Die Inflation der Nahrungsmittelpreise, die, durch Spekulationen angeheizt, derzeit schneller wächst als 1988, wird bald den Boden für eine Hyperinflation bereiten. Im Gleichschritt mit dem Weizenpreis ist der Gerstenpreis seit Mitte Juni um 130% angewachsen - von 90 Euro auf 210 Euro pro Tonne. Damit drohe eine Steigerung der Verbraucherpreise für Geflügel und andere Arten Fleisch um 15 % oder mehr, orakelte die Financial Times. Die treibende Kraft hinter diesen und anderen spektakulären Preissteigerungen für landwirtschaftliche Güter ist die massive Zunahme von Nahrungsmittel-Futures, deren Handelsvolumen mittlerweile so überhöht ist, daß für jeweils 50 Tonnen Weizen, die an den Börsen gehandelt werden, nur eine reale Tonne Weizen existiert, die konsumiert werden kann.
Die großen Gewinne machen dabei die großen, bekannten Investment-Banken: Letztes Jahr verdiente Goldman Sachs 5 Mrd. $ an Profiten alleine im Rohstoffhandel. Andere große Spieler sind unter anderen die Bank of America, Citigroup, Deutsche Bank, Morgan Stanley und J.P. Morgan.
Die Vereinten Nationen sind über diese Entwicklung besorgt, was die Nahrungsmittel- und Landwirtschafts-Organisation (FAO) veranlaßte, in einer im Juni veröffentlichten Studie festzustellen: „Infolgedessen locken diese Geschäfte Investoren an, die nicht an den Waren selbst, sondern nur an den spekulativen Profiten interessiert sind." Vertreter des Welternährungsprogramm der UNO (WFP) befürchten daher bereits das Schlimmste, berichtete Der Spiegel. „Die Situation in vielen Ländern ist jetzt bereits dramatisch", sagte Ralf Südhoff, Direktor am deutschen WFP-Büro in Berlin. Wenn diese Situation sich nicht in der nahen Zukunft ändere, könne der traurige Rekord von mehr als einer Milliarde hungernder Menschen im laufenden Jahr noch überschritten werden und wahrscheinlich auf 1,2 Milliarden oder mehr Menschen anwachsen.
Sogar einige monetaristischer Kreise der City of London zeigen „Betroffenheit": Nicht über die Inflation als solches, sondern darüber, daß eine politische Reaktion die Geld-Druckerpresse stoppen könnte. In seiner Montags-Kolumne für den Daily Telegraph zetert Ambrose Evans-Pritchard über die Möglichkeit, steigende Öl- und Nahrungsmittelpreise könnten als inflationär betrachtet werden und die Zentralbankiers - speziell der Europäischen Zentralbank - anspornen, die Zinsraten anzuheben, um die Inflation zu bekämpfen. Evans-Pritchard versichert seinen Lesern: „Machen Sie sich nichts vor: Ein Nahrungsmittel- und Ölpreis-Anstieg ist nicht und kann nicht in diesen fortgeschrittenen Volkswirtschaften inflationär sein, in denen das Kreditsystem weiterhin nicht funktioniert." Und er beharrt auf seiner Linie, die große Gefahr sei eine Deflation und die Zentralbanken müßten deshalb mehr Geld drucken.
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