Japanischer Wissenschaftler: Erdbeben vom 11. März hat sich in der Ionosphäre angekündigt
14. Oktober 2011 • 14:40 Uhr

„Bevor ich dieses Phänomen entdeckt habe, hätte ich nie gedacht, daß man Erdbeben überhaupt voraussagen könnte“. Mit dieser Aussage zitierte die Webseite OurAmazingPlanet vor einer Woche den japanischen Geophysiker Kosuke Heki von der Hokkaido Universität. „Jetzt denke ich, daß große Erdbeben voraussagbar sind“.

Das Phänomen, auf das sich Heki bezieht, sei beim verheerenden Erdbeben in Japan (Tohoku) am 11. März 2011 aufgetreten. Dabei seien Veränderungen in den höchsten Schichten der Atmosphäre gemessen worden, kurz bevor das Beben stattfand. Diese Entdeckung könnte eines Tages angewandt werden, um rechtzeitig vor großen Beben zu warnen.

Das Erdbeben der Stärke 9,0 auf der Richterskala stellte die vielleicht erste komplexe Megakatastrophe der Welt dar, da sie den katastrophalen Tsunami und viele Mikrobeben und Erschütterungen rund um den Globus auslöste. Wissenschaftler entdeckten kürzlich, daß die Oberflächenbewegungen und der Tsunami, die von dem Beben ausgelöst wurden, auch Wellen in der oberen Atmosphäre erzeugten. Diese Wellen erreichten sogar die Ionosphäre, eine der höchsten Schichten der Erdatmosphäre.

Jetzt berichtete Professor Heki aber, daß das Tohoku-Beben auch Wellen in der Ionosphäre vor dem Beben erzeugt haben könnte. Veränderungen der elektrisch geladenen Teilchen in der Ionosphäre führten zu Anomalien bei Radiosignalen zwischen GPS-Satelliten und Bodenstationen, Veränderungen, die Wissenschaftler haben messen können. Heki analysierte Daten von mehr als 1000 japanischen GPS-Empfängern. Er entdeckt 40 Minuten vor dem Beben einen Anstieg von nahezu 8 Prozent des Elektronengehalts der Ionosphäre und zwar direkt oberhalb des Gebiets, das vom Erdbeben erschüttert wurde. Dieser Anstieg war am größten über dem Epizentrum und wurde mit zunehmender Entfernung kleiner.

Professor Heki kam zu dem Ergebnis, daß Erdbeben vorausgesagt werden könnten, wenn Staaten in der Lage versetzt würden, Veränderungen der Ionosphäre in der Nähe von Erdbebenregionen in Echtzeit zu beobachten.