Tremonti: Banken „handeln wie Feudalherren"
11. September 2009 • 10:34 Uhr

Nach den Gemeinschaftsritualen des G20-Gipfeltreffens in London drückte der italienische Finanzminister Giulio Tremonti seinen Abscheu über die Dominanz des Bankerwahnsinns auf dem Treffen aus. Bei einem Workshop im italienischen Bellagio am 6. September sagte er gegenüber Journalisten: „Es sollte nicht möglich sein, dass Banken über Regierungen und Politik herrschen." „Banken sind nicht nur Dienstleister für ihre Anteilseigner; es handelt sich nicht um eine Industrie, die Schuhe produziert oder Badewannen, aber trotzdem haben sie eine öffentliche Funktion. Es macht keinen Sinn, daß sie größer sind als Regierungen. Sie kümmern sich nur um ihre Belange und nicht um die globalen Fragen."

Die Summe des Geldes, das von seiten der Europäer für das Bankensystem bereitgestellt wurde, beliefe sich auf unglaubliche 5 Billionen Euro, wovon 1,5 Billionen auf Verstaatlichungen zurückgehen. "Diese Zahl stimmt mit der aller Privatisierungen der letzten 15 Jahren überein." Anstatt das Geld zu nutzen, um Kredite für die Industrie bereitzustellen „sehen wir eine gegenteilige Tendenz aller europäischen Banken, die sich lieber mit dem ,carry trade‘ beschäftigen, d.h. lieber Geld zu günstigen Konditionen in hochverzinsliche Transaktionen investieren."

Tremonti zeigte auf, dass, wenn der Staat Kapital für wirkliche Investitionen zur Verfügung stellt, die Banken dies ablehnten. Im Fall der italienischen Banken bot die Regierung 10 Milliarden in Form von Anleihen, mit denen die Banken zehn mal mehr in Form von Krediten an die Industrie hätten ausgeben könnten. Sie verweigerten sich und damit, so Tremonti, verhielten sie sich „gegen die Interessen des Landes". Sie benehmen sich „wie Feudalherren, die ihre Brücken sperren."