Krieg gegen Iran: Früherer israelischer Geheimdienstchef Dagan warnt vor "Katastrophe"
3. Dezember 2011 • 15:37 Uhr

Der frühere israelische Mossad-Chef Meir Dagan hat sich mit anderen israelischen Sicherheitsexperten zusammengeschlossen, um den Kriegskurs von Ministerpräsident Netanjahu und Verteidigungsminister Barak gegen den Iran zu stoppen. Die israelische Tageszeitung Ha'aretz berichtete am 2.12., daß Dagan gemeinsam mit dem früheren Stabschef der israelischen Streitkräfte, Gabi Ashkenazi und dem früheren Shin-Bet-Chef Yuval Diskin "eine strategische Allianz" geschlossen habe, um ein "Gegengewicht" zu Netanyahu und Barak zu schaffen.

Ashkenazi repräsentiert eine Fraktion im Militär, die versucht, ein Friedensabkommen mit Syrien zustande zu bringen und ist bereits in der Vergangenheit häufig in dieser Frage mit Barak und Netanyahu aneinandergeraten. Jetzt wird berichtet, daß Ashkenazi und Dagan sich gemeinsam an den Leiter der Staatlichen Kontrollkommission, Micha Lindenstrauss, gewandt haben, um Schwachstellen im Entscheidungsprozeß der Regierung für einen Krieg zu überprüfen. Lindenstrauss ist für israelische Politiker ein besonderes Ärgernis, da er sich mit seinen verschiedenen Berichten über Regierungspraktiken mit Kritik nie zurückgehalten hat.

Dagan hat offensichtlich Unterstützung von Kreisen des israelischen Establishments. So bekam er allein zweimal diese Woche die Möglichkeit, zur besten Sendezeit im israelischen Fernsehen aufzutreten. Am Donnerstag sagte er: "Ich mache mir Sorgen über mögliche Fehler und ziehe es vor, jetzt zu sprechen, bevor es eine Katastrophe gibt. ..."Sich mit offenen Augen in einem regionalen Krieg zu engagieren, kommt aus meiner Sicht nur in Frage, wenn wir angegriffen werden oder wenn das Schwert bereits in unser lebendiges Fleisch schneidet. Es ist keine Alternative, die man leichtfertig wählen sollte."

Dagan sagte, er ginge davon aus, "daß der Grad an Zerstörung, die Paralyse des täglichen Lebens und die israelischen Todesopfer hoch sein würden." Zu der Äußerung von Verteidigungsminister Barak, Israel habe weniger als ein Jahr Zeit für einen Militärschlag gegen den Iran, sagte Dagan: "Ich mache große Sorgen [über diese Äußerung]. Ich verstehe diesen Kommentar so, daß Barak glaubt, Israel müsse innerhalb eines Jahres handeln, aber ich denke nicht, daß das zutrifft."

In einem Artikel unter dem Titel "Der Krieg gegen Irans Nuklearprogramm hat bereits begonnen", stellte der Ha'aretz-Journalist Yossi Melman am 2.12. alle bisher an die Öffentlichkeit gelangten Geheimoperationen gegen den Iran zusammen. Der Iran, so Melman, werde an einem bestimmten Punkt zurückschlagen, was die Situation dann natürlich erst recht eskalieren lassen würde.





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