Madoff-Debakel lässt Vertrauen kollabieren
16. Dezember 2008 • 20:14 Uhr

Nachdem das 50 Milliarden Schneeballsystem von Ex-Nasdaq-Chef Bernard Madoff aufgeflogen ist, geht die Angst um. Die veröffentlichten Listen der Geschädigten werden immer länger. Allein europäische Banken haben mindestens 8 Milliarden $ verloren. Darunter sind laut dem britischen Telegraph der Versicherer Axa, die spanische Banco Santander, die französische BNP Paribas, HSBC, Royal Bank of Scotland und viele mehr.

Die italienische Tageszeitung Corriere della Sera veröffentlichte am 16.12. einen Artikel unter dem Titel "Santander zittert vor Madoff-Zyklon". Die Zeitung La Repubblica verglich das Verhalten der Investoren mit "Ameisen, die aus ihrem brennenden Bau flüchten", weil jeder versuche, sein Geld zurückzubekommen. Der Redakteur der italienischen Wirtschaftszeitung Libero Mercato, Oscar Giannino, der im übrigen die deutsche Position gegenüber Großbritannien unterstützt, schrieb: "Der Madoff-Fall rüttelt an den Grundfesten... derer, die immer noch behaupten, dass Hedge Fonds vor der Krise geschützt seien, oder gar die am wenigsten Verantwortlichen wären... Mit wieviel finanziellem Giftmüll und Kapitalvernichtung wir es zu tun haben, wird sich angesichts der unmittelbar bevorstehenden Riesenwelle von Finanzabflüssen (deleveraging) und Kapitalvernichtung, die auf uns zukommt, erst noch zeigen."

Fazit: Noch ist Zeit, das Finanzsystem geordnet zu reorganisieren. Wenn es aber erstmal offensichtlich ist, dass das gesamte Finanzsystem auf einem Schnellballsystem a la Medoff beruht, kann es zu spät sein.