Griechenland jüngstes Opfer der Strategie der Spannungen
9. Dezember 2008 • 07:32 Uhr

Griechenland scheint das Testfeld für eine neue Strategie der Spannungen zu sein. Chaos und Gewalt werden eingesetzt, um einen würdevollen Ausweg aus der wirtschaftlichen und politischen Krise unmöglich zu machen. Nachdem ein Polizist einen 15-jährigen Schüler am 6. Dezember erschoß, der in einer Gruppe von 30 Autonomen einen Streifenwagen attackierte, verbreiteten sich Ausschreitungen und brutale Gewalt in immer mehr griechischen Städten und drohen auch auf andere Länder
überzugreifen. In Berlin besetzten gestern 15 Autonome Teile der griechischen Botschaft.

Diese Ausschreitungen laufen nach ähnlichem Muster ab wie jene 2001 beim G-8 Gipfel in Genua. Die Netzwerke der Autonomen sind darauf aus, durch Provokationen zuerst einen Märtyrer zu bekommen, um dann im Namen
der „Solidarität mit dem Opfer" eine Welle der Gewalt loszutreten.   

Schon
am 3. Dezember war von einer Gruppe, die sich selbst die "Verschwörung der Zellen des Feuers" nennt, ein Anschlag gegen das Athener Büro der Agence
France Presse (AFP)
verübt worden. Sie selbst gaben an, dies in "Solidarität mit unseren französischen Genossen" gemacht zu haben, mit einem klaren Bezug zur "Unsichtbaren Zelle" von Julien Coupat, die im Verdacht steht, in Sabotageakten gegen den TGV in Frankreich verwickelt zu sein.

Der griechische Premierminister versuchte, die Situation zu beruhigen, in dem er versprach, daß es keine Nachsicht für den Polizisten geben würde. Gegen diesen wurde bereits Anklage erhoben. Eine Beruhigung der Lage wurde aber nicht
erreicht. Unter dem Slogan "Gegen einen Staat der mordet, laßt uns gegen
eine Diktatur der Angst demonstrieren" begann dann am Morgen des 7.
Dezembers eine Demonstration mit 5000 Teilnehmern, die von der Polytechnischen
Schule in Athen ihren Ausgang nahm, einem symbolträchtigen Ort an dem 1973 das
Militärregime eine Studentenrevolte niederschlug.

34
Personen wurden verletzt als maskierte Autonome, die Koukoulofori (Schwarzer Block),
schonungslos  Polizisten attackierten. Sie
randalierten gegen alles was ihnen in die Quere kam, plünderten Geschäfte und
beschädigten Gebäude staatlicher Institutionen.

All
dies entwickelt sich in einer hochexplosiven Situation vor dem Hintergrund der
wirtschaftlichen Zusammenbruchskrise. In Griechenland ist das Gesundheitssystem
in totalem Verfall, seit die Regierung die Einzahlungen in die staatliche
Gesundheitsversicherung stoppte. In den letzten Wochen wurde die Polizei
wiederholt bemüht, Krankenschwestern, Ärzten und andere Beschäftigten im medizinischen
Bereich den Zutritt zum Gesundheitsministerium zu verwehren, wo sie ihre
überfälligen Löhne einfordern wollten. Beobachter wiesen auch darauf hin, daß
die Ausschreitungen drei Tage vor einem Generalstreik in Gang gesetzt wurden.
Zum ersten Mal hatten sich alle griechischen Gewerkschaften entschlossen,
gemeinsam am 10. Dezember zu streiken.