Nach JPMorgan-Chase-Debakel: Forderungen nach Glass-Steagall werden lauter
17. Mai 2012 • 11:36 Uhr

Der Milliardenverlust von JPMorgan Chase gibt den Forderungen nach mehr Regulierung und insbesondere einer Glass-Steagall-Bankentrennung deutlich Auftrieb. Indikativ hierfür ist die massive Reaktion der Bevölkerung auf eine Erklärung der Senatskandidatin Elizabeth Warren in Massachusetts, die am 14. Mai im Online-Portal BoldProgressives.org eine Petition für die Wiedereinführung des Glass-Stegall-Gesetzes veröffentlichte, die von dort aus per E-Mail an 900.000 Abonnenten versandt wurde. Als Ziel hatte sie dabei 50.000 Unterschriften angegeben - dieses Ziel wurde in weniger als 24 Stunden übertroffen. Bereits am nächsten Morgen waren 52.000 Unterschriften eingegangen, und die Zahl wächst ständig weiter.

Die Aktion löste auch ein massives Echo in den Medien aus. Die Washington Post veröffentlichte ein Interview mit Warren, in der sich Warren nachdrücklich für Glass-Steagall ausspricht. Auch die Zeitungen New York Times, Boston Globe, Pittsburgh Tribune Review, die Nachrichtenagentur Reuters und der Sender CNN berichteten über die Kampagne, ebenso der Dow Jones Market Watch, Slate.com, die International Business Times und der American Banker sowie zahlreiche Internet-Blogs berichteten über die Aktion.

Die US-Senatorin Maria Cantwell, die 2010 einen Glass-Steagall-Entwurf vorlegte, aber unter dem Einfluß der Regierung Obama mit einer erneuten Vorlage zögerte, versprach dieses nun bei einer Kundgebung in Washington am 10. Mai. Und Robert Reich, der frühere Arbeitsminister unter Bill Clinton, schrieb in seinem Blog, die Morgan-Affäre beweise, daß man sich nicht darauf verlassen könne, daß die Wall Street sich selbst zügelt, und fordert die Wiedereinführung von Glass-Steagall und eine Aufspaltung der Großbanken.

In Europa schlug der frühere französische Ministerpräsident Michel Rocard am 10. Mai in einem Interview mit Radio Classique/Public Sénat vor, Frankreich solle anderen Ländern ein Vorbild sein und die Bankentrennung einführen. „Wenn man die Einlagen anderer und der Wirtschaft verwaltet, sollte man kein Risiko eingehen. Das sollte verboten sein. Und es war 70 Jahre lang verboten, dank Franklin Roosevelts Initiative von 1933, das wurde dann aber aufgehoben. Man nannte es das Glass-Steagall-Gesetz, man hört dieses Stichwort von Zeit zu Zeit. Um 1995-2000 wurde das in den USA wie in Europa aufgegeben, aber seither gibt es alle fünf Jahre große Finanzkrisen. Jetzt droht uns eine neue. Und das nicht nur in Europa, sondern weltweit, und es ist äußerst gefährlich. Es bedroht die ganze Welt.“