Im Rahmen ihrer laufenden Warnstreikwelle durch die Bundesländer setzte die Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes ver.di gestern einen besonderen Schwerpunkt im Osten Deutschlands, wo etwa 35 000 Gewerkschafter, überwiegend Lehrer, protestierend auf die Straße gingen. In Dresden unterstützen auch viele Polizisten die Lehrer, 17 000 waren es allein dort; 10 000 in Potsdam, weitere 4000 in Schwerin, die übrigens nicht nur Lohnerhöhungen einforderten, sondern auch das Ende des Politiker-Desinteresses an der Zukunft der Jugend. Während die Lehrer sich bemühen, ihren Schülern eine solide Bildung mit auf den weiteren Lebensweg mitzugeben, finden viele der Schulabgänger gar keinen Ausbildungsplatz, und diejenigen, die einen finden, müssen oft erleben, daß sie nach Abschluß ihrer Ausbildungszeit keinen festen Arbeitsplatz oder nur Mini- und Probejobs bekommen.
Die Antwort der Politik auf diese nur allzu berechtigten Forderungen ist arrogant und ganz auf der Linie der entsprechenden Empfehlungen von der EU-Kommission und der EZB: Lohnerhöhungen im öffentlichen Dienst gefährden angeblich den "Aufschwung". So etwa lautete auch die Botschaft des sächsischen Finanzministers Unland an die 17 000 Protestierenden von Dresden. Die Menschen aber hörten seinen Worten nicht mehr zu, kehrten ihm allesamt demonstrativ den Rücken zu und erinnerten ihn an die Milliarden an Staatsgeldern, die in die herunterspekulierte Sachsen LB gestopft wurden, während die Landesregierung nicht einmal relativ geringe Summen an Gehaltsaufbesserungen für Lehrer zahlen wollen! Den BüSo-Aktivisten wurden die Flugblätter Ägypten ist überall! Preiskontrollen für Nahrungsmittel und Trennbankensystem - ehe es zu spät ist! förmlich aus der Hand gerissen.Â
Die Vorgänge von Dresden zeigen einmal mehr, wie schon die Haltung großer Teile der bundesdeutschen Bevölkerung in der Frage des Biobenzins E-10, daß massenstreikartige Protestbewegungen sich nun auch in Deutschland entwickeln - wie schon in den USA, von Wisconsin ausgehend. Ein Zeichen der geänderten Zeiten ist auch, daß die öffentliche Dienstleistungsgewerkschaft ver.di auf einer für den 12. März in Berlin angesetzten Großkundgebung prominent ihre Solidarität mit Wisconsins Lehrern und übrigen Angestellten des öffentlichen Dienstes zeigen wird.
Sehen Sie hier das Video mit Karsten Werner (aus Dresden: "Lehrer und Polizei schließen sich dem Massenstreik an")
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