Ha'aretz warnt: Netanjahu erhielt Präsident Obamas Zustimmung für Angriff auf Iran
16. März 2012 • 17:16 Uhr

Am 15. März schrieb Aluf Benn, einer der führenden israelischen Journalisten in einem Leitartikel der großen Tageszeitung Ha'aretz, Präsident Obama habe Ministerpräsident Netanjahu bei seinem Besuch in Washington am 5. März entgegen seiner öffentlichen Äußerungen grünes Licht für einen Angriff auf den Iran gegeben. Dies ist an Brisanz gar nicht zu überschätzen und wird die immer lauter werdende Forderung nach Amtsenthebung, wie sie im US-Kongress mit der Resolution des republikanischen Kongreßabgeordneten Walter Jones zirkuliert, verstärken.

Benn's warnender Leitartikel trägt die Überschrift: "Netanjahu bereitet die israelische öffentliche Meinung auf einen Krieg gegen den Iran vor". In dem Artikel heißt es: "Netanjahu läßt durchblicken, daß er bei seinem Washington-Besuch Obamas stillschweigende Zustimmung für einen israelischen Angriff gegen den Iran erhalten hat – unter dem Deckmantel der Opposition. Obama wird dagegen sprechen, aber dafür handeln, so wie die vergangenen US-Regierungen sich gegen die Siedlungen in den Territorien aussprechen, aber ihre Ausweitung erlauben."

Benn vergleicht dies u.a. mit dem amerikanischen Vorgehen beim Sechs-Tage-Krieg 1967, als die USA Israel offiziell aufriefen, sich zurückzuhalten, aber die inoffizielle Linie anders lautete. Das habe die Wagschale zugunsten des Krieges entschieden. Beim Angriff auf den irakischen Nuklearreaktor 1981 habe sich dasselbe wiederholt. Benn schreibt: "Und auf diese Weise faßte Netanjahu diesen Besuch [in Washington] zusammen: Ich habe meinen Gastgebern die Beispiele [der Lage] vorgelegt und ich glaube, daß ich mein erstes vorgetragenes Ziel - die Bestärkung der Anerkennung des israelischen Rechtes auf Selbstverteidigung – erreicht habe."

Benn weiter: "Netanjahu versucht die israelische Öffentlichkeit davon zu überzeugen, daß die iranische Bedrohung eine konkrete Bedrohung der Existenz Israels darstellt und daß man 'einen zweiten Holocaust' nur mit einem israelischen Militärschlag auf die iranische nukleare Infrastruktur effektiv stoppen kann, die tief im Untergrund verschanzt ist."

Benn schließt mit den Worten: "Um Netanjahus eigene Allegorie zu benutzen: was aussieht wie die Vorbereitung auf Krieg, sich verhält wie eine Vorbereitung auf Krieg, ist eine Vorbereitung auf Krieg und nicht nur ein 'Bluff' oder eine Ablenkungstaktik. Bis zum Besuch in Washington vermieden Netanjahu und seine Unterstützer in den Medien eine solche ausdrückliche Wortwahl und machten nur Andeutungen. Aber seit er zurück ist, hat Netanjahu sich selbst und die israelische Öffentlichkeit in Alarmzustand versetzt."

Aluf Benn's Artikel ist ein Weckruf an die israelische und internationale Öffentlichkeit, diese Dynamik jetzt, wo es noch Zeit ist, zu durchbrechen und reflektiert die Haltung führender Militär- und Sicherheitsvertreter in Israel und den USA. So berichtet Ha'aretz am heutigen Freitag, es gebe "eine große Zahl führender Regierungsvertreter, die unter den jetzigen Umständen gegen einen solchen Angriff sind und denken, daß es genug Zeit gibt, um die Wirkung von Sanktionen abzuwarten." Ha'aretz nennt namentlich vier Mitglieder des achtköpfigen sogenannten Inneren Kabinetts, die einen Angriff ausdrücklich ablehnen : Moshe Ya'alon, Dan Meridor, Benny Begin und Eli Yishai. In einem weiteren Kommentar geht Ha'aretz darauf ein, daß der Erfolg des israelischen Iron-Dome-Raketenabwehrsystems gegen die kürzlichen Angriffe aus dem Gazastreifen bei einem Krieg gegen den Iran allein wegen der Größenordnung nichts ausrichten würden, auch wenn dies jetzt propagandistisch so ausgeschlachtet werde.

Der amerikanische Staatsmann Lyndon LaRouche kommentierte, die Kriegsbestrebungen Netanjahus müsse man auf dem Hintergrund des gerade beendeten Besuchs des britischen Preminierministers David Cameron bei Präsident Obama sehen. Die Linie werde in London festgelegt und es gehe nicht an sich um Iran, Syrien oder Israel, sondern um die strategisch-imperiale Konfrontation mit Russland und China – eine Politik, die auf einen thermonuklearen Krieg zusteuert und damit zur Reduktion der Weltbevölkerung auf weniger als 1 Mrd. Menschen führen würde.