Neue Partei in Griechenland gegen Troika-Dikatur gegründet
15. März 2012 • 19:39 Uhr

Der unabhängige griechische Abgeordnete Panos Kammenos, ein ehemaliges Mitglied der Nea Dimokratia, stellte am 11. März am symbolträchtigen Ort Distomo die Gründungserklärung seiner neuen Partei „Unabhängige Griechen“ vor.* Er sagte, die neue Partei sei eine "Bewegung von Bürgern, die gemeinsam über Fragen entscheiden, und die Kandidaten dieser Partei sollten Bürger wie Sie sein....Unser Kampf wird schwierig sein, wir müssen gegen völlige Finsternis kämpfen, gegen Sonderinteressen, aber man sollte sich immer daran erinnern, daß selbst die Finsternis die Sonne und Griechenland fürchtet!“ Das griechische Volk müsse wieder lächeln lernen. „Die neue Weltordnung wird in Griechenland nicht überleben, denn wir sind viele, wir sind unabhängig, und wir sind Hellenen.“

Unter Hinweis auf die derzeitige Katastrophe, die Griechenland aufgezwungen wurde und zur Kapitulation vor seinen Gläubigern zwang, sagte er: „Wir versprechen, unermüdlich und mit allen Mitteln, die wir haben, dafür zu kämpfen, daß das Dossier über die nationale Tragödie geöffnet und beurteilt wird. Es muß Gerechtigkeit geschaffen werden, und all jene, die für die Tragödie, die das griechische Volk durchlebt und heute erleidet, verantwortlich sind, müssen bestraft werden - politisch, juristisch und sozial.“

Kammenos bezeichnete den Druck, den die Troika der EU, der EZB und des IWF auf Griechenland ausgeübt haben, als „rohe Erpressung“. Nicht nur finanziell und ökonomisch, sondern auch politisch sei das eine Tragödie, die immer schneller zum völligen Verlust der Unabhängigkeit Griechenlands führe.

Die Partei verlangt, die Immunität der Minister, Abgeordneten und Regierungsvertreter aufzuheben, um diejenigen, die für die gegenwärtige Krise verantwortlich sind, zur Rechenschaft zu ziehen und bezahlen zu lassen. Helena Kountoura, eine andere frühere Abgeordnete der Nea Dimokratia, die sich der neuen Partei angeschlossen hat, sagte, sie sei beeindruckt von der Zahl der Menschen, die aus allen Teilen Griechenlands zu der Veranstaltung gekommen waren.

Währenddessen wurde Finanzminister Evangelos Venizelos bei einer Veranstaltung der Regierungspartei PASOK von einem siebzigjährigen Rentne, der auf Krücken in die veranstaltung kam, mit Joghurt beworfen. Damit protestierte er gegen die Tatsache, daß seine Rente drastisch gekürzt wurde. Venizelos ist der einzige Kandidat für den Vorsitz der Partei, der am 18. März gewählt werden wird. Die Parteimitglieder müssen 2 Euro bezahlen, wenn sie ihre Stimme abgeben wollen. Nach einigen Umfragen würde die Partei derzeit nur 11% der Stimmen erhalten, anderen zufolge nur 8%.

*Distomo war im zweiten Weltkrieg Schauplatz eines Massakers der Nazis, die als „Vergeltungsmaßnahme“ sämtliche 218 verbliebenen Bewohner des Ortes erschossen.