Laufende
Untersuchungen über die Umtriebe zur Zerstörung der Nationalstaaten Europas
werfen erneut ein grelles Licht auf den Präsidenten der Europäischen Kommission
seit 2004, José-Manuel Barroso, von dem der berühmte Ausspruch stammt, die EU
sei „das erste nicht-imperiale Imperium". Schon lange, bevor er diese Position
bei der EU erhielt, hat Barroso eine systematische Politik für ein
oligarchisches, nachindustrielles Europa der Regionen anstelle gewählter
souveräner Regierungen betrieben. Dies überrascht nicht, wenn man feststellt,
daß er ein Schüler des berüchtigten Denis de Rougemont ist, der auch als „Vater
des Europas der Regionen" bezeichnet wird. Barroso lobt diesen bei jeder sich
bietenden Gelegenheit.
Wer ist dieser de
Rougement, der über einen Großteil des letzten Jahrhunderts in Europa sein
Unwesen trieb? Der Schweizer de Rougemont (1906-1985) wurde in den 20er Jahren
in der sogenannten „non-konformistischen" und „personalistischen" Bewegung
aktiv, besonders in der "L'Ordre Nouveau" (L'ON, Neue Ordnung) genannten
Fraktion, die im souveränen Nationalstaat eine Struktur des Bösen sah. Im
November 1933 veröffentlichte ein sechsköpfiges Kollektiv, zu dem de Rougemont
gehörte, in der Zeitschrift von L'ON einen 30 Seiten langen „Brief an Hitler",
worin sie den Nationalsozialismus loben, weil er „den gemeinsamen
industrialistischen Irrtum der Kapitalisten des Abendlandes und der Kommunisten
der UdSSR" vermeide, kritisieren aber dann, er sei noch zu sehr dem
„Produktivismus" und dem Nationalstaat verpflichtet.
De Rougemont
akzeptierte das Angebot von Otto Abetz, der für die Beziehungen zwischen der
NSDAP und dem französischen Intellektuellen-Milieu und hielt 1935-36
Vorlesungen an der Frankfurter Universität, was er wegen zu geringer Bezahlung
aufgab. Später schloß er sich der Résistance an und ging dann in die USA.
1947 betraute
Churchill de Rougemont persönlich mit dem Vorsitz der Haager Konferenz, die von britischer Seite dazu gedacht war, den Föderalismus in Europa dominant zu machen, vor allem, um Deutschland zu
zerstückeln und de Gaulle niederzuhalten.
1950 gründete de
Rougemont, der die wesentliche Bedeutung der Kultur für die Politik durchaus
richtig verstand, in Genf das European Centre for Culture (ECC), welches „das
Dogma absoluter Souveränität der Nationalstaaten" anprangerte. De Rougemont
leitete 1950 auch die Gründung des britisch dominierten Kongresses für kulturelle Freiheit (CCF),
dessen Vorsitz er von 1952-66 innehatte, bis 1966 die New York Times die
CIA-Kontrolle des CCF enthüllte. Nach diesem Skandal
wandte sich De Rougemont den Ökologen zu und gründete 1976 zusammen mit Teddy
Goldsmith die "Umwelt"-gruppe ECOROPA.
1995 gab es eine
Gedenkveranstaltung für de Rougemont unter dem Titel „Regionalismus, Föderalismus
und Ökologismus", in deren Ehrenbeirat Daniel Cohn-Bendit und der französische
Ökologe Brice Lalonde saßen. Die Grüne Fraktion im Europaparlament gehört zur
selben Gruppe wie die Regionalisten (EFA), denen zur Zeit Eric Defoort von der
flämischen Separatistenpartei vorsteht.
Wie fügt sich Barroso
in dieses Bild? Als junger Maoist studierte er Politikwissenschaft an der
Genfer Universität und war dort von 1982-85 am Institut für Europäische Studien
Assistent von Prof. Dusan Sidjanski, dem engsten Mitarbeiter de Rougemonts. In
dieser Zeit hörten Barroso und seine Frau Margareta jeden Freitagnachmittag de
Rougemonts Vorlesungen.
Sobald Barroso
EU-Kommissionspräsident war, ernannte er Sidjanski zum Sonderberater der
Kommission, während Sidjanski Chef des von de Rougement gegründeten Centre
Européen de la Culture (CEC) blieb. Das Bild wird dadurch abgerundet, daß
Sidjanski ein Mitglied der Spiro-Latsis-Stiftung ist, die das CEC finanziert. Spiro
Latsis stammt aus einer der mächtigsten Reederei- und Bankenfamilien
Griechenlands.
Man erinnere sich, daß
Barroso und seine Frau 2004 ihren Urlaub kostenlos auf der berühmten Jacht von
Latsis verbrachten. Wenige Wochen später ermächtigte die EU-Kommission den
griechischen Staat, Latsis' Bankgeschäfte mit 10,3 Mio. Euro zu
subventionieren. Und vom jüngsten 145 Mrd.-Euro-Rettungspaket der EU für
Griechenland geht ein bedeutender Teil des Geldes an Banken, die Latsis
gehören.
Und ein solcher Mann
ist Komissionspräsident der EU?
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