist, auseinanderzubrechen. Das ganze Theater um Griechenland, Papandreou, ob jetzt ein Referendum stattfinden soll oder nicht --

Wir haben von Anfang an gesagt - also bevor der Euro erfunden oder eingeführt wurde oder die Idee auf die Tagesordnung kam, nach dem Fall der Mauer als Preis für die Wiedervereinigung -, da sagten wir, das kann überhaupt nicht funktionieren, weil man nicht hochindustrialisierte Länder wie Deutschland, Frankreich oder Norditalien in einen Wirtschaftsverbund tun kann mit Agrarstaaten wie Griechenland. Griechenland ist wunderschön, sie haben hunderte wunderbare Inseln, haben guten Wein, sie haben schöne Oliven, die Sonne scheint. Es ist ein wunderbares Land. Aber sie haben keine Industrie und haben kaum etwas zum Export außer landwirtschaftlichen Produkten. Portugal ähnlich, Spanien auch.

Was dann passiert ist, als der Euro aufgezwungen wurde - die Völker wurde ja nicht gefragt, es gab ja kein Referendum, ob wir die D-Mark aufgeben wollen: da gab es zehn Jahre, wo es relativ gut funktionierte. Die sogenannten Nachholstaaten, also die, die keine wirkliche Industrie hatten, kamen jetzt in den Genuß von relativ günstigen Krediten, und es gab einen gewissen Boom in diesen Staaten. Und dieser Boom stellte sich als Blase heraus. Man kann eine scheinbare wirtschaftliche Blüte für eine Weile haben - wie man im Fall von Spanien sieht, da gibt es allein um Madrid herum eine Million leerstehende Häuser, die jetzt keinen Absatz finden. Wie in anderen Ländern auch: Was als Blüte erschien, war eine typische Finanzblase, die Spekulationsobjekte ermöglicht haben.

Und jetzt ist praktisch klar geworden: Griechenland braucht diese sogenannten Rettungspakete - das erste schon vor anderthalb Jahren -, was verbunden war mit absolut brutalster Sparpolitik.

Brüningsche Sparpolitik

Wir haben davor gewarnt und gesagt: Man kann nicht in einer Depression oder wenn ein Land Schwierigkeiten hat, dasselbe machen wie Brüning in den dreißiger Jahren, d.h., daß man brutale Sparprogramme macht im Staatshaushalt, also Sparprogramme bei Sozialausgaben, bei allen anderen Aufgaben des Staates. Denn jedesmal, wenn man spart, zerstört man noch mehr industrielle und landwirtschaftliche Kapazitäten, dann fällt das Steueraufkommen, dann muß man in der nächsten Runde noch mehr sparen, dann muß man wieder kürzen: Also, das ist eine Spirale nach unten, die sich eigentlich ohne Boden immer weiter öffnet.

Und so war es dann auch. Nach gut einem Jahr brauchte Griechenland das nächste Rettungspaket, und natürlich war die Wirtschaft schon um ein Viertel geschrumpft, die Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen in Griechenland ist ungefähr 40%, in einigen Regionen ist die Arbeitslosigkeit 60%. Viele Läden sind bankrott, Hotels sind bankrott, der ganze Tourismus ist zusammengebrochen.

Und die berühmte „Troika“, also dieses Dreiergespann von IWF, EU-Kommission und EZB, die sind jedesmal nach Griechenland gefahren und haben gesagt: „Wir bestehen jetzt darauf: Damit ihr neue Gelder bekommt, müßt ihr noch mehr sparen, noch mehr kürzen, ihr müßt alles privatisieren, was im Staatshaushalt ist.“ Einmal haben sie sogar gesagt, ihr müßt eure Inseln verkaufen.

Also, man muß sich das vorstellen: Wenn jemand sagt, Deutschland hat Staatsschulden, und wir müssen jetzt Schleswig-Holstein verkaufen und Bayern, und Berlin soll auch verkauft werden, also das sind Vorschläge, die sind so absurd!

Natürlich haben alle diese Vorschläge die Wut der Griechen erzeugt. Also die ganze Idee, daß Europa, die Eurozone und die EU das Friedensideal sind, wo alles nur noch Einheit ist und nie mehr Krieg kommt: Man sieht, daß das eine totale Lüge ist, denn die griechische Bevölkerung haßt als Folge dieser ganzen Sparpolitik Deutschland. Es gab Bilder und Fotomontagen, wo Frau Merkel mit Hakenkreuzen und SS-Uniform gezeichnet war, man hat in Griechenland die Europaflagge gesehen, wo auch Hakenkreuze drauf waren, und die Wut der Griechen gegen diese Unterdrückung ist total explodiert. Und was immer Papandreou da auf dem Gipfel ausgehandelt hat, also, die Vertrauensabstimmung, jetzt eine Übergangsregierung und dann Neuwahlen, das ändert ja alles nichts an dem Problem, daß die griechische Wirtschaft am Boden liegt, daß die Leute verzweifelt sind, die Armut wächst, und das Problem wird immer schlimmer.

Nach Griechenland jetzt Italien

Jetzt sieht man, daß Griechenland nur das kleinste Problem war, denn die gesamte Wirtschaft Griechenlands ist nur 2% des BIP der europäischen Wirtschaft, das ist also nicht besonders viel. Italien ist jetzt das neue große Thema, und Italien ist immerhin die drittgrößte Wirtschaft Europas und hat 1,9 Billionen, also fast zwei Billionen Euro Schulden. Und natürlich nützt selbst dieser Rettungsschirm nichts, die sogenannte European Financial Stability Facility, also diese Zweckgesellschaft. Es ist überhaupt ein Unding, daß derselbe Mechanismus benutzt wird, um diese Schulden zu refinanzieren, der der Grund war, warum diese ganzen Spekulationsprobleme überhaupt aufgetaucht sind mit der amerikanischen Immobilienblase 2007.

Auf jeden Fall ist völlig klar, es wird auch nicht funktionieren, denn danach kommt Spanien, Portugal, und natürlich gilt dasselbe: Jedesmal, wenn man neue Sparpolitik macht, ruiniert man wieder mehr die Wirtschaft, daß heißt, das nächste Sparprogramm, der nächste Rettungsschirm ist schon am Horizont.

Jetzt ist natürlich eine Situation, wo als Folge von diesem G-20-Gipfel sofort von dem Gipfel eine neue Troika nach Rom gefahren ist. Also man muß sich vorstellen: Bürokraten von der EU, der EZB und vom IWF fahren nach Rom, und machen Italien zu einem Protektorat!

Wenn ein soziales Gefüge wie der Euro oder die Eurozone nur noch funktionieren kann, indem man alle Mitgliedstaaten zu Bananenrepubliken macht, die also die Befehle annehmen müssen von einer supranationalen Bürokratie in Brüssel - ja, wo ist dann die schöne Idee von Europa?

Deshalb ist das ein Europa, das wirklich von den Menschen mehr und mehr gehaßt wird. Die gesamten italienischen Gewerkschaften haben schon erklärt, sie werden einen Generalstreik machen, sie werden das nicht akzeptieren. Und die Medizin, die Brüssel da verschreibt, die wird die italienische Wirtschaft noch weiter ruinieren.

Das Hauptproblem ist, daß das gesamte Eurosystem hoffnungslos bankrott ist. Das ist der Grund, warum Sarkozy so absolut vehement drauf besteht, daß Griechenland diese Sparpolitik machen muß, und Italien. Frau Merkel und Sarkozy haben sich ja bei dem vergangenen EU-Gipfel Berlusconi vorgenommen und ihm eins verplättet, daß er diese Sparpolitik machen soll, und Berlusconi ist dann nach Rom gefahren und konnte in seinem eigenen Kabinett das nicht durchsetzen. Er kam also zu dem G20-Gipfel mit leeren Händen, hatte nichts an Ausarbeitungen, und es ist im Grunde eine Situation, wo die französischen Banken, die ganz viele italienische Staatsanleihen haben, absolut pleite gehen, wenn das Geld von Italien nicht eingetrieben wird.

Es ist ein unhaltbarer Zustand. Das Hauptproblem ist: das globale Finanzsystem - mindestens, was die transatlantische Region angeht, also die USA und die europäischen Banken - ist pleite. Wenn die gezwungen würden, ihre Bücher zu öffnen und die Bilanzen auszugleichen, ohne daß immer diese Rettungspakete von den Steuerzahlern kommen, müßten die auf der Stelle Insolvenz anmelden.

Erinnert euch, daß ja schon vor diesem Griechenland-Theater die ganze Zeit gesagt wurde, daß schon ein sogenannter „Haircut“, also eine Abschreibung der Banken von 20% oder 40% oder 50%, eine Kettenreaktion im globalen Finanzsystem auslösen würde, weil eben die Banken und der Derivatmarkt, der Credit Default Swap-Markt - das sind diese Versicherungen auf diese Kredite -, daß das alles so zusammenhinge, daß das zu einer Kernschmelze des Finanzsystems führen würde. Und jetzt ist natürlich völlig klar, 50% reichen nicht.

Hyperinflation wie 1923

Und was machen die? Geld drucken. Die EZB hat auch während der Zeit, als der G20-Gipfel stattgefunden hat, eben die Zinsen von lächerlichen 1,5%, was sowieso schon extrem niedrig ist, nochmals um ein Viertelprozent auf 1,25% reduziert, d.h., im Prinzip macht die EZB genau dasselbe wie die Federal Reserve; sie kaufen Staatsanleihen auf, sie geben Banken Kredite und nehmen toxische Papiere als Sicherheit, sie machen die Kreditzinsen so niedrig, daß damit massiv Liquidität geschöpft wird. Und das alles ist genau dasselbe, was 1923 die Reichsbank gemacht hat.

Nach dem Ersten Weltkrieg war es ja so, daß Deutschland riesengroße Schulden hatte, einerseits wegen der eigenen Kriegskosten, und natürlich auch, weil durch den Versailler Vertrag Deutschland die Reparationszahlungen an alle anderen aufgebrummt wurden. Und die Reichsbank hat dann einfach Geld gedruckt, weil die deutsche Wirtschaft viel zu klein war, um diese Mengen an Geld abzudecken. Das hat man drei Jahre lang überhaupt nicht gemerkt, bis dann im Frühjahr 1923 die Franzosen mehr Geld haben wollten. Deutschland konnte das nicht bezahlen, und dann haben die Franzosen das Rheinland besetzt, die Produktion kam zum Stillstand, denn die Bevölkerung hat passiven Widerstand geleistet, hat gestreikt, und dann ist diese enorme, angesammelte Liquiditätsblase explodiert.

Das weiß jeder aus Erzählungen von seinen Großeltern oder sonst jemand: Innerhalb von einem halben Jahr ist die Hyperinflation explodiert. Also am Anfang kostete ein Pfund Brot vielleicht eine Reichsmark, dann nach ein paar Wochen fünf, dann hundert, dann tausend, dann eine Million, eine Milliarde und zum Schluß haben die Leute im November 1923 Schubkarren gehabt und haben die Geldnoten da reingepackt, sind in einem Affenzahn zum Bäcker gerannt, weil jeden Tag um 12 Uhr der neue Geldpreis festgelegt wurde. Und wenn man dachte, man ist fünf vor 12 beim Bäcker und kriegt noch fünf Brötchen, und hatte Pech und kam eine Minute zu spät, dann hat man nur noch ein halbes Brötchen gekriegt. Das war dann irgendwann einmal so absurd- die Billionenbeträge - daß es Schluß war, man konnte gar nicht mehr so schnell Geld drucken, wie der Geldverfall stattgefunden hat.

Und das ist die Gefahr, weil diese Politik der Rettungspakete im Grunde seit dem Ausbruch der globalen Finanzkrise Ende Juli 2007 immer wieder gemacht worden ist. Die USA haben durch die verschiedenen Pakete -TALF, TARP, wie sie alle hießen - insgesamt etwa 30 Billionen Dollar Geld in das Bankensystem gepumpt, davon ist ein kleiner Teil zurückgeflossen, aber schätzungsweise mindestens 16 Billionen, das sind also 16.000 Milliarden, sind wirklich geflossen an zusätzlicher Liquidität. Und so ähnlich ist es eben auch mit der EZB.

Dieser gesamte Derivatmarkt - niemand weiß ganz genau, wieviel das ist, denn es gibt ja diesen sogenannten Over-the-counter-Bereich, also Geschäfte, die abgewickelt werden jenseits von Banken, die also von Hedgefonds, Zweckgesellschaften, Beteiligungsgesellschaften in der sogenannten Schattenwirtschaft abgewickelt werden -, dieser Bereich der Schattenwirtschaft ist größer als der Bereich, der den Zentralbanken untersteht. Die einzige Zahl, die mal von einer Quelle veröffentlicht wurde, die offensichtlich halbwegs Informationen darüber hatte, war in der französischen Zeitschrift Marianne, die haben gesagt, 1,4 Billiarden - also nochmal eine Größenordnung mehr an diesen Derivaten hängen da im System.

Zockerschulden wurden verstaatlicht

Das ist natürlich nicht aufrecht zu erhalten. Man hat ja schon in den vier Jahren seit 2007 bis heute die gesamten privaten Zockerschulden - also von Leuten die Hochrisikospekulationen machen wollten, der Ackermann verspricht immer 25%, oder sogar 75%, das sind ja astronomische „Gewinne“; niemand kann mit ehrlicher Arbeit in einem Jahr solche Gewinne erzeugen. Wenn man irgendwo in einem mittelständisches Unternehmen investiert, dann hat man, wenn man Glück hat, 7% Profit, oder vielleicht auch mal, wenn es hoch kommt, auch mal 8%, aber nicht 25% oder 75%, das ist reine Spekulation. Und in dieser Zeit, also in diesen vier Jahren, sind diese privaten Spielschulden - das ist es letztlich -, durch diese Rettungspakete in Staatsschulden verwandelt wurden.

Das taucht natürlich jetzt in den Haushalten auf, und deshalb ist das System am Ende. Die können nicht noch einmal dasselbe machen, was sie 2008 nach der Lehman-Brothers- und AIG-Pleite gemacht haben, denn dieser ganze sogenannte Instrumentenkasten, von dem die Frau Merkel immer gesprochen hat, der ist leer, die Instrumente sind stumpf, die nutzen nichts mehr. Das einzige, was die noch machen können, ist Geld drucken. Die Federal Reserve kann Geld pumpen, die reden jetzt von „quantitative easing 3“, und die EZB macht im Grunde dasselbe.

Aber das ist auch nur eine sehr kurzfristige Sache, denn wenn man sich z.B. Europa anguckt, sind alle diese Länder, die Rettungsschirme brauchen, natürlich nicht mehr in der Lage, in diesen EFSF einzuzahlen. Man kann ja nicht gleichzeitig Geld kriegen und einbezahlen. Also Griechenland bezahlt nichts mehr, Italien eigentlich nicht, Spanien nicht, Irland nicht, Portugal nicht, und Frankreich ist jetzt schon am Wackeln, die Banken sind in Gefahr, und jetzt war große Aufregung in Österreich, denn der griechische Kollaps trifft die österreichischen Banken.

Es sind ja sowieso nur noch vier Länder dagewesen, in Europa, die einen Zahlungsbilanz-Überschuß hatten: Deutschland, Holland, Finnland und Österreich. Wenn man sich aber jetzt mal anguckt - ich meine, Österreich ist klein, schön, aber klein, hat wenig Industrie, Holland ist auch nicht besonders groß, Finnland ist nicht besonders groß: Natürlich muß Deutschland den Löwenanteil bezahlen, d.h, die deutschen Steuerzahler. Jetzt fällt noch Österreich aus, weil die wegen Griechenland in die Bredouille kommen, und dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann der deutsche Michel dran ist, der bekanntermaßen seine Mütze immer fest über die Augen zieht und auch über die Ohren, um nichts von der Realität mitzukriegen, was auch der Grund ist, warum die Deutschen alles glauben, was in den Medien kommt. Während alle anderen Völker sagen: „Da steht so ein Artikel - was beabsichtigen die damit, so einen Artikel zu schreiben?“, sagt der deutsche Michel: „Nein, nein, das steht in der Bild-Zeitung und auch in der FAZ, das glaube ich jetzt!“ Auf jeden Fall wird dieser deutsche Michel dann eben der letzte sein, der alle diese Dinge bezahlen soll, und das geht natürlich nicht.

Rußland und China bauen auf

Deshalb gibt es den ganz direkten Zusammenhang zwischen dem Kollaps des Finanzsystems und der alten Idee, das Problem durch einen großen Krieg zu lösen.

Dazu muß man jetzt noch folgendes sehen, daß dieser Kollaps nicht auf der ganzen Welt stattfindet, sondern nur in den USA und in Europa, während Asien sich auf einem ganz anderen Weg befindet.

Dazu muß man noch sehen, daß die Energiewende, die Frau Merkel hier durchgezogen hat, unweigerlich zu einer Deindustrialisierung Deutschlands führen wird, weil da überhaupt keine Alternativen vorbereitet sind, weder genügend erneuerbare Energien noch Stromnetze noch Strom aus dem Ausland da ist. Dieser ganze Plan von Schellnhuber zur „Dekarbonisierung“ der Weltwirtschaft - der will ja alles abschaffen, Öl, Gas, Kohle, Kernenergie, und alles soll nur noch Wind und Solarzellen werden, im Weltmaßstab!

Nun muß man natürlich verstehen, daß es einen Zusammenhang gibt zwischen der Energieflußdichte im Produktionsprozeß, und dem industriellen Niveau und der Produktivität, die damit erreicht werden kann. Die Energieflußdichte von Wind und Sonne ist extrem gering, und wenn man das auf der ganzen Welt machen würde, würde das nur für ein Bevölkerungspotential von einer Milliarde Menschen reichen, aber nicht von sieben Milliarden.

Zum Glück sind Rußland, China, Indien, Korea und viele andere Länder auf einem klügeren Weg und setzen auf entwickelte Technologie. Rußland hat zusammen mit China umfangreiche Kooperationsverträge für den Ausbau der 4. Generation der inhärent sicheren Kernreaktoren, Kernfusion, bemannte Raumfahrt. China hat vor, in kürzester Zeit die führende Raumfahrernation der Welt zu werden. Sie wollen nicht nur zum Mond, um dort Helium3 und andere Rohstoffe systematisch zu fördern, sondern wollen bis 2030 zum Mars fahren. Rußland und China haben gerade bei der letzten Reise Putins umfangreiche Kooperation beschlossen. China will Rußland helfen, Hochgeschwindigkeitszüge und Transrapid zu bauen. Viel von der Hochtechnologie Rußlands soll in China produziert werden. China hat geringere Lohnkosten und auch sehr viel mehr Arbeitskräfte.

Südkorea z.B. hat beschlossen, bis 2020 98 Kernkraftwerke herzustellen, davon 80 für den Export und 18 für den Binnenmarkt. Kernkraftwerke gehen in den Golf, nach Bahrein und Katar. Viele Staaten haben gesagt, daß sie das kaufen wollen. Indien ist auf demselben Weg. Trotz der Wirtschaftskrise und der gravierenden wirtschaftlichen Probleme, die China hat, gibt es Wachstum von 10% - Zahlen, die in Europa in der Zeit des Wirtschaftswunders nach dem Zweiten Weltkrieg erreicht wurden.

Primitive Akkumulation

Jetzt muß man das von dem Standpunkt dessen sehen, was wir Britisches Empire nennen. Damit meinen wir nicht England, die britische, englische Bevölkerung, sondern das System, welches man Globalisierung nennt, das gesamte Konglomerat von Zentralbanken, Investmentbanken, Hedgefonds, Beteiligungs- Zweck und Versicherungsgesellschaften und Rückversicherungsgesellschaften, also der Bereich des Weltfinanzsystems, der auf rein monetaristischen Profit aus ist. Dem ist es völlig egal, ob Industrien entstehen, ob sich die Bevölkerung entwickelt, sondern die wollen hohe Profitraten haben und das spekulative System aufrecht erhalten. Das muß man sich vergegenwärtigen, daß von deren Standpunkt die Wirtschaft in Amerika und Europa einer primitiven Akkumulation zum Opfer fällt, d.h. um dieses Bankensystem aufzublähen, macht man die Industrien kaputt.

Ein Beispiel: Wenn ein multinationaler Konzern 20.000 Leute entläßt, dann steigen die Aktien. Das macht überhaupt keinen Sinn! Man würde annehmen, daß sie an Wert verlieren. Aber nein, weil dieses Unternehmen jetzt „profitabler“ geworden ist - es wurden ja Kosten gestrichen -, steigen jetzt erstmal die Aktien. Das meine ich mit primitiver Akkumulation. Man zieht Profit heraus, indem man Unternehmen pleite gehen läßt. Die ganze Privatisierung, indem man die Filetstücke verkauft und den Rest platt macht, was die Heuschrecken die ganze Zeit gemacht haben, das ist primitive Akkumulation.

Dieser Begriff kam ursprünglich von dem sowjetischen Ökonomen Preobraschenski, der das in den 1920er Jahren auf die russische Ökonomie angewandt hat. Er sagte, damit der Kommunismus aufgebaut werden kann, ist es erlaubt, primitive Akkumulation zu machen, d.h. man kann soviel Profit aus der Realwirtschaft und aus den Menschen abschöpfen, wie man will, das ist für den Aufbau des Kommunismus erlaubt. Das hat man auch gemacht, man hat alles in militärische Aufrüstung gesteckt, Spionage, in Stasi, KGB - bis sie irgendwann bankrott gegangen sind. Das war der unangenehme Nebenaspekt.

In gewisser Weise kann man dieses Denken, daß man aus realen produktiven Kapazitäten Wert abschöpft, um etwas anderes zu erreichen, wie eben die hohen Profitraten, das kann man durchaus ähnlich beschreiben.

Kriegsgefahr: Es geht nicht um den Iran

Das ist jetzt an dem Punkt gekommen, wo sie eine Art von Selbstkannibalismus gegenüber der realen Wirtschaft machen, während sie sehen, daß Rußland und China sich wunderbar entwickeln. Vom Standpunkt des Empire kann man dies nicht akzeptieren. Deshalb ist absolut klar in dieser gegenwärtigen Operation, dieser Kriegsgefahr im Nahen Osten und der Golfregion, die ich anfangs erwähnte: Es geht nicht um Syrien oder den Iran. Was wir hier sehen, ist ein Aufgebot für den 3. Weltkrieg.

Das wird auch so verstanden. So hat der russische Außenminister Lawrow deutlich gesagt, daß jegliche militärische Intervention in Syrien vom russischen Standpunkt inakzeptabel ist.

Spielen wir das Szenario einfach mal durch. Entweder macht Israel einen begrenzten Schlag gegen die Atomanlagen im Iran, dann macht der Iran einen Gegenschlag. Die iranische Regierung hat schon gesagt, daß mit apokalyptischen Konsequenzen zu rechnen sei, wenn Israel den Iran angreift. Das mindeste, was der Iran macht nach einem Gegenschlag gegen Israel, ist, amerikanische Streitkräfte anzugreifen. Israel würde nur mit Unterstützung der USA handeln. Der britische Verteidigungsminister hat große Flottenverbände offiziell zur Unterstützung des amerikanischen Angriffs auf den Iran bereitgestellt. Dies ist bereits in allen den Medien; Spiegel, Welt, dort kann man das nachlesen.

Ich glaube nicht, daß der Iran über Interkontinentalraketen verfügt, aber sie haben mit Sicherheit Mittelstreckenraketen und können Positionen der USA treffen. Z.B. in Afghanistan bieten die USA mit 100.000 Soldaten eine ziemlich große Zielscheibe, in Kuwait, im Golf. Sie könnten die NATO-Basis in Insarlik in der Türkei treffen, sie könnten die britische Basis in Diego Garcia treffen. Die USA würden natürlich im Gegenschlag noch eins drauf setzen. Und dann kommen wir ganz schnell in eine Dynamik, wo der Einsatz von Atomwaffen absolut nicht ausgeschlossen werden kann. Alle Militärexperten, zumindest von denen ich weiß, gehen davon aus, daß in so einem regionalen Krieg Atomwaffen zum Einsatz kommen. Dann geht die Sache weiter. Was machen dann Rußland, China, Pakistan? Diese sind näher an China. Pakistan ist der Feind von Indien, und beide haben Atomwaffen. Das ist der Grund, warum mein Ehemann Lyndon LaRouche gesagt hat, daß diese Region der neue Balkan für den 3.Weltkrieg ist. Dort kann ein regionaler Konflikt sehr schnell in einen globalen Krieg ausarten.

Was ist zu tun?

Mein Mann sagte sehr deutlich, die einzige Chance dies zu verhindern, ist die, ein kurzfristiges Impeachment von Obama durchzusetzen. Obama hat so viele Verfassungsbrüche gemacht, daß genügend Gründe dafür da sind. Es gibt auch vermehrt eine Diskussion von anderen Organisationen, z.B. Veteranen für den Frieden, die sagen, Obama muß impeached werden, der Professor Boyle ist bereit, jedem Kongreßabgeordneten die legale Argumentation dafür zu liefern.

Diese Sache, was ich da erzählt habe über diese israelische „Explosion“: In der Berichterstattung über den G20-Gipfel - ich habe jeden Abend die Tagesthemen geguckt - wurde das nicht berichtet.

Also, man muß sich das mal vorstellen: Die USA machen einen Kriegsaufmarsch in der Region mit einem riesengroßen Volumen, der britische Verteidigungsminister schickt die britische Flotte zur Unterstützung eines amerikanischen Angriffs auf den Iran - und die Medien berichten nichts darüber! Ich finde, das ist ungeheuerlich, das muß man sich wirklich noch mal klarmachen. Und dieses blinde Vertrauen in die Medien - die Leute sollen das wirklich mal hinterfragen, ob das inzwischen nicht wirklich eine Mediendiktatur ist.

Wir brauchen eine Antikriegsbewegung, und wir brauchen sie kurzfristig. Denn jeder weiß, so ein Aufgebot, das sitzt da nicht für Jahre, und auch nicht für Monate, sondern es wird gesagt, das Wetter wird sehr bald umkippen, das wird die ganzen militärischen Operationen in der Region schwieriger machen; also eigentlich ist es eine kurzfristige Sache. Entweder es passiert ein Schlag oder eben nicht, aber die sitzen da nicht für lange Zeit.

Parallelen zu 1914

Wenn man sich jetzt noch einmal vergegenwärtigt: Wie ist es zum Ersten Weltkrieg gekommen? Denn die Parallelen sind wirklich da, und man muß sich das vergegenwärtigen, daß die Gründe für den Ersten Weltkrieg fast genau die gleichen waren; natürlich mit anderen Prädikaten, eine andere historische Situation, aber im Grunde war es so, daß die Vorbereitung für den Ersten Weltkrieg eigentlich 30 Jahre gedauert hat.

Es wird ja immer gesagt, am Ersten Weltkrieg war der Konflikt zwischen den Nationen schuld. Das ist natürlich vollkommener Quatsch, denn die Staaten, die damals Krieg gemacht haben, das waren allesamt Imperien. Das österreichisch-ungarische Imperium, das [deutsche] Kaisertum war auch ein Imperium, das Britische Empire, das Zarentum - das waren alles volle Imperien, nicht souveräne Nationalstaaten.

Man könnte das ganz weit zurücknehmen und fragen: Wo hat die Vorbereitung zum Ersten Weltkrieg angefangen? Aber um es irgendwie in eine Form zu bringen, könnte man vielleicht anfangen mit dem Deutsch-Französischen Krieg 1870-71, in dem ja dann praktisch Elsaß-Lothringen an Deutschland gefallen ist und Bismarck praktisch die verschiedenen kleinen Fürstentümer zu einem einheitlichen Nationalstaat vereinigt hat. Frankreich hat diesen von ihm als extrem beschämend empfundenen Vertrag eigentlich nie akzeptiert. Da war schon mal eine kleine Zeitbombe, die am Ticken war. Bismarck hat das sogar noch relativ gut gemacht, denn er hätte ja auch den Krieg weitermachen können; das hat er aber nicht gemacht.

Bismarck ist überhaupt - das ist aber jetzt nicht das Thema für heute abend - eine extrem interessante Figur, weil er eben das Amerikanische Modell der Ökonomie in Deutschland eingeführt hat. Er war vorher Anhänger des Feudalsystems - freie Marktwirtschaft, Freihandel -, und ist dann im Grunde durch die Berührung mit den Ideen von Henry C. Carey von einem Anhänger des Freihandels zu einem Anhänger des Protektionismus geworden, und hat die ganze deutsche industrielle Revolution gemacht, die dazu führte, daß Deutschland innerhalb kürzester Zeit von einem Feudal- und Agrarstaat zu einer Industrienation wurde. Das spielte dann später auch noch eine Rolle.

Auf jeden Fall war dieser Bismarck ein sehr kluger Mensch, eigentlich war er auch ein bißchen Humanist, obwohl er das nicht so gerne zugegeben hat. Aber er war jemand, der das Geschäft der Diplomatie extrem gut verstanden hat. Er hat nämlich ein ganzes Geflecht von diplomatischen Verträgen gemacht - mit Österreich, mit Rumänien, mit Italien, mit Rußland -, um einfach sicherzustellen, daß die verschiedenen nationalen Konflikte nicht zu einem Krieg führen würden.

Das wichtigste war, daß er 1887 den berühmten Rückversicherungsvertrag mit Rußland abgeschlossen hat, der darin bestand, daß für den Fall, daß Frankreich noch einmal Deutschland angreift, Rußland neutral bleibt, mit anderen Worten, daß Rußland sich in dem Fall nicht mit Frankreich gegen Deutschland verbünden würde. Und das war wegen dieser kleinen Zeitbombe, wegen Elsaß-Lothringen, schon ein absolut wichtiger Punkt.

Der war ursprünglich nur für drei Jahre, also von 1887 bis 1890, geplant, und als der dann im Frühjahr 1890 verlängert werden sollte, da hat der Kaiser Bismarck quasi rausgeworfen, weil die Briten ein großes Interesse daran hatten, diesen Bismarck wegzukriegen. Denn erstens hat Bismarck die Manipulationen der Briten verstanden wie kein anderer, und er hat Deutschland zu einer starken Industrienation werden lassen, und all das war ihnen ein Dorn im Auge.

Der neue deutsche Reichskanzler, General von Caprivi, hat das überhaupt nicht eingesehen, warum er diesen Rückversicherungsvertrag behalten soll, und hat das also nicht weiter fortgeführt, und das hatte dann dramatische Folgen.

Bismarck hatte, wie gesagt, diese ganzen Verträge, und hat vor allen Dingen das Bündnis mit Rußland gemacht, quasi als Gegengewicht zu dem Bündnis zwischen Deutschland, Österreich und Italien. Und im Grunde begannen in dem Augenblick, wo der Rückversicherungsvertrag beendet wurde, sofort Geheimverhandlungen zwischen Rußland und Frankreich für ein neues Militärbündnis. Und damals war es so, daß die Militärs von allen Staaten gesagte haben: Das kommt wieder zu einem neuen Krieg, der Krieg ist unvermeidbar, und alle fingen an, aufzurüsten.

Meine These ist, daß es diese Sicht war, wo man sagt, der Krieg ist unvermeidbar, wir müssen aufrüsten - dann kriegt man den Krieg. Das ist die Logik dieser Sache, und wenn man umgekehrt sagt, wir brauchen eine andere Politik, die den Krieg vermeidet, dann kann man den Krieg vermeiden. Es gibt keine Naturgewalt oder keine Selbstautomatik in Krieg oder Frieden.

Auf jeden Fall hat dann Alexander III. - das war der Sohn von Alexander II., der ein enger Bündnispartner von Lincoln war - auch keinen Nutzen darin gesehen, diesen Rückversicherungsvertrag zu behalten, und auch die führenden russischen Militärs haben gesagt: Deutschland kann Rußland überhaupt nicht angreifen, denn in dem Augenblick, wo Deutschland gegen Rußland einen Krieg machen würde, dann würde Frankreich sofort Deutschland angreifen, und Deutschland kann sich keinen Zweifrontenkrieg erlauben, also brauchen wir uns da gar nicht darum zu kümmern.

Und das geschah, obwohl damals der deutsche Botschafter in Rußland, von Schweinitz, warnte, daß diese Verhandlungen zwischen Rußland und Frankreich begonnen haben. Auch Caprivi sagte, Rußland kümmert sich nicht um Frankreich, die wollen nur die Meeresengen, Bosporus und Dardanellen, die werden sich da nicht kümmern.

Dazu kam noch: diese ganzen Monarchen, Könige und Kaiser waren alle miteinander verwandt, die waren alle Cousins, Schwäger, also totaler Inzest, und sie haben sich auch zunehmend nicht leiden können. Der russische Zar hat eine unheimliche Abneigung gegen Kaiser Wilhelm II. entwickelt, die auch noch dadurch geschürt wurde, daß immer Hoftratsch-Seifenopern erzählt wurden. Natürlich wurde dann der Klatsch und Tratsch hintertragen, sodaß sie sich alle gegenseitig gehaßt haben.

Da gibt es z.B. Überlieferungen von dem Stellvertreter des russischen Außenministers Giers, Lambsdorff, der sagte, daß der Zar gesagt hätte, er wolle Deutschland bei der ersten Möglichkeit vernichten. Und er schrieb dann in sein Tagebuch: Was diese Zaren und Kaiser nicht berücksichtigen, ist, daß wenn es zu solchen Vernichtungen kommt, daß dann das Kaisertum verschwindet, das Zarentum verschwindet, und daß statt dessen dann republikanische, sozialistische, sozialdemokratische oder andere Regierungen erscheinen. Es gab also schon Menschen, die das gesehen haben. Dies was die Gemengelage.

Graf Wittes Alternative

Es gab aber auch durchaus eine Alternative, und zwar dadurch, daß ab 1884 in Frankreich Gabriel Hanotaux Außenminister war, und der arbeitete zusammen mit Graf Witte, der von 1892-903 in Rußland Finanzminister war. Dieser Graf Witte ist eine ganz wichtige Figur.

Der hatte nämlich die Vision, daß man die eurasischen Staaten in einen Friedensblock bringen muß und damit einen Friedensblock schaffen sollte, der Krieg unmöglich macht. Und Graf Witte war auch ein Anhänger von Friedrich List, der hatte also die Idee der Nationalökonomie, d.h. eben nicht Freihandel, sondern im Gegenteil, daß die Quelle des Reichtums darin besteht, daß man die Bevölkerung entwickelt, daß man die ausbildet, daß man die Kreativität der Bevölkerung fördert. Er war vorher auch Verkehrsminister und hat die sibirische Eisenbahnkommission gegründet. Er hat in seiner Amtszeit 22.000 km Eisenbahnen gebaut, und davon war alleine die Transsibirische Eisenbahn 8000 km lang, von Moskau bis nach Wladiwostok.

Er hatte einen engen Mitarbeiter, das war Dimitrij Iwanowitsch Mendelejew, der Erfinder des Periodensystems der chemischen Elmente, also ein Wissenschaftler, auf dem dann später Wernadskij aufbaute. Und die hatten also die Idee, Rußland zu entwickeln.

Als die Transsibirische Eisenbahn dann gebaut wurde - darüber hatten wir ja von Herrn Tscherkassow einmal auf der Berliner Konferenz einen Vortrag -, war das eine Pionierleistung, die also die großen Weiten Rußlands erschlossen hat. Als Folge davon sind dann 900.000 Menschen nach Sibirien ausgewandert, und damit wurde Sibirien zum ersten Mal erschlossen.

Und dieser Graf Witte sagte also 1892:

„Die weltweite Bedeutung der sibirischen Eisenbahn kann von niemandem mehr bestritten werden. Sie wird zuhause ebenso wie in Rußland anerkannt. Indem Europa und Asien so durch eine ununterbrochene Eisenbahn miteinander verbunden sind, wird diese Eisenbahn zu einem weltweiten Verkehrsmittel, über das der Austausch von Gütern zwischen West und Ost abgewickelt werden kann. China, Japan und Korea weisen allein eine Bevölkerung von einer halben Milliarde Menschen auf. Schon jetzt hat der Welthandel ein Volumen von mehr als 600 Mrd. Rubel, und dank dieses dampfgetriebenen Verkehrssystems können wir immer schnelleren und billigeren Austausch von Wissen und Gütern erreichen, und damit in engere Beziehungen zu Europa eintreten, das einen Markt mit einer entwickelten Manufakturkultur aufweist, und damit eine größere Nachfrage nach den Rohstoffen aus dem Osten hervorrufen. Dank der sibirischen Eisenbahn wird sich in diesen Ländern auch die Nachfrage nach europäischen Manufakturgütern und europäischem Wissen erhöhen, und es wird sich Kapital für umfangreiche Investitionsmöglichkeiten bei der Erschließung und Entwicklung der natürlichen Reichtümer der östlichen Nationen finden. Die sibirische Eisenbahn kann auch der chinesischen Tee-Industrie von großer Hilfe sein, indem sie eine dominierende Rolle spielen können. Wenn die europäischen Staaten auf ihrem gegenwärtigen Kurs fortfahren, dann riskieren sie allerdings ein großes Unglück.“

Casus Belli für das Britische Empire

Das war jetzt die Situation, daß durch diese eurasische Kooperation praktisch der Landweg ausgebaut worden wäre, und das war vom Standpunkt des Britischen Empires der absolute Casus Belli. Die Briten haben damals ja den Seehandel kontrolliert, und die haben gedacht, wenn jetzt diese Transsibirische Eisenbahn gebaut wird, wenn Europa mit Asien auf dem Landweg kooperiert, dann verlieren wir unseren Einfluß. Damals kamen diese ganzen Geopolitiker auf - Mackinder, Milner - die diese Geopolitik entwickelt haben, die besagte: Die Mächte, die die eurasische Landmasse kontrollieren, die werden den Planeten kontrollieren, und damit kommen die transatlantischen Staaten, also England und Frankreich, ins Hintertreffen und verlieren ihren Einfluß.

Das war das Denken, warum dann von Großbritannien dieser Krieg eingefädelt wurde, vor allen Dingen durch Prinzen von Wales, Edward Albert, den späteren Edward VII. Der hat in einem langen Prozeß die Entente Cordiale, die Triple Entente, manipuliert und ein Militärbündnis mit Japan gemacht. Japan hat dann mit Rückenstärkung durch Großbritannien den russischen Hafen in Port Arthur angegriffen, es kam zum Russisch-Japanischen Krieg von 1905, der elf Monate dauerte und sehr blutig war.

So wurde Stück für Stück das Schachbrett vorbereitet, so daß dann, als in Sarajewo die Schüsse fielen, das eigentlich nur noch der letzte Auslöser war, aber nicht der Kriegsgrund, sondern diese geopolitische Manipulation waren eigentlich das Schachbrett, was vorher längst vorbereitet war.

Wenn man heute die Parallelen sieht: wiederum wachsen Rußland, China, Asien; durch die Eurasische Landbrücke, die wir seit über 20 Jahren vorgeschlagen haben, wachsen Europa und Asien zusammen, jedenfalls mehr und mehr, und das ist heute der Punkt, aus dem, in gewisser Weise genau wie vor dem Ersten Weltkrieg, aus ganz ähnlichen Motiven, diese Kriegsgefahr resultiert.

Statt Weltkrieg: NAWAPA

Die Antwort muß genauso sein wie das, was Graf Witte wollte, d.h., man braucht eine Kooperation der Staaten in Eurasien für diese gemeinschaftlichen wirtschaftlichen Programme. Heute würde das bedeuten, daß man die USA, Rußland, China als einen Block zusammenbringt um diese großen Wasserprojekte in Kanada, Alaska, daß man das Wasser entlang der Rocky Mountains bis nach Mexiko bringt, daß man dieses riesengroße Infrastrukturprojekt NAWAPA - was sofort sieben Millionen Arbeitsplätze in Amerika schaffen würde -, verbindet mit dem Bau des Tunnels unter der Beringstraße, also von Alaska nach Sibirien. Das würde man dann verbinden mit einem riesengroßen Infrastrukturprogramm für den Fernen Osten von Rußland.

Putin hat auf seiner letzten Reise in den Fernen Osten gesagt, sie wollen neue Städte bauen in den Frostgebieten, wo Permafrost herrscht, wo diese ganzen seltenen Elemente aus dem Periodensystem von Mendelejew vorkommen. Die gibt es alle in Sibirien, in der arktischen Region Rußlands.

Aber man kann natürlich nicht einfach dahin gehen, denn da ist Permafrost. Wer will schon bei minus 50° C Rohstoffe ausbeuten? Man muß also überdachte Städte bauen, Kosmodrome, mit kleinen Atmosphären, also klimatische Bedingungen schaffen, unter Dach, und damit lebenswerte Bedingungen.

Das könnte dann wirklich auf die Tagesordnung kommen. Und die einzige Weise, wie wir auch den Nahen Osten und dem Mittleren Osten, die Golfregion, befrieden können, wäre, daß wir diese Eurasische Landbrücke ausbauen und Infrastruktur bauen und natürlich auch die Wüste zurückgewinnen, durch Bewässerungsanlagen, Entsalzungsanlagen.

Eigentlich ist es das, was für Palästina wichtig wäre, was für Israel wichtig wäre, für den Irak, der wieder aufgebaut werden muß, und generell - die ganze Region besteht ja eigentlich nur aus Wüste. Ich bin mal von Khartum nach Amman geflogen, das sind dreieinhalb Stunden, wo man nur über Wüste fliegt - kein grünes Blatt, keine Oase, nichts. Und da muß man natürlich neues frisches Wasser schaffen und Landwirtschaft erzeugen, Wälder aufforsten usf.

Europas Alternative

Wie gesagt, China und Rußland gehen schon in diese Richtung, und wir müssen uns in Deutschland entscheiden: Wollen wir mit der transatlantischen Region als Diktatur untergehen, wo auch Deutschland schließlich eine Bananenrepublik bleibt oder wird oder noch stärker als bisher wird - oder wollen wir uns an der Zukunft zu orientieren, mit China und Rußland bemannte Raumfahrt machen und im Grunde den Weg der nächsten Stufe der Entwicklung der Menschheit gehen?

Das ist die Alternative, und das kurzfristige Problem, das wir lösen müssen, ist: Wir müssen erst mal diese Kriegsgefahr bekämpfen, und dazu brauchen wir eine Antikriegsbewegung, die auf die Straße geht.

Das ist in gewisser Weise in Amerika schon fast der Fall, wo diese Occupy-Bewegung zwar sehr gemischt ist, aber das ist schon die größte Bewegung auf den Straßen seit den Antikriegsbewegungen zu Zeiten des Vietnamkriegs, und das ist zumindest ein Mittel. Andere Organisationen haben gesagt, die deutsche Regierung soll sich jetzt stark machen gegenüber den USA, Großbritannien und Israel, daß sie das sein lassen, aber ich denke mal, es braucht wirklich eine konzertierte Aktion, und wie gesagt, ohne daß man Obama aus dem Amt entfernt, befürchte ich, ist das Problem nicht zu stoppen.

Also das sind jetzt erst einmal meine Bemerkungen.

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