Irland und der Inter-Alpha-Nexus - Zocker oder Menschen retten?
30. November 2010 • 13:23 Uhr

Das Vorgehen gegen Irland macht die globale Lage nur schlimmer und wird den hyperinflationären Kollaps des ohnehin bankrotten Weltfinanzsystems mitsamt der dominanten britisch-imperialen Inter-Alpha-Bankengruppe nur noch beschleunigen.

Beim Nottreffen des Rates der Wirtschafts- und Finanzminister (Ecofin) ging es am 28.11. eigentlich schon gar nicht mehr um Irland, sondern bereits um Portugal und Spanien. Auch wenn bisher nur die EZB und die EU-Finanzminister die Details kennen, kann man davon ausgehen, daß derzeit auf der iberischen Halbinsel ein „stiller" Run stattfindet, wie zuvor in Irland, wo Großunternehmen ihre Bankeinlagen aus den irischen Banken abgezogen hatten.  Die Schulden der irischen, portugiesischen und spanischen Banken sind, wie die des übrigen Euro-Systems, stark ineinander verflochten, und im Mittelpunkt dieses Netzes steht die Inter-Alpha-Bankengruppe.

Beginnen wir mit Irland: Die (zu 80% verstaatlichte) Royal Bank of Scotland, die zur Inter-Alpha-Gruppe gehört, hat 64 Mrd. Euro an Außenständen, von denen 10 Mrd. zweifelhaft sein sollen. In Belgien hält die Kredietbank (KBC), Mitgründerin der Inter-Alpha-Gruppe, 17,8 Mrd. Euro. In Portugal ist die Banco Santander, Inter-Alpha-Mitglied, stark engagiert. Nach Angaben eines Analysten der Bank of New York Mellon, den der Daily Telegraph am 25.11. zitierte, steht nun ein massiver Rückzug ausländischer Gelder aus dem Markt der spanischen Schulden an.

Wenn man dann noch berücksichtigt, daß die Müllanleihen, die die Banken der Inter-Alpha-Gruppe halten, bei amerikanischen Banken wie JP Morgan, Bank of America, Goldman Sachs etc. versichert sind, wird der kettenreaktionsartige Charakter dieser Operation deutlich - und, um wessen Rettung es da eigentlich geht.

In dem 85 Mrd.Euro schweren "Rettungspaket", das Irland jetzt aufgedrückt wurde, ist z.B. die Verwendung Geldern aus den Rentenkassen zur Entschädigung der Spekulanten vorgesehen. Es stellt einen Kompromiß zwischen der deutschen Regierung und der Europäischen Zentralbank (EZB) dar: der deutsche Vorschlag, in einer zukünftigen Krise der Eurozone die Schulden nach vorher vereinbarten Größen („ex-ante") umzustrukturieren, wurde fallengelassen. Stattdessen soll es den „Fall-zu-Fall"-Ansatz wie beim IWF geben. Aber das ist keine umfassende Garantie für die Mitgliedstaaten der Euro-Zone - sprich, keine ausreichende Garantie für die betroffenen Banken. Außerdem ist die Zustimmung des irischen Parlamentes sowieso zweifelhaft. Wenn es kein Chaos geben soll oder Staatsstreiche, ist die einzige Alternative das "Trennbankensystem" (Glass-Steagall), also den Müll endlich abzuschreiben!

Übrigens schreibt jetzt selbst die FT über die Probleme der Inter-Alpha-Gruppe, so im gestrigen Financial Times blog FTalphaville.com Joseph Cotteril in einem ausführlichen Beitrag: "Inter Alpha ist ein bizarrer Nexus von allem - und wir meinen, alles, was im europäischen Bankenwesen 2005-2010 schief lief, von subprimes bis Staatspapieren." Könnte es sein, daß selbst manche Leute in London kalte Füße bekommen?