Italien: Tremonti greift "Finanzfaschismus" an
2. Februar 2012 • 19:55 Uhr

Der frühere italienische Wirtschaftsminister Giulio Tremonti hat sich in den letzten Tagen erneut für das Trennbankensystem ("Glass-Steagall") in der Tradition Roosevelts ausgesprochen. Am 30.1. gab er Radio24, dem Radionetzwerk der Wirtschaftstageszeitung Il Sole 24 Ore, ein Interview und am 31. Januar sprach er zu diesem Thema bei einem Treffen des italienischen Aspen-Institutes in Mailand. Il Sole 24 Ore berichtete über das Interview, daß Tremonti auf Roosevelt's New Deal zurückgreife, und ebenso dazu auffordere, Geschäftsbanken, die nützlich für die Wirtschaft sind, von den spekulativen Banken zu trennen. Außerdem verlange er Regulierungsvorschriften und große Investitionen in öffentliche Projekte. Es sei entscheidend, daß sich diese Ideen jetzt in ganz Europa durchsetzen.

Il Sole: "Tremonti ruft zu einem Programm des 'Widerstands gegen Finanzfaschismus' auf - der unser Leben zerrüttet hat. 'Es ist Zeit, dieses Finanz[system] zu benden, das wie eine Gottheit herrscht, das sich über alles und jedes erhebt und die Bedeutung der Nationen und der Politik ausradiert hat. So etwas hat es nie zuvor in der Geschichte gegeben.'"

Wie um die Richtigkeit dieses Punktes zu unterstreichen, erklärte der technokratische italienische Ministerpräsident Mario Monti gestern in einem Interview mit einenm Fernsehkanal von Mediaset: "Die Jugend muss sich daran gewöhnen, keinen festen Arbeitsplatz in ihrem Leben zu haben: wir sollten auch sagen, daß es langweilig ist, einen Job zu haben. Veränderung ist schön." Und der italienische Staatspräsident Napolitano, der als Königsmacher Montis gilt, sagte am 31.1. zu den neuen Statistiken über Jugendarbeitslosigkeit (31%), man müsse jetzt "andere Masstäbe für Wohlstand entwickeln". Wen das an Königin Marie Antoinette erinnert fühlt, die ihren hungernden Landsleuten zur Zeit der französischen Revolution empfahl, Kuchen zu essen, wenn sie sich kein Brot leisten könnten, liegt nicht falsch.