Das „LTCM“ Risiko bei Cerberus’ Chrysler-Übernahme
19. Mai 2007 • 07:58 Uhr

Kann der Ramschanleihenmarkt Cerberus' 30 Mio. $ Wette schlucken?

18. Mai (EIRNS) - Daß die Übernahme von Chrysler durch Cerberus Capital Management und fünf der weltgrößten Banken insgesamt ein Spiel mit rund 50 Mrd. $ Gewinn für Chrysler Financial Services ist, ist Analysten der Übernahme und selbst qualifizierten „Insidern" wie dem ehem. Chrysler-Vorstandsvorsitzenden Lee Iacocca kaum bekannt. Nur wenige Milliarden Dollar, werden in Chryslers autoindustriellen Betrieb investiert, der von internationalen Märkten jetzt, nach all der Deindustrialisierung und Globalisierung, als wertlos angesehen wird. Doch die Übernahme und Reorganisation von Chrysler Financial wird einen derartig großen Umfang an neuen Schuldenwertpapieren in die Ramschanleihenmärkte blasen, daß sie dadurch explodieren könnten.
Am 17. Mai erklärten Analysten von Lehman Brothers, Cerberus werde gerade mal 2,2 Mrd. $ für Chryslers Automobilproduktion und satte 5,2 Mrd. $ als regelrechten Kaufpreis für Chrysler Financial hinlegen. Mit einer derart kleinen Investition träumen die Haie bei Cerberus davon, daß sie in den kommenden 2 bis 3 Jahren im Autosektor einen dicken Gewinn machen können, um die Sparte dann an chinesische oder indische Automobilhersteller zu verkaufen, sollten die Einbrüche bei Autoverkäufen nachlassen und sollte es ihnen gelingen, die Verbindlichkeiten von annähernd 20 Mrd. $ bei den Krankenversicherungen von Arbeitern und Pensionären „auszuräumen". Laut Business Week vom 17. Mai und anderen Quellen besteht die Absicht, die gesamte Krankenversorgung des Chrysler-Industriezweiges auf die Autoarbeitergewerkschaft UAW abzuwälzen, die sie dann selbst wie einen riesigen 401k-Pensionsplan behandeln würde. Chrysler, Ford und GM (General Motors) würden die Pensionsansprüche mit einer dicken „Mitgift" an die UAW übergeben, die allerdings gerade 60-70% der Verbindlichkeiten abdecken würde. Man nennt das mittlerweile die „Goodyear Lösung", weil die Firma Goodyear gerade die Stahlarbeitergewerkschaft United Steelworkers dazu gebracht hat, genau diesem Plan zu folgen.
Bei diesem Vorgang könnte Cerberus bis zu 10-12 Mrd. $ an Ramschanleihen aufnehmen.
Für Cerberus' Bankiers - JP Morgan Chase, Bear Sterns, Morgan Stanley, Goldman Sachs und Citigroup - ist das jedoch Kleinkram. Wall Street Journal berichtet, daß sie bereit seien, etwa 50 Mrd. $ an Ramschanleihen und Anleihen, die durch Chrysler Financials Pool von Autokrediten gesichert sind, von Cerberus zu kaufen und dann weiter zu verkaufen. Daimler ist ebenfalls an diesen komplizierten Transaktionen beteiligt und versucht damit, Chrysler Financials gesamte Anlagen zu refinanzieren, um dann vermutlich eine höhere Bewertung für die Operationen in allen Bereichen von Finanzgeschäften, niedrigere Kreditzinsen für Autokredite und damit höhere Autopreise und Profite zu erreichen, glaubt Rick Wagoner, der Vorstandsvorsitzende von GM. Bei einer Pressekonferenz am 18. Mai sprach er bereits davon, die Schuldenoperationen von Chrysler Financial und GMAC zu kombinieren. Cerberus besitzt 51% von GMAC.
Kann man aber, während der Immobilienmarkt und der Handel mit hypothekengedeckten Wertpapieren bereits einbrechen, Cerberus und seinen Bankiers zutrauen, 30 Mrd. $ an reinen Ramschanleihen und 20 Mrd. $ in Wertpapieranlagen aufrechtzuerhalten? Und das in einem Markt, dessen Gesamtumfang für das Jahr 2006 bei 80 Mrd. $ lag? Erinnert sich noch jemand an LTCM?