Wirtschaftsnobelpreisträger fürchten drohende Finanzkrise
23. August 2017 • 14:54 Uhr

Ein Beitrag von Alexander Hartmann, Spitzenkandidat der BüSo Hessen für die Bundestagswahlen 2017

Die Zeitung Die Welt berichtete am 21. August über das Ergebnis ihrer Umfrage unter 18 Wirtschaftsnobelpreisträgern, die sich wie jedes Jahr in Lindau am Bodensee zum „Gipfeltreffen der Ökonomenzunft“ versammelten, wie es die Zeitung nannte. Unter der Überschrift „Nobelpreisträger warnen vor nächster Finanzkrise” schreibt Die Welt, die befragten Laureaten warnten davor, daß ein sehr hohes Risiko eines neuen Finanzkrachs bestehe; dieses Risiko werde jedoch „in Zeiten des Terrors, einer möglichen nuklearen Auseinandersetzung und immer neuen Volten des amerikanischen Präsidenten“ verdrängt.

„Die klügsten Köpfe der Ökonomie“, schreibt die Zeitung, „distanzieren sich damit klar von der US-Notenbank-Präsidentin Janet Yellen“, die im Juni - in einer Erklärung, die an Neville Chamberlain gemahnte - verkündet hatte, daß es „zu unseren Lebenszeiten keine Finanzkrise mehr geben“ werde, und zitiert dazu verschiedene Teilnehmer des Treffens:
* „Es wird mit großer Sicherheit eine Finanzkrise in nicht allzu ferner Zukunft geben.“ (Edward Prescott, Nobelpreisträger 2004)

* „Wenn jetzt die US-Administration in Washington die Zügel wieder lockert, wird eine Krise wahrscheinlicher.“ (Eric Maskin, Nobelpreisträger 2007)

* Bengt Holmström, Nobelpreisträger 2016 warnt, daß schon die Denkweise der Notenbankchefin gefährlich ist: „Jedesmal, wenn wir denken, daß es schon keinen Bankrun mehr geben wird, hat sich das Risiko dafür erhöht.“

* „Wir haben gar nicht die notwendigen Instrumente, um diese Instabilitäten zu überwachen, regulieren und zu managen. Deshalb ist die nächste Finanzkrise unvermeidlich.“ (Daniel McFadden, Nobelpreisträger 2000)

„Nur einer sieht den Euro positiv“

Eng verbunden mit der drohenden Finanzkrise ist die bedrohte Zukunft des Euro. Auch hier ist die Mehrheit der versammelten Ökonomen skeptisch - eine Tatsache, die den europäischen Politikern kaum gefallen wird. „Nur einer sieht den Euro positiv“, faßt die Zeitung die Stellungnahmen der Nobelpreisträger zusammen, und zitiert:

* „Der Euro kann nur dann prosperieren, wenn die EU die Fiskalpolitik in der Euro-Zone auf eine gesündere Basis stellt und die wirtschaftliche Stagnation in jenen Mitgliedsländern bekämpft, in denen die Arbeitsproduktivität relativ schwach ist.“ (McFadden)

* „Wenn der Euro langfristig überleben soll, muß es nicht nur eine einheitlich Geldpolitik, sondern auch eine einheitliche Fiskalpolitik geben.“ (Eric Maskin)

* „Ich bin sehr pessimistisch für den Euro... Die Frage ist eigentlich nur, wie viel Schaden er dem Euro-Raum vor seinem Kollaps zufügen wird.“ (Prescott)

Die Länder in der Europäischen Union, fordert Prescott, sollten ihre Souveränität über Finanzangelegenheiten behalten, denn „die überschaubaren Vorteile einer Währungsunion lassen sich einfacher realisieren.“

* Auch die einzige positive Einschätzung der Zukunft des Euro ist nur ein bedingtes Lob: „Die Gemeinschaftswährung könnte sich gut entwickeln, vor allem, weil Amerika im globalen Währungswettbewerb durch Mißmanagement des Dollar herausstechen wird.“ (Vernon Smith, Nobelpreisträger 2002)

Keine brauchbaren Ratschläge

Auch wenn man jedoch feststellen muß, daß die versammelten Herren insgesamt zwar im großen und ganzen berechtigte Kritik äußerten, machte kein einziger von ihnen tatsächlich konstruktive Lösungsvorschläge. Insofern muß man Bundeskanzlerin Angela Merkel rechtgeben, die den Gelehrten vor der drei Jahren vorgeworfen hatte, „der Politik weltfremde Ratschläge zu erteilen“.

Das heißt jedoch nicht, daß es keine durchführbaren Ideen gibt - nur kommen sie weder von den Wirtschaftsnobelpreisträgern, noch von Frau Merkel.

Lyndon LaRouche, der erfolgreichste Prognostiker unter den heutigen Ökonomen, hat schon lange vier wesentliche Maßnahmen empfohlen, die unabdingbar sind, um der Wirtschafts- und Finanzkrise zu entkommen. In seiner Schrift „Vier neue Gesetze, um die USA zu retten: Keine Option, sondern unmittelbare Notwendigkeit“ fordert er:

1. die sofortige Wiedereinführung des unveränderten von Präsident Franklin D. Roosevelt eingeführten Glass-Steagall-Gesetzes, was die Grundsätze des Handelns angeht;
2. eine Rückkehr zu einer von oben gelenkten, präzise definierten Nationalbankpolitik;
3. ein bundesweites Kreditsystem, das dazu dient, Trends zur Verbesserung der Beschäftigung mit höherer Produktivität zu erzeugen; sowie
4. die Einleitung eines „Crashprogramms“ für die Kernfusion.

Es ist angesichts der unter den Zentralbankern üblichen monetaristischen Denkweise natürlich nicht zu vermuten, daß die Schwedische Reichsbank plötzlich auf die Idee kommen wird, Lyndon LaRouche mit dem „Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften“ auszuzeichnen. Aber LaRouche geht es bei seinen Empfehlungen auch nicht darum, den Applaus der Ökonomen, Politiker und Massenmedien zu erhalten, sondern darum, den Zusammenbruch der physischen Wirtschaft tatsächlich abzuwenden. Ein Grund mehr, auf ihn zu hören.

Siehe: https://www.welt.de/wirtschaft/article167842792/Nobelpreistraeger-warnen...