Ehemaliger CENTCOM-Kommandeur warnt vor Militärschlag gegen den Iran
24. November 2011 •

Gen. a.D. Joseph P. Hoar, Kommandeur des US-Zentral-Kommandos von 1988-90 und 1991-94, äußerte am 7. November im Gespräch mit EIR seine Sorge über einen neuen drohenden Krieg im Persischen Golf.

EIR: Sie haben sicherlich die massive Propaganda für einen Krieg gegen den Iran gesehen. Sie haben mehrmals [1988-90, 1991-94] während kritischer Zeiten das US-Zentralkommando geleitet und mehr als 20 Jahre im Nahen Osten verbracht. Sehen Sie die Möglichkeit, daß es zu einem Krieg gegen den Iran kommt?

Hoar: Was ich am Wochenende gelesen habe, nicht nur von bestimmten Organisationen, sondern ingesamt, klingt alles gleich: Die Iraner sind die Bösen; sie bauen unterirdisch Atombomben; sie reichern Uran an und experimentieren mit Sprengköpfen. Die New York Times hat damit letzte Woche angefangen, und inzwischen wird das überall nachgeplappert. Ich finde das wirklich beängstigend.

EIR: Wie sieht diese Art von Journalismus aus, wenn man damit den Zeitraum vergleicht, der der Irak-Invasion 2003 vorausging?

Hoar: Ich denke, daß die Neokonservativen wirklich glaubten, der Irak wäre eine ganz einfache Sache, und daß langfristig der Iran als nächstes auf dem Plan stünde. Es erscheint mir so, daß dieselben Leute, die den Krieg gegen den Irak in Gang gebracht haben, jetzt wieder da sind und daran arbeiten, einen Schlag Israels, mit Hilfe der USA, gegen den Iran in Gang zu bringen. Es ist schon eine Menge geschehen; das betrifft viele verschiedene Quellen um Washington - und das ist nicht die US-Regierung, sondern es sind alle möglichen anderen Organisationen, die meinen, daß das der nächste Schritt sein wird. Das ist wirklich sehr beängstigend.

EIR: Welche Auswirkungen hätte denn ein Schlag Israels oder ein US-israelischer Schlag gegen den Iran auf die Region?

Hoar: Zuallererst wird die US-Regierung verantwortlich gemacht, egal ob sie direkt beteiligt ist oder nicht. Wenn Israel einen Militärschlag unternimmt, werden amerikanische Flugzeuge, amerikanische Waffen und amerikanische Technologie zum Einsatz kommen. Das ist der erste Punkt.

Aber es gibt noch etwas noch viel bezeichnenderes, was ich noch nicht in der Presse gesehen habe: Vor einigen Jahren reiste der Außenminister Katars, Hamad bin Jassim, nach Teheran und sagte dort, Katar habe die USA bei der Befreiung Kuwaits unterstützt. Auch der Angriff der alliierten Kräfte gegen den Irak hatte die Unterstützung Katars. Sollten die USA allerdings den Iran angreifen, würde Katar sich daran nicht beteiligen. Ihm wurde dann klargemacht, daß iranische Raketen zu keinem Vergeltungsschlag gegen die USA fähig seien und die Vergeltung daher die Freunde Amerikas im Persischen Golf treffen würde.

Meiner Einschätzung nach sind alle Mitglieder des Golf-Kooperationsrates [Gulf Cooperation Council] durch einen iranischen Gegenschlag gefährdet. Deshalb auch die fortdauernde starke Präsenz der US-Marine - Raketen, schnelle Angriffsschiffe und Flugzeuge - im Persischen Golf. Ich nehme also an, wenn es zu einem solchen Angriff käme, würde es zu Gegenschlägen gegen die Staaten des Golf-Kooperationsrates kommen.

EIR: Wir [die USA] wären auf die eine oder andere Art involviert. Es geht um Öl, Transportwege usw.

Hoar: Ich denke, wir würden den Ländern zu Hilfe kommen, die uns in der Region bisher stark unterstützt haben.

Bush und Obama: Schaurige Kontinuität

EIR: Wie kommt es Ihrer Meinung nach, was ja viele gesagt haben, daß es eine beunruhigende Kontinuität gibt von dem, was unter dem Bush-Cheney-Regime stattfand, zu dem, was Präsident Obama getan hat?

Hoar: Ich glaube, hier vermengen sich eine Menge Probleme. Eines ist die Isolation Israels, aufgrund seiner Beziehung zur Türkei und aufgrund dessen, was in Ägypten geschehen ist, was für die Fortsetzung der Neutralität zwischen Israel und Ägypten nichts Gutes bedeutet; die Unsicherheit, die sich aufgrund des sogenannten arabischen Frühlings in der Arabischen Welt ausgebreitet hat; und der Eindruck auf Seiten Israels, daß der US-Präsident schwach ist.

Das alles führt zu der Möglichkeit, daß sich, falls es zu einem Angriff auf den Iran käme, der Schwerpunkt all dessen, was sich jetzt um Israel dreht, auf den Iran verlagern würde.

Ich denke einfach, daß es keine Reaktion von Seiten des Präsidenten gab nach diesem öffentlichen Angriff von Seiten Netanjahus, als er letztens in Washington war, und auch keine Reaktion im Repräsentantenhaus auf dieses Verhalten - ich nehme an, daß Netanjahu deshalb glaubt, er komme mit allem, was er will, durch, und daß ihn die USA unterstützen werden.

Ich habe gehört - ich weiß dies nicht aus erster Hand, aber ich habe gehört, daß die Geheimdienstkreise und die Militärkreise gegen einen Militärschlag gegen den Iran sind. Wenn ein solcher Schlag durchgeführt würde, würden wir automatisch mit hineingezogen. Zunächst einmal würde man uns Vorwürfe machen, selbst wenn wir nichts tun. Aber die Vergeltung würde sich fast mit Sicherheit nicht nur gegen Israel richten, sondern auch gegen diejenigen, die als Verbündete der Vereinigten Staaten gelten, nämlich die Länder des Golf-Kooperationsrates.

EIR: [Die frühere US-Außenministerin] Condi Rice hat gestern in einem ABC-Interview Obama wirklich mit Lob überhäuft, weil er Bushs und Cheneys globalen Krieg gegen den Terrorismus fortsetzt. Im gleichen Interview forderte sie nicht nur den Einsatz militärischer Gewalt gegen den Iran, sondern auch einen Regimewechsel.

Wir haben gerade erlebt, wie man aus einer Flugverbotszone einen Krieg für einen Regimewechsel [in Libyen] gemacht hat; der Präsident selbst sprach von einem Regimewechsel in Syrien, und jetzt haben wir die Propaganda-Barrage gegen den Iran. Wie groß würde ein solcher Krieg?

Hoar: Er wäre meiner Meinung nach deutlich größer als alles, was wir bisher getan haben. Die Iraner sind aufgrund des närrischen Angriffs [der Vereinigten Staaten] auf den Irak zu einer regionalen Macht aufgestiegen. König Abdullah von Saudi-Arabien hatte die Vereinigten Staaten gewarnt, wir würden den Iran zu einer Regionalmacht machen, wenn wir den Irak angreifen, und das ist eingetreten.

Besonders verwundbar wären wir im Persischen Golf, weil unsere Nachbarn so viele Energieeinrichtungen haben, die angreifbar sind. Viele davon liegen an der Küste, einige vor der Küste, auf Inseln. Es gibt zahlreiche Ölplattformen vor der Küste im Golf. Sie alle wären angreifbar.

Wenn Sie sich an die späten achtziger Jahre erinnern, als die Schiffahrt im Golf von den Iranern bedroht war, da haben wir kuwaitische Öltanker mit amerikanischen Flaggen versehen und diese Tanker geschützt, wenn sie durch den Golf fuhren. In dieser Zeit wurde - das wissen nur sehr wenige Amerikaner - im Persischen Golf die größte Seeschlacht seit dem Zweiten Weltkrieg zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran ausgefochten. Es wurden Schiffe versenkt, Flugzeuge abgeschossen, und die US-Marine zerstörte in diesem Kampf Ölplattformen. Und all das würde dann wieder losgehen.

Und die Iraner haben alle möglichen Arten von Truppen in kleinen, sehr schnellen Booten, die mit Raketen und anderen Waffen bewaffnet sind und enorme Probleme am Golf verursachen können, und es wäre nicht überraschend, den Ölpreis auf 200 $/Barrel ansteigen zu sehen, wenn ein solcher Kampf stattfände.

Das große Versagen: die USA sind eine Insel-Gesellschaft

EIR: Sie haben 2007 erwähnt, daß es viele fähige Leute in den Vereinigten Staaten gibt, die man zu Verhandlungen heranziehen könnte. Sie sagen, daß die Vereinigten Staaten direkt mit einigen der Beteiligten reden sollten, statt vier oder fünf Jahre damit zubringen zu müssen, in denen die Briten, die Franzosen und die Deutschen in ihrem Interesse tätig werden. Und daß jemand die Geschichte des Landes anerkennen und sie mit Respekt und Anerkennung dieser Geschichte behandeln muß - mit Diplomatie.

Das ist nicht geschehen. Denken Sie, daß es noch etwas gibt, was zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran getan werden kann?

Hoar: Ich glaube, das wäre sehr schwierig, aber das ist ein großes Versagen der amerikanischen Regierung und der amerikanischen Öffentlichkeit insgesamt. Wir sind sehr inselhaft als Gesellschaft, von beiden Seiten von Ozeanen geschützt, mit einem englischsprachigen Land in unserem Norden und Mexiko im Süden, auf das wir bis auf die letzten beiden Jahrzehnte nicht besonders viel geachtet haben.

Wir kennen die anderen Gesellschaften nicht gut, wissen nicht, wie sie leben und was ihre nationalen Geschichten sind. Die meisten anderen Länder der Welt haben lange Erzählungen über ihre Verwandten, ihre Nachbarn usw. Und mit Sicherheit verstehen wir nicht viel vom Nahen Osten - weder von den Arabern noch von den Iranern oder ihrer Kultur.

Die Tatsache, daß die US-Regierung zusammen mit den Briten die einzige frühere demokratische Wahl im Iran, die 1952 stattfand, gewaltsam umstürzte - deswegen werden die Vereinigten Staaten und die Briten oft von Mitgliedern der iranischen Regierung angeprangert, weil sie sich daran erinnern, und wir sind oft taub für die Untertöne, wenn Redner aus anderen Ländern in allgemeiner Form über das reden, was geschehen ist, und warum die Umstände sind, wie sie sind.

Der Grund dafür, daß wir da Anfang der fünfziger Jahre hineingezogen wurden, war der, daß uns das Vereinigte Königreich darum gebeten hatte, weil sie davor standen, einen äußerst lukrativen Ölvertrag im Iran zu verlieren, den [der damalige Premierminister] Mossadegh verstaatlichen wollte, tatsächlich wurde er dann auch verstaatlicht. Da ging es nur um Öl, Geld und imperiale Übertreibung von Seiten der Briten. Und wir haben uns hineinziehen lassen.

EIR: Nun, das ähnelt sehr dem, was heute geschieht. Das Finanzsystem befindet sich im freien Fall, in einer Katastrophe. Beim Treffen der G-20 konnte man überhaupt nichts lösen. Ich bin froh, daß Sie die lange Geschichte des leider nicht sehr schönen Bildes erwähnt haben, wie die USA ihrer anti-kolonialen oder anti-imperialen Vergangenheit nicht gerecht wurden. Das hat uns anscheinend in Schwierigkeiten gebracht.

Hoar: Ich kann Ihnen die ganze Geschichte erzählen. Churchill kam zu Eisenhower, und Eisenhower, als Präsident, sagte: ,Wir werden euch nicht helfen.’ Woraufhin Churchill sagte: ,Wenn ihr das nicht tut, dann ziehen wir die Commonwealth-Division aus Korea ab.’ Das war während des Koreakriegs, und es war die Division, die, soweit ich mich erinnere, aus britischen Soldaten, Australiern, Kanadiern und anderen Streitkräften aus allen Teilen des Commonwealth gebildet worden war. Eisenhower gab nach, und so wurden wir da hineingezogen.

Der sogenannte „Krieg gegen den Terror“

EIR: Sie sind einer der Unterzeichner des Briefes von 23 Generalen und Admiralen an Senator Reid über die Fragen zum Verteidigungshaushalt bezüglich der Inhaftierung ohne Gerichtsverfahren für Terrorverdächtige. Wie steht es in diesem Kampf? Sie sagen in dem Brief, Amerikaner könnten inhaftiert werden, ohne daß sie wegen irgendwelcher Verbrechen angeklagt werden, sodaß ihnen im Grunde ihre Verfassungsrechte genommen werden.

Hoar: Ich glaube, im sogenannten Krieg gegen den Terror bleibt immer diese Geschichte mit der Stellung Amerikas in der Welt, vor allem in den islamischen Ländern, insbesondere den arabischen. Wir wissen, daß die Täter des 11. September, die meisten jedenfalls, aus Saudi-Arabien kamen. Die Feindseligkeit, die zwischen dieser Kultur und den Vereinigten Staaten besteht, beruht vor allem auf der unerschütterlichen Unterstützung der USA für Israel.

Nun, aufgrund der illegalen Siedlungen auf der West Bank und in Jerusalem gärt dieses Problem in diesem Teil der Welt immer weiter, wobei wir die Tatsache übersehen, daß sie wirklich illegal sind. Und so sehen wir anhaltende Probleme, die diese Überzeugung verstärken.

Die Abu-Ghraib-Tragödie beispielsweise, wo, soweit ich weiß, 22 Gefangene in diesem Gefängnis von diesen jungen Soldaten photographiert und mißhandelt wurden - von denen wurden, glaube ich, 21 ohne Anklage wieder freigelassen. Diese jungen Männer, die man bei Razzien um Bagdad festgenommen und inhaftiert hatte, wurden dann im Lauf der Zeit verhört, und die große Mehrheit - alle bis auf einen - wurden wieder freigelassen. Das ist ein schrecklicher Makel für die Vereinigten Staaten.

Die Vorstellung, daß wir noch nicht verurteilte Gefangene - Menschen, von denen wir annehmen, daß sie in terroristische Aktivitäten verwickelt waren, und das ist ein ganz weites Feld, das bedeutet nicht notwendigerweise, daß sie auch aktiv beteiligt waren -, daß wir diese inhaftieren und ohne Prozeß gefangen halten können, ohne individuelle Rechte: Das macht die ganze Sache nur noch schlimmer. Das ist nicht das, wofür die Vereinigten Staaten stehen.

Wir haben außerordentlich gute Ergebnisse in unseren Bundesgerichten, wenn wir Terroristen anklagen - mehr als 400 Fälle wurden mit Erfolg im System der Bundesgerichte verhandelt. Das sind Leute, die den Hintergrund und die Erfahrung haben, Untersuchungen durchzuführen und zu verhören, ohne illegale Methoden, und sie dann der Gerechtigkeit zuzuführen.

Und diese ganze Idee, daß man das auf das Militär übertragen könnte, ist mit einem Hintergedanken verbunden: Wenn man Militärtribunale einsetzt, gelten die Regeln für Beweisanträge nicht, man braucht sich keine Sorgen über Miranda-Rechte 1Das Recht des Beschuldigten, aufgeklärt zu werden über das Recht, die Aussage zu verweigern und einen Anwalt hinzuzuziehen. zu machen - um alle diese Dinge braucht man sich nicht zu kümmern. Wir sperren diese schuldigen Kerle ein und werfen sie einfach ins Gefängnis. Und das ist, vom Standpunkt der Vereinigten Staaten, der völlig falsche Ansatz. Wenn diese Leute böse Buben sind, dann sollten sie vor ein reguläres Gericht gestellt und angemessen bestraft werden, und wenn man sie versehentlich festgenommen und vor Gericht gestellt hat, und man sie nicht verurteilen kann, dann lassen wir sie frei, so, wie wir das auch mit unseren eigenen Bürgern machen.

EIR: In Ihrem Brief zum Verteidigungshaushaltsgesetz heißt es: „Wir glauben, daß diese Vorschriften, wenn sie verabschiedet werden, unsere Terrorbekämpfungspolitik in einer Weise umgestalten würde, die unsere nationale Sicherheit unterminieren und unsere Streitkräfte zum Ankläger, Richter und Gefangenenwärter für ausländische Terrorverdächtige machen würde...“ Und, das muß ich hinzufügen, auch zum Henker. Wie groß ist die Debatte über die Frage der Exekution Anwar Al-Awlakis und anschließend seines minderjährigen Sohnes, die beide amerikanische Staatsbürger waren?

Hoar: Es ist schwierig für mich, das zu sagen, weil ich nicht alle Informationen darüber habe. Ich bin überrascht, daß es darüber nicht noch mehr Diskussionen gab, offene Diskussionen, denn sie sind amerikanische Bürger, und das scheint nicht zu unserer eigenen Rolle zu passen.

Nun, ich verstehe, daß es hier um Terrorismus geht. Aber wir haben in der Vergangenheit amerikanischen Bürgern die Gelegenheit gegeben, sich vor einem Gericht zu verteidigen. Die Schwierigkeit ist natürlich, daß dies amerikanische Bürger sind, die in anderen Ländern leben, wo man sie nicht ausliefern kann. Ich habe darauf keine gute Antwort; es ist mir unangenehm, aber ich kann die Logik verstehen, die in diese Richtung führt.

Israel und die Gefahr eines Krieges gegen den Iran

EIR: Sie haben die Israelis erwähnt, die sich so nachdrücklich gegen Netanjahu et al. geäußert haben. Sie richten eine Art Bitte an die USA. Würde es darauf eine zustimmende Reaktion aus den Reihen unserer pensionierten Militärs geben?

Hoar: Zunächst einmal denke ich, daß die führenden Zeitungen und Zeitschriften in diesem Land so etwas niemals veröffentlichen würden. Man muß in die weniger bekannten Journale schauen, wie z.B. Middle East Policy; man wird das nicht in der New York Times finden. Ein Freund von mir, der vor einigen Jahren als Reporter für die New York Times arbeitete, sagte mir, daß er Berichte eingereicht habe, in denen er direkt israelische Militärs zitiert hatte, die aber nie in der New York Times erschienen. Sie wollten sie nicht veröffentlichen, weil sie das für nachteilig hielten.

Das sind Dinge, die ihren Weg in die Öffentlichkeit nicht finden. Es interessierte mich, als ich gestern abend PBS –Fernsehen angesehen habe und die Frage der türkischen Flotte 2Am 31. Mai 2010 brachte das israelische Militär in internationalen Gewässern sechs Schiffe einer türkischen „Gaza-Freiheitsflotte“ auf, die humanitäre Hilfsgüter nach Gaza bringen wollte. Neun Aktivisten wurden dabei getötet, zehn weitere verwundet. Die Schiffe wurden nach Israel geschleppt und die Passagiere deportiert. aufkam und erwähnt wurde, daß israelische Soldaten neun Türken getötet haben. Die Wahrheit ist, es wurden acht Türken getötet und ein Amerikaner türkischer Herkunft. Der Name wurde niemals veröffentlicht, es wurde niemals über diese Person geredet, es wurde nie erwähnt, daß die Israelis einen amerikanischen Staatsbürger getötet haben, und inzwischen wurde aus dem Schicksal dieses armen Menschen die „Tatsache“ gebastelt, daß er Türke war und nicht mehr Amerikaner.

Mit 300.000 Israelis, die illegal auf der West Bank leben, und weiteren 200.000, die illegal in Jerusalem leben - und diese Zahlen wachsen weiter - ist es politisch fast unmöglich, jemals eine Regierung in Israel an die Macht zu bringen, die bereit wäre, etwas zu ändern. Wir wissen, daß die gegenwärtige Regierung nur 26% der Wählerstimmen auf sich vereinen konnte, sodaß es immer schwieriger wird, zu einem gerechten Abkommen zwischen Palästinensern und Israelis zu kommen.

EIR: Was kann Ihrer Meinung nach getan werden, um den drohenden neuen Golfkrieg gegen den Iran abzuwenden?

Hoar: Nun, ich habe keine gutes Gespür für das, was in Washington vor sich geht. Ich verstehe, daß die militärische Führung und die Geheimdienstkreise dagegen sind. Aber ich bin mir nicht sicher, ob wir das in den Zeitungen zu lesen bekommen werden. Ich fürchte, man wird Tatsachen schaffen, bevor irgend jemand in diesem Land ernsthaft darüber redet. Es wird eines Morgens geschehen - wir werden aufwachen und der Schlag ist durchgeführt worden, die Iraner werden die Schiffe im Golf angreifen, und die Tatsache, daß das von den Israelis angefangen wurde, wird dabei ganz im Hintergrund verloren gehen.

Aber da wir erleben werden, wie der Ölpreis hinaufspringt, werden wir erleben, daß die US-Marine beteiligt sein wird - es wird eine ständige Präsenz der US-Marine im Golf geben, und dann sind wir mittendrin. Es ist eine sehr gefährliche Lage.

Ich fürchte, daß die gleichen Kerle, die uns die Invasion des Irak gebracht haben, auch hierbei im Hintergrund stehen. Die meisten von ihnen sind nicht mehr in der Regierung, aber es ist ihnen gelungen, eine Lage zu schaffen, wo Denkfabriken und andere angesehene Institutionen allesamt sagen: „Es wird etwas geschehen“, und das wird mit dem kommenden IAEA-Bericht verbunden. Ich glaube, unsere Regierung ist dafür sehr anfällig, und wenn ich auf das Jahr 2012 blicke, dann nehme ich an, daß sie umfallen und Israel unterstützen wird.

Die Öffentlichkeit versteht nicht, was auf dem Spiel steht

EIR: Lyndon LaRouche hat gefordert, Präsident Obama seines Amtes zu entheben, so, wie er schon früher die Amtsenthebung von Bush und Cheney gefordert hat - genau wegen jener Verfassungsbrüche und Verbrechen, über die wir gesprochen haben. Was ist Ihre Sicht dieser Option, einen Krieg zu verhindern?

Hoar: Ich glaube, das wäre zu schwer zu verwirklichen. Ich denke, die breite Öffentlichkeit versteht gar nicht, was auf dem Spiel steht. Wir werden bis zur Hüfte in dieser Sache drinstecken, bevor die Leute anfangen zu erkennen, womit wir es zu tun haben.

Sehen Sie, der Irakkrieg hat uns 4000 Amerikaner gekostet, die getötet wurden, Zehntausende, die verwundet wurden, 800 Milliarden Dollar, und dieser Preis steigt weiter und weiter. Und wofür? Um den Irak zu einem Vasallen des Iran zu machen? Das wird dabei herauskommen. Der Gedanke, daß wir das mit dem Iran wieder von vorne anfangen, ist einfach beängstigend.

Es ist wirklich beängstigend. Der Verlust an Menschenleben, die Zerstörung der Weltwirtschaft, wenn der Persische Golf geschlossen wird. Wenn uns das gefällt, was in Griechenland geschieht, dann sollten wir erst mal sehen, was geschieht, wenn der Persische Golf dichtgemacht wird.

EIR: Da bin ich Ihrer Meinung, und die nächsten sieben Tage sind ganz entscheidend. Wie schon im Irakkrieg; als der [damalige] IAEA-Direktor El Baradei [Anfang März 2003] den Yellow-Cake-Schwindel [über angebliche Urankäufe des Irak in Niger] aufgedeckt hatte, da gab es Leute, die gesagt haben: „Los, jetzt oder nie! Sie werden bestätigen, daß es keine Massenvernichtungswaffen gibt, also müssen wir es jetzt tun“ - und das haben wir getan.

Hoar: Ich denke, daß das so war, denn die Tatsache, daß es dort keine Massenvernichtungswaffen gab, war in den Geheimdienstkreisen bekannt, und das hat man vertuscht. So einfach war das.

EIR: Was ist mit Rußland und China? Sie haben strategische Interessen in der Golfregion, und sie haben, gerade in den letzten Stunden, in den stärkstmöglichen Worten gesagt, daß ein Angriff auf den Iran inakzeptabel wäre. Würde ein regionaler Krieg nicht notwendigerweise sofort außer Kontrolle geraten?

Hoar: Das ist unwahrscheinlich. Und wenn die Entscheidung getroffen würde, diese Sache anzugehen, dann wäre es für die Regierung äußerst wichtig, vertraulich mit den Russen und Chinesen und unseren wichtigsten Verbündeten zu reden und ihnen zu sagen, was wir tun und warum. Und ihnen zu versichern, daß wir keinen umfassenderen Krieg wollen.

Diese Sache ist potentiell so destabilisierend, insbesondere für Rußland, daß es eine große Sorge gäbe, was als nächstes geschieht. Ich denke, Rußland wäre wirtschaftlich weniger stark betroffen von dem, was im Persischen Golf geschieht, als die meisten anderen Länder. Aber die Chinesen und die Inder werden sehr stark davon betroffen sein.

Anmerkungen

1Das Recht des Beschuldigten, aufgeklärt zu werden über das Recht, die Aussage zu verweigern und einen Anwalt hinzuzuziehen.
2Am 31. Mai 2010 brachte das israelische Militär in internationalen Gewässern sechs Schiffe einer türkischen „Gaza-Freiheitsflotte“ auf, die humanitäre Hilfsgüter nach Gaza bringen wollte. Neun Aktivisten wurden dabei getötet, zehn weitere verwundet. Die Schiffe wurden nach Israel geschleppt und die Passagiere deportiert.