Das 500-Milliarden-Ding, das die Bundesregierung am 13. Oktober verkündete, ist weder eine „systemische Antwort auf die globale Krise", wie Finanzminister Steinbrück es darstellte, noch wird hier „hart zugegriffen," wie Bundeskanzlerin Merkel sagte. Die Bundesregierung hat den Überblick verloren, sonst würde ihr auffallen, daß die Riesenfinanzspritze, die ja den Bundeshaushalt und damit den Steuerzahler belastet, einen ganz zentralen Bereich der akuten Finanzzusammenbruchskrise ganz unangetastet läßt: nämlich die Derivate, das eigentlich treibende Element der Weltfinanzblase, das vom IWF selbst auf ein Volumen von etwa 1,4 Billiarden Dollar, (also 1400 Billionen!) geschätzt wird und das 30-fache des Bruttoinlandsprodukt der ganzen Welt darstellt.
Da die Banken diese gigantische Blase nicht länger am Leben erhalten können, soll jetzt der Staat, also der Steuerzahler, für die Transfusion bluten. Die Idee, dies über Notfonds zu organisieren, ist vor einigen Wochen in England, am Finanzplatz London entstanden, wo die englische Regierung bereits Finanzspritzen im Umfang von 250 Milliarden Pfund mit der Aussicht auf weitere 250 Milliarden zugesagt hat. In London liegt auch das Hauptinteresse daran, daß den Heuschreckenfonds, von denen weltweit 90 Prozent im englischen Kronterritorium Cayman Islands registriert, nicht zuleibe gerückt wird, sondern daß sie weiter ihre Spekulationsexzesse betreiben und ihre völlig irrealen Ansprüche eintreiben können. Ohne die Heuschreckenfonds wäre der Finanzplatz London schon vor Jahren ausgetrocknet. Bereits im Sommer 2005, als Merkels Amtsvorgänger Schröder im Rahmen der G7 die Hedge Fonds an die Leine nehmen wollte, war die englische Regierung völlig dagegen. Das „deutsche" Rettungspaket ist also made in Britain. Da es ohnehin nicht funktionieren und schon bald Forderungen nach Folgerettungspaketen nach sich ziehen wird, ist es wichtig für den den deutschen Steuerzahler (und Wähler), zu wissen, wem er es letztendlich verdankt, daß er für die Rettung der Heuschreckenfonds bluten soll.
Der englische Premierminister konnte sich natürlich vor lauter Genugtuung darüber, daß das Konzept Londons von den übrigen europäischen Regierungen prinzipienlos übernommen wurde, gar nicht mehr zurückhalten und verkündete am 13. Oktober in London stolz, es sei nun eine „globale Lösung für globale Probleme" gefunden worden, das Funktionieren „einer offenen (unregulierten) flexiblen freihändlerischen Globalwirtschaft" sei gesichert, und ganz wichtig sei, „daß für kommende Generationen London und Britannien der Standort für globale Finanzen bleiben." Soweit Gordon Brown.
Die Euphorie wird aber auch in London nicht allzulange anhalten, denn die Derivateblase wird schon bald in ihre nächste große Existenzkrise gehen.
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