Was haben der deutsche Atomausstieg und die Fünfjahrespläne der DDR gemeinsam?
15. Juli 2011 •

Auf einer Konferenz der Bürgerrechtsbewegung Solidarität am 7. Juni 2011 in Dresden sprach der Diplomphysiker Veit Ringel, ehemaliger Mitarbeiter des Zentralinstituts für Kernforschung Rossendorf der Akademie der Wissenschaften der DDR, über die Verteufelung der Kernkraft und deren Folgen. Der Beitrag wurde vom Autor für den Abdruck überarbeitet.

„Der Atomausstieg ist wie früher der Fünfjahrplan"

Von Dipl.-Phys.Veit Ringel

Zwei Dinge treffen gerade aufeinander: einerseits die Anti-Atom-Bewegung und andererseits die Krise des Finanzsystems. Zu der einen Seite habe ich eine Beziehung, weil ich beruflich mit der Kernphysik bzw. der Kerntechnik befaßt war und seit vielen Jahren die öffentliche Kritik gegen die friedliche Nutzung der Kernenergie aufmerksam beobachtet habe. Zu Fragen der Entwicklung im internationalen Finanzsystem1 hingegen fehlt mir weitgehend ein fundierter Sachverstand, so daß ich mich zu dieser Problematik hier nicht äußern werde. Andernfalls würde ich mit Halbwissen genauso reden wie die Grünen zu Fragen der Kernenergie, und in dieses Fach möchte ich nicht einsortiert werden. Aber das nur als Vorbemerkung.

Die Entwicklung der Antikernenergiebewegung von den Anfängen bis zu ihrem gegenwärtigen Erfolg in Deutschland bedarf noch einer dezidierten Analyse. Hier kann jetzt nur festgestellt werden, daß seit langem gewisse Kräfte die in der Öffentlichkeit vorhandenen Ängste vor den Risiken beim Umgang mit ionisierender Strahlung geschickt für eine Art „social engineering" nutzen. Ziel ist es dabei, die in der Welt mit der friedlichen Nutzung der Kernenergie bisher erreichten ökonomischen und ökologischen Vorteile herunterzuspielen und die Beherrschbarkeit der Risiken mit meist unwissenschaftlichen Argumenten generell in Frage zu stellen.

Sachliche Argumente, wie sie schon 1999 fast 600 Professoren aus vielen Hochschulen und Universitäten Deutschlands in einem Memorandum gegen einen voreiligen Ausstieg aus der Kernenergie zusammenstellten, wurden nicht zur Kenntnis genommen. Zu den Professoren, die sich diesem Memorandum anschlossen, zählten u.a. auch bekannte Persönlichkeiten der TU Dresden und der Hochschule Zittau/Görlitz. Sie alle, wie die in der Anzahl noch weitaus stärker vertretenen Fachleute und Spezialisten, die allesamt auf kerntechnischem Gebiet arbeiteten und die Aussagen des Memorandums unterstützten, wurden allesamt mit Mißachtung abgestraft. Immer wieder nahmen Vertreter einer grünen Ökobewegung Einfluß auf die öffentliche Meinung und versuchten mit Ängsten und Emotionen Barrieren gegen alles, was mit Kerntechnik zu tun hatte, aufzubauen.

Und dabei ist die grüne Bewegung nicht einmal von großer Sachkunde getrübt, aber das stört diese Leute nicht. Allein schon die Begriffe, mit denen argumentiert wird, sind geradezu lächerlich. Da heißt es immer: „Atomkraft, nein danke!" Atomkraft - mit dem Begriff kann man allein wenig anfangen.

Das einzige, womit ich persönlich noch etwas anfangen könnte, ist, daß Atomreaktoren unter Umständen tatsächlich sehr gefährlich sind. Da stimme ich durchaus zu, denn schon meine Großmutter hatte immer gesagt: „Wenn du Kohlen und Holz in den Ofen gelegt hast und dann den Kohlenanzünder ansteckst, dann darfst du die Ofentüre nicht schließen!" Dann reagieren nämlich die Kohlenstoffatome von Holz und Kohle mit den Sauerstoffatomen der Luft, es bildet sich CO2 und es entsteht Wärme und man fühlt sich im Zimmer wohl. Schließt man jedoch die Ofentüre vorzeitig, dann gibt es keine vollständige Oxidation, und es entsteht Kohlenmonoxid. Kohlenmonoxid kann man weder sehen noch hören oder riechen und das ist sehr gefährlich. Schläft man dann ein, so kann es passieren, daß man am nächsten Morgen tot ist. Deswegen ist so ein Atomreaktor tatsächlich eine sehr gefährliche Sache.

Das aber haben die Grünen gar nicht im Sinn, sie wissen nur nicht mit den Begriffen richtig umzugehen. Sie meinen natürlich den Kernreaktor. Dort geht es aber bei der Kernspaltung um Reaktionen der Atomkerne, und die sind zehntausendmal kleiner als ein Atom. Um die Reaktionen zu verstehen, müßten sie sich etwas mehr Sachkunde aneignen. Daran scheint es allerdings an allen Ecken und Enden zu fehlen. Da wird mit den tollsten Begriffen um sich geworfen: Es werden Menschen „verstrahlt", und es wird Wasser „verstrahlt". Völliger Schwachsinn passiert da. Überall in den Medien werden solche Dinge multipliziert und verbreitet, so daß tatsächlich bei denjenigen, die das nicht anders wissen können, Unsicherheit hervorgerufen wird und Sorge entsteht.

Aber es ist einfach nicht hinzunehmen, wenn Unklarheiten systematisch verbreitet werden! Man „verstrahlt" niemanden, man kann höchstens jemanden einer Strahlung aussetzen oder exponieren, sei dies nun die Gammastrahlung einer radioaktiven Quelle oder auch nur die Sonnenstrahlung. Ebenso wenig kann man Wasser „verstrahlen". Gemeint ist, daß das Wasser möglicherweise kontaminiert sein kann, d.h. durch radioaktive Stoffe verschmutzt ist. Bei all diesem Sprachgebrauch in der Öffentlichkeit geht es immer darum, Ereignisse, die im Zusammenhang mit Vorgängen der Kerntechnik stehen, möglichst dramatisch darzustellen.

Und offensichtlich funktioniert das auch ganz wunschgemäß. Da bekommen Leute fast schon eine Gänsehaut vor Angst, wenn sie sehen, wie ein kleiner Junge in Fukushima mit einem Strahlungsdetektor abgetastet wird, um nachzuweisen, daß er frei von radioaktiven Verschmutzungen ist. Andernfalls wäre eine Säuberung (Waschen) erforderlich. Diese Bilder bringt man in Großaufnahme im Fernsehen.

Indem ich dieses Beispiel anführe, will ich natürlich nicht die Dramatik herunterspielen, die daraus resultiert, daß infolge der katastrophalen Störfälle an den japanischen Reaktoren überhaupt Kontaminationskontrollen an Privatpersonen notwendig wurden. Aber angesichts der Tatsache, daß durch den Tsunami zur gleichen Zeit an gleicher Stelle mehr als 15.000 Tote zu beklagen waren, sollte man sich doch eine den Relationen besser angepaßte Berichterstattung wünschen. Es muß nicht immer das gleiche grüne Klischee bedient werden!

Ich bin in letzter Zeit wiederholt in England gewesen. Unter anderen habe ich mir im äußersten Südosten in Kent einen Offshore-Windpark an der Küste von Ramsgate angesehen. Als ich mich in einem Touristenzentrum nach der Leistung dieser Windkraftanlagen informieren wollte, erhielt ich als Antwort, daß man das auch nicht so genau wüßte, daß man aber über diese Windräder gar nicht sehr begeistert sei, denn erstens könnten die nur für 20 Jahre im Meerwasser verbleiben und müßten dann wieder abgebaut werden, und außerdem seien sie ja viel zu teuer. „All das kostet unheimlich viel Geld. Wir hätten lieber ein Kernkraftwerk hier!" Da kann ich nur sagen: Du meine Güte noch einmal! Das müßte uns mal in Deutschland passieren, daß einem die Leute auf der Straße sagen: „Wir hätten lieber ein Kernraftwerk hier!"

Früher hat man über Deutschland gesagt: „Deutsche Wertarbeit - made in Germany": toll! Aber jetzt - auch das habe ich in England erfahren - kursiert da noch ein ganz anderer Begriff im Zusammenhang mit Deutschland. Es ist der Begriff „The German Angst". Und man versucht damit, die deutsche Sonderrolle zu charakterisieren, mit der sich unsere Haltung zur Weiterentwicklung einer neuen Generation von Kernkraftwerken, der nunmehr IV. Generation von KKWs, darstellt. Bisher war international das deutsche Fachwissen auf diesem Gebiet sehr gefragt. Doch das wird bald Vergangenheit sein! Ein jeder weiß schließlich: Kein Mensch kauft sich ein Paar Schuhe bei einem Verkäufer, der selbst barfuß läuft. Da fragt man sich doch, wie weit ist es eigentlich schon gekommen?

Deutsche Kerntechnik ist Weltmeister

Doch wenden wir uns noch einmal den 17 deutschen Kernkraftwerken zu. Noch befinden sie sich infolge der extremen Sicherheitsanforderungen und der Kontrollen, die jährlich im Rahmen der Revisionsarbeiten umgesetzt werden, in einem Zustand, der international einen Spitzenplatz darstellt. Unter den etwa 440 Kernkraftwerken der Welt befinden sich unsere 17 KKWs seit 1980 Jahr für Jahr bezüglich Effektivität und Zuverlässigkeit immer unter den 10 besten. Mal nahmen sie 4, manchmal 6 Plätze unter den ersten 10 ein, und manchmal stellten sie auch den absolut ersten Platz.

Wie aber wird das in der Öffentlichkeit wahrgenommen? Wenn in Deutschland die Fußballmannschaft Weltmeister wird, oder wenn der Vettel wieder als bester seine Runden zieht, da kennt die Euphorie keine Grenzen. Wenn aber die deutsche Kerntechnik immer Spitzenleistungen im internationalen Vergleich erbringt, dann nimmt das überhaupt keiner wahr.

Und dennoch sind dies Ergebnisse nicht vom Himmel gefallen, sondern stellen echte Leistungen dar. Darüber aber wird in den Medien nicht berichtet, die deutsche Öffentlichkeit erfährt das nicht. International allerdings genoß die deutsche Kerntechnik durchaus ein hohes Ansehen. Ursache dafür waren unter anderem die strikte Umsetzung der Regeln der Qualitätssicherung, sowie die Verwirklichung solcher Begriffe wie Sicherheitskultur und Qualitätsmanagement. Nun schaut wieder die Welt auf uns und versteht nicht, was mit uns los ist. Spitzenleistungen zählen nichts mehr, der Industriestandort schädigt sich selbst. Es kommt zum Verlust an internationaler Reputation.

Der Ausstieg aus der friedlichen Nutzung der Kernenergie ist, solange der Stand von Wissenschaft und Technik auf dem Gebiet der regenerativen Energien (z.B. beim Entwicklungsstand von neuen Speichertechnologien) noch keinen ökonomisch akzeptablen Stand erreicht hat, eine sehr zweifelhafte Option. Sie führt zu einem unverantwortlichen Ressourcenverbrauch und geht einher mit nicht zu rechtfertigenden hohen Strompreisen. Und sie führt zum Verlust von wertvollem Fachwissen.

Zum anderen steht der Ausstieg auch im Widerspruch zum deutschen Atomrecht. Bereits der Beschluß zur zunächst dreimonatigen Abschaltung der sieben Kernkraftwerke war gesetzlich nicht abgedeckt. Die Begründung der Abschaltung und der dafür herangezogene Paragraph des Atomgesetzes waren dafür völlig unzureichend. Damit waren schon die von der Regierung eingeleiteten ersten Maßnahmen dilettantisch und eigentlich für das Umweltministerium blamabel. Da sich allerdings die Energieunternehmen widerstandslos fügten, blieb dieser Fauxpas ohne Folgen.

Nun aber will man sich durch die Verabschiedung einer weiteren Novelle des Atomgesetzes den Weg frei machen für den endgültigen Ausstieg. Doch wie ist es dazu gekommen? Bereits im Jahr 2001 wurde von der damaligen rot-grünen Regierung ein sog. Atomausstieg festgelegt und ausgehandelt. Die Energieunternehmen hatten für alle deutschen Kernkraftwerke spezifische Reststrommengen akzeptiert. Damit war der Zeitpunkt, zu dem jedes Kraftwerk vom Netz gehen sollte, jeweils von der Art der Betriebsführung abhängig.

Im Jahre 2010 erhöhte dann die inzwischen schwarz-gelbe Regierung die Reststrommengen so, daß sich daraus die Betriebszeiten für die KKWs um entweder 8 oder 14 Jahre verlängerten. Jetzt nunmehr, nachdem in Japan ein Tsunami einen katastrophalen Reaktorunfall mit schweren Zerstörungen an mehreren Reaktoren ausgelöst hatte, wobei die eigentliche Ursache - wie wir inzwischen wissen - in einem Auslegungsfehler2 der alten Reaktoren lag, beschloß plötzlich die gleiche Regierung eine völlige Kehrtwende, setzte die Verlängerung der Betriebszeiten für drei Monate aus und ließ die ältesten sieben Kernkraftwerke für diese Zeit zunächst abschalten.

Gleichzeitig wurden zwei Kommissionen beauftragt, um durch sie eine möglichst öffentlichkeitswirksame Begründung für ein Abschalten von Kernreaktoren auf einfachem Wege zu erhalten. Von der ersten, der sog. Ethikkommission, wurden zwar eine ganze Menge guter Gedanken zusammengestellt, zur eigentlichen Lösung hat sie jedoch relativ wenig beigetragen. Und die zweite Kommission, deren Aufgabe bestand darin, eine Art Streßtest bei allen deutschen KKWs durchzuführen, d.h. zu prüfen, ob die Anlagen auch in der Lage wären, äußeren Einflüssen zu widerstehen, die in ihrer Stärke die in den Auslegungsunterlagen ursprünglich zugrunde gelegten Werte für angenommene Erdbeben oder Überflutungen noch übersteigen. Das Untersuchungsergebnis dieser Kommission erbrachte für alle deutschen KKW einen guten Robustheitsnachweis, indem sie nämlich zeigte, daß alle 17 Kernkraftwerke selbst gegen erhöhte Anforderungen von außen sicher ausgelegt waren. Einziges Defizit in einzelnen Fällen war die Widerstandsfähigkeit gegen einen gezielt geführten Flugzeugabsturz.

Mit dem Nachweis der Robustheit aber war das Ergebnis eine Enttäuschung, denn sie brachte der nunmehr gewendeten Regierung keine Handlungsgrundlage für einen Ausstiegsbeschluß. Ergebnis? Trotz der Kommissionsaussagen mußte nun plötzlich ein Ausstiegsbeschluß her! Die schwarz-gelbe Koalition nannte dafür einfach das Jahr 2022. Doch da meldeten sich die Grünen und schlugen das Jahr 2017 vor. Kurz darauf hatte sich Frau Merkel wieder alles anders überlegt und sagte: „Dann mache ich das eben einzeln; wir legen ganz genau für jedes der 17 KKWs einen Termin fest, an dem es endgültig vom Netz abzuschalten ist!" Und so soll es nach dem letzten Stand in einem neuen Gesetz festgeschrieben werden.

Insgesamt erweist sich jetzt auf diese Weise, daß das über Jahre hinweg systematisch in der Öffentlichkeit betriebene „social engineering" seine Früchte getragen hat. Die Auswirkungen sind besonders augenscheinlich in der gesamten Parteienlandschaft zu spüren. Jede Partei wetteifert jetzt um den Titel: Wer ist am grünsten? Wer steigt am schnellsten aus der Kerntechnik aus? Und wieder sehen wir uns da an den englischen Begriff „The German Angst" erinnert. Nur diesmal ist es eine andere Art von Angst. Es ist die Angst vor dem Wahljahr 2013.

Das ganze aber hat mit einer verantwortungsgerechten Planung der sicheren Energiebereitstellung für ein Industrieland wie Deutschland nichts mehr zu tun! Es ist einfach absoluter Schwachsinn! Das ist Augenwischerei. Das kann man so nicht machen! Man kann nicht innerhalb einer Woche von einer Vorstellung zu einer ganz anderen Vorstellung wechseln. Und schon gar nicht bei einem solchen Thema, von dem die Zukunft unseres Landes abhängt! Leute, die sich mit solchen Fragen befassen, wissen das!

Ich habe, bevor ich hierher kam, um diese Gedanken darzulegen, ein wenig im Internet nachgeschaut. Insbesondere in den Leserzuschriften zu einem Artikel der FAZ-online, in dem über diese Art von Ausstieg und Energiewende berichtet wurde. Hier konnte man erkennen, daß ein allgemeines großes Entsetzen herrschte. Kritisiert wurde das Fehlen einer klaren Linie für die Entscheidung. Manche sagten, sie wüßten nun gar nicht mehr, welche Partei sie wählen sollten. So schrieb ein FAZ-Leser: Wenn ihr zur Wahl geht, dann streicht am besten alle Parteien durch, aber geht hin und zeigt, daß ihr gegen alle Parteien seid! Das ist nun die Endkonsequenz. Keiner ist mehr richtig informiert.

Einstieg in die neue Zeit der regenerativen Energien - ja, aber doch mit konkreten und vor allem realisierbaren Plänen. Ich komme aus einer Generation, die bereits ähnliches erlebt hat. Ich erinnere mich noch genau, wie das Zentralkomitee der SED in der DDR die Fünfjahrpläne festgelegt hat. Da wurde bestimmt, was erreicht werden sollte. Und dann, kurz vor Ende des Planes wurde ein bißchen an den Zielen geändert - und schon war der Plan 100prozentig erfüllt!

Absolut das gleiche Verfahren scheinen wir jetzt zu haben. Daß ausgerechnet unsere heutige Regierung die Methoden der DDR nachempfindet, das ist schon eine Leistung!

Schauen wir uns doch den Ausstiegsbeschluß noch einmal etwas näher an. Ich hatte schon am 5. April d.J. dem Spiegel einen kurzen Beitrag geschickt, der leider nicht veröffentlicht wurde. Die Überschrift lautete: „Ein deutsches Milchmädchen schickt seine Rechnung an die neue deutsche Wirtschaftselite". Darin habe ich das Milchmädchen mal ausrechnen lassen, welche Anzahl von Windkraftanlagen erforderlich wären bzw. welche Flächen für Photovoltaikanlagen benötigen würden, um die 21.517 MW Leistung unserer 17 deutschen Kernkraftanlagen ersetzen zu können.

Natürlich sind Milchmädchenrechnungen immer fehlerhaft, aber sie vermitteln doch eine Vorstellung über die Anforderungen, die sich aus dem Beschluß zum Ausstieg aus der friedlichen Nutzung der Kernenergie ableiten. Im Jahr 2010 betrug der Anteil der Kernenergie an der Brutto-Stromerzeugung in Deutschland 22,6%. Die erneuerbaren Energien trugen 16,5% bei, darunter die Windkraft 5,9% und die Photovoltaik 1,9%.

Betrachtet man aber den Beitrag, den die Kernenergie zur Gewährleistung einer Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit im Sinne einer Grundlaststromversorgung leistet, so betrug dieser im Jahr 2010 46%! Den Rest zur Grundlastversorgung lieferten die Braunkohle zu 48% und das Laufwasser zu 6%.

Nun also sind die Anteile der Stromversorgung, die bislang durch die Kernenergie abgedeckt wurden, durch regenerative Energien zu ersetzen, und das möglichst in der gestaffelten Portionisierung, die durch die ganz detaillierten Abschaltzeiten der einzelnen KKWs im Zeitraum von 2012 bis 2022 vorgegeben sind. Ganz entsprechend dem gestern angenommenen Kabinettsbeschluß! 21.517 MW, ein wahrhaft ehrgeiziges Planziel! Natürlich repräsentiert die Zahl nur die Leistungsfähigkeit unserer Anlagen, mit denen wir unsere Wirtschaft immer gut abfedern konnten. Und schließlich soll durch Sparmaßnahmen der Bedarf reduziert werden. Offen scheint die Frage, um wieviel Prozent das möglich sein wird.

Zu bedenken ist weiter, daß die KKW-Leistung im Jahr etwa für 8000 Stunden zur Verfügung steht (die Restzeit dient der jährlichen Revision). Photovoltaikanlagen z.B. erbringen bei einem guten Sonnenjahr bestenfalls für 1000 Stunden die Nennleistung, das heißt, um gleich zu ziehen, ist etwa das Achtfache an Photovoltaikanlagen zu installieren. Dieser so erwirtschaftete Strom ist dann allerdings in Speicher zu überführen, von denen der Strom bedarfsgerecht abgefordert werden kann - Speicher, für die z.Z. noch nicht einmal Klarheit über deren technische Lösung besteht. Denn Pumpspeicherwerke werden voraussichtlich nicht in benötigtem Umfang realisierbar sein. Gelingt die Speicherung von regenerativem Strom nicht, so muß der Netzbetreiber versuchen, ihn in Spitzenzeiten mit negativem Gewinn ins Ausland zu verkaufen, wie dies gegenwärtig schon häufig vorkommt.

Alles in allem: Ein Projekt gelingt immer so gut, wie die Aufgabenstellung ist. Ist die Aufgabenstellung nicht sorgfältig und detailliert genug erarbeitet, kann mit großer Sicherheit davon ausgegangen werden, daß die Zielstellung nicht erreicht wird.

Doch aus Erfahrung aus Zeiten der Planwirtschaft sehe ich in dem gleichzeitigen Auftreten von Energiekrise und Finanzkrise dann immer noch eine gute Möglichkeit zur Begründung eventuell auftretender Planrückstände.

Das ist es, was ich zum Thema sagen wollte.

Anmerkungen

1. Über Fragen der Finanzkrise hatte Helga Zepp-LaRouche im Zusammenhang mit der Einführung eines Trennbankensystems gesprochen

2. Dies betraf einen grundlegenden Verstoß gegen Regeln der Basic Safety Standards, wonach redundant vorhandene Sicherheitseinrichtungen stets so anzuordnen sind, daß sie nicht alle gleichzeitig von einem äußeren Ereignis gemeinsam geschädigt werden können, wie dies bei den Notstromgeneratoren für die Reaktorkühlung der Fall war.