Argentinische Präsidentin: Förderung von Wissenschaft und Technik steht im Zentrum der Politik
27. April 2012 • 14:47 Uhr

Am 24.4. erklärte die argentinische Präsidentin Fernandez de Kirchner in einer Rede bei einem Symposium des Wissenschafts- und Technologieministeriums über "Grenzen der Bio-Wissenschaft“, daß die Förderung von Wissenschaft und Technologie nie aufgegeben werde dürfe, sondern vertieft werden müsse. Sie sei eine unverzichtbare Säule der staatlichen Politik. Anwesend waren viele Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts, darunter drei frühere Nobelpreisträger für Chemie und Medizin, sowie Hunderte argentinischer Wissenschaftler und Studenten der Naturwissenschaften. Das MPI hat seine Zentrale für Iberoamerika in Argentinien angesiedelt

Frau Kirchner betonte, ihre Regierung gehe davon aus, daß zwischen Naturwissenschaft und Wirtschaft eine lebendige Verbindung existieren muß. "Was sonst ist angewandte Wissenschaft als die menschliche Erkenntnis dessen, was der Verstand entdecken und herausfinden kann und die Anwendung dessen in der Wirtschaft?" Wirtschaft sei für sie keine "exakte Wissenschaft" und keine Sache trockener Zahlen, sondern eine "Sozialwissenschaft".

Wissenschaft habe es an sich, zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen beizutragen. "Wissenschaft muß nicht in einem Kasten eingeschlossen oder langweilig sein. Sie sollte durchdrungen sein von Humor, gesundem Menschenverstand und nicht zuletzt mit einer Berufung einhergehen, unseren Mitmenschen beim Lernen zu helfen und sie zu ermutigen, das Unbekannte zu suchen."

Die argentinische Präsidentin beschrieb ausführlich die Steigerung der Investitionen in Wissenschaft und Technik unter ihrer Regierung und der ihres verstorbenen Ehemannes, Nestor Kirchner - um 937 % seit 2003! Es gelang in diesem Zeitraum, nahezu 900 Wissenschaftler, die vom Neoliberalismus der 90er Jahre aus dem Land getrieben worden waren, wieder nach Argentinien zurückzuholen. Fernandez de Kirchner sagte, es gäbe keine andere Alternative, als mit dieser Verpflichtung voranzugehen, neue Entdeckungen zu machen und sich selbst dazu herauszufordern. „ Es ist das Wesen der Wissenschaft, sich nicht gleichschalten zu lassen. Deshalb studiert man - um alles, was existiert, auszulegen, um andere Erklärungen zu finden, um herauszufinden, was wirklich hinter den Dingen steckt. Wenn wir nicht das hinterfragen, was existiert und was wir schon wissen, ist es schwierig, ein Wissenschaftler zu sein oder Wissenschaft zu betreiben."

Fernandez verurteilte in ihrer Rede auch erneut die verrückte Sparpolitik in Europa mit einem Verweis auf Albert Einsteins Definition von Dummheit. „Ich mag dies[e Definition] sehr gerne“, sagte sie, „und ich wiederhole sie bei jedem G20-Treffen. ... Ich sagte [beim letzten Treffen], dass wir uns an Einstein erinnern sollten. Er sagte, nur Verrückte glaubten, sie könnten immer dieselben Methoden benutzen und trotzdem andere Ergebnisse erzielen“. Das sei der Fall mit der Austeritätspolitik, die in der G20 diskutiert werde und besonders in Europa, wo man dieselbe Politik durchsetze, von der man weltweit sieht, wohin das führt – zu "Fehlschlägen und Elend, statt sozialer Integration".