Präsidentschaftskandidat Cheminade konfrontiert Präsident Sarkozy
14. April 2012 • 19:31 Uhr

Am 10. April wurde Präsident Sarkozy gleich zu Beginn eines Interviews im Fernsehsender Canal+ mit einer Frage des Präsidentschaftskandidaten Jacques Cheminade konfrontiert, die die Moderatoren am Abend zuvor aufgenommen hatten und als Video auf einer Großleinwand einspielten: "Nicolas Sarkozy, Sie haben erklärt, daß wir die Krise nach vier Jahren hinter uns haben. Ist das wirklich seriös? Denn, wenn wir die Krise wirklich hinter uns haben, warum sollen wir dann den Gürtel enger schnallen und Griechenland strangulieren? Um die Investmentbanken zu retten?"

Präsident Sarkozy gefiel die Frage offenbar gar nicht, wie er mit einem Seufzer bezeugte. Dann folgten nicht sehr inhaltsreiche Worte - , das Hauptproblem sei die Ungewissheit über den Euro gewesen, das schlimmste sei vorbei, jetzt muss man die Folgen aufräumen. Er behauptete, Griechenland werde nicht stranguliert. Cheminade wisse vielleicht nicht, daß das Land 225 Mrd. € Schulden hatte, die "dank Europa" und den erfolgreichen Verhandlungen jetzt auf die Hälfte reduziert wurden.

Am 12. April war Cheminade in der zweiten offiziellen Interviewrunde der Kandidaten bei France2. Jeder der anwesenden fünf Kandidat wurde 16 Minuten lang von vier Journalisten befragt, während die anderen vier auf dem Podium zuhörten. Ursprünglich hatte eine Debatte zwischen den Kandidaten stattfinden sollen, aber Sarkozy und Francois Hollande hatten das abgelehnt. Cheminade kam gleich als zweiter nach Francois Bayrou an die Reihe; auf ihn folgte Nicolas Sarkozy, der anmerkte, er habe "die Freude" gehabt, Mr. Cheminade zu hören. Die Journalisten versuchten zwar alles, das Gespräch auf zweitrangige Fragen zu lenken, aber Cheminade konte trotzdem das Problem der illegitimen Staatsverschuldung entwickeln und darüber sprechen, wie ein Trennbankensystem ("Glass-Steagall" ) funktionieren würde. Diese Sendung wurde von ca. vier Millionen Zuschauern gesehen. Am 10. gab es eine ähnlich hohe Einschaltquote (5 Millionen), als TF1 25 MInuten lang zur besten Sendezeit ein Interview mit Cheminade führte.

Cheminade war es auch, der als erster am 9. und 10. April in mehreren Interviews EUREX anprangerte, die am 16.4. ein neues spekulatives Finanz"instrument" gegen französische Staatsschulden auflegen werden. Er sagte, der Zeitpunkt sei offenbar bewusst gewählt worden, um den neuen Präsidenten von vornherein unter Druck zu setzen. Am 10.4. wurde in einer beliebten Talkshow des Senders France 3 darauf hingewiesen, daß bis dahin nur ein Kandidat, nämlich Cheminade vor diesem neuen Finanzputsch gegen Frankreich gewarnt hatte, was mit Ausschnitten aus einem Interview des Kandidaten France-2 untermauert wurde. Dann griffen andere Kandidaten den Skandal auf und äußerten sich in der Folge gegen diese politische Erpressung durch die Märkte, so daß das ganze jetzt ein großes Thema in Frankreich ist.

Daß die deutsche Presse immer noch hysterisch versucht, den Wahlkampf von Cheminade auszublocken, ist im Zeitalter des Internet einfach nur lächerlich. Es offenbart nur eins ganz deutlich: den viel zu großen Einfluß der City auf Medien und Politik in diesem Lande. Es wird höchste Zeit, das zu ändern.





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