Auch die Aussagen vor der britischen Chilcot-Untersuchungskommission zum Irak-Krieg unterstreichen jetzt, daß Tony Blair von Anfang an "Regimewechsel" im Irak wollte. Außerdem setzte er den Generalstaatsanwalt Lord Peter Goldsmith unter Druck, seine zuvor geäußerte kritische Ansicht über den Krieg zu ändern, so die Kommission.
Lord Turnbull, früher Kabinettssekretär in Blairs Regierung, sagte bei den Ermittlungen der Kommission, dass Blair von Anfang an Anhänger des Regimewechsels gewesen sei. Er habe dann bei der UN die Genehmigung einer Invasion beantragt - die aber nie kam. Turnbull gab laut Bericht des Guardian an, daß das einzige offizielle Urteil des Generalstaatsanwaltes Lord Goldsmith über den Krieg vom 7. März 2003 stammte. Dieses enthielt schwere Vorbehalte über die Rechtmäßigkeit einer Invasion. Aber zwischen dem 7. März und der Invasion, die zwei Wochen später stattfand, sei auf Goldsmith Druck ausgeübt worden, eine andere Einschätzung abzugeben. Dies tat er in Form einer kurzen Erklärung, die Blair als eine "faire Zusammenfassung" der früheren Entscheidung bezeichnete. Diese habe sich jedoch vollkommen vom ursprünglichen Urteil unterschieden, das dem Kabinett nie vorgelegt worden war.
Turnbull sagte aus, Blair habe bewusst Querdenker im Kabinett herausgekantet, was das Kabinett dazu "konditioniert" hätte, die Lüge zu akzeptieren, dass Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen habe. Der einzige Abweichler im ganzen Kabinett war der mittlerweile verstorbene Außenminister Robin Cook, was Turnbull als "ziemlich bemerkenswert" bezeichnete. Der Independent berichtet ferner darüber, daß das Büro des Premierministers sich geweigert hat, der Kommission die geheimen Briefe vorzulegen, die Blair 2002 an Präsident Bush sandte.
Ähnliche Vertuschungsmethoden stellte man auch in den Niederlanden fest. Vor einigen Tagen hatte die holländische Untersuchungskommission (Davids-Kommission) in ihrem Bericht zum Irakkrieg geschrieben, die holländische Regierung unter (dem damaligen und heutigen) Premier Balkenende habe wider das Völkerrecht mit der britischen und amerikanischen Regierung bei der Irakinvasion eng zusammengearbeitet. Der niederländische Regierungschef habe für seine Entscheidung, den Angriff vom März 2003 zu unterstützen, die Argumentation der Blairregierung verwandt und die Memoranden und Stellungnahmen der eigenen Regierung, die im Gegensatz dazu einen Verstoß gegen das Völkerrecht sahen, zurückwiesen. Bei der Untersuchung kam auch heraus, daß Blair Regierungschef Balkenende 2002 einen persönlichen Brief geschickt hatte, um ihn für seinen Kurs zu gewinnen, mit der Forderung, diesen nach Lektüre wieder zurückzusenden, damit er nicht in den Regierungsakten lande. Offenbar hatte Tony Blair bei seinem Vorgehen einiges zu verbergen.
Und da gibt es noch eine Menge anderer ungeklärter Fragen: wie z.B. die nach der Verantwortung für den mysteriösen Tod des britischen Waffenexperten Dr. David Kelly, der die Existenz der irakischen Massenvernichtungswaffen öffentlich abgestritten hatte.


