„Green Economy” in der Krise
24. Mai 2012 • 19:25 Uhr

Spektakuläre Insolvenzen führender Solartechnikfirmen wie Solyndra (USA) und Q-Cells (Deutschland) haben deutlich gemacht, daß die große Krise auch den Bereich der „erneuerbaren Energien“ voll erfaßt hat. Die Krise ist sogar teilweise schlimmer, wie die Tatsache zeigt, daß das Volumen des Emissionszertifikatshandels innerhalb eines Jahres, von Mai 2011 bis Mai 2012, um 40 Prozent geschrumpft ist. Wäre da nicht das erhebliche Fördervolumen der EU und der einzelnen Regierungen wie der deutschen, sähe es auf dem Markt für Sonne und Wind noch düsterer aus.

Und das war eigentlich das Thema, das bei dem Seminar „Renewable Energy Finance 2012“ am vergangenen Mittwoch in der Frankfurt School of Finance sowohl in den Reden wie in den Diskussionen immer wieder in den Vordergrund gerückt wurde. Grüne Projekte sind teuer, aber sie schöpfen keinen Wert und dümpeln auf Jahre im Verlustbereich dahin - wenn die institutionellen Fördertöpfe bei Banken, Versicherungen und Regierungen nicht angezapft werden können. Allein dem privaten Markt überlassen, würden die meisten grünen Unternehmen nicht überleben. Die privaten Investoren bleiben skeptisch und halten sich zurück, wie der Einbruch im Zertifikatehandel zeigt. Auch die Banken und Versicherungen reden zwar oft und viel über „grüne Wirtschaft“, ein Engagement über einzelne Pilotprojekte hinaus - bei der Allianz im Umfang von 1,5 Mrd. Euro – zeigen sie aber nicht.

Auch den Lieblingsprojekten der Deutschen Bank, wie Desertec, geht es da nicht wesentlich besser: Ein Vertreter der Desertec Foundation klagte am Rande der Frankfurter Veranstaltung über chronischen Mangel an finanziellem Zufluß und schimpfte über die Rettungspakete im Umfang einiger hundert Milliarden Euro, die den Banken bei der EZB fast zum Nullzins nachgeworfen werden, während die grüne Branche nur mühsam an frisches Geld herankommt. Eigentlich eine gute Nachricht, was die von Beginn an zu hoch angesetzten Träume der „green economy“ betrifft.

Die grüne Wirtschaft trifft aber auch zunehmend auf politischen Gegenwind. Etliche wichtige Länder der Welt wollen Deutschland auf dem Marsch ins Sonnen-Wunderland nicht folgen, das müssen auch die Bundeskanzlerin und ihr Klima-Guru Schellnhuber zähneknirschend eingestehen. Auf der Frankfurter Veranstaltung von einem EIR-Korrespondenten befragt, wie er denn mit der Tatsache umgehe, daß sich mit Argentinien und Brasilien die zwei wichtigsten Länder Südamerikas bei der Energiewende querstellen und zudem Brasiliens Präsidentin von „ökologischen Fantasien“ spricht, denen sie schon einfach deswegen nicht folgen könne, weil sie reale Probleme wie Essen, Trinken, Wohnen für die brasilianische Bevölkerung lösen müsse, sagte Schellnhuber, er sei, was den klimapolitischen Wandel anbelange, bezüglich Südamerika skeptisch. Auf absehbare Zeit gebe es ohnehin nur „Insellösungen“, da müßten einige Länder wie Deutschland den anderen vorleben, „living by example“, wie es ginge. Ohnehin ließen sich die globalen Klimaprobleme nur durch eine globale Regierung lösen. Die gebe es aber nicht, was er persönlich sehr bedauere, sagte Schellnhuber.

Allerdings ist in Schellnhubers Musterinsel Deutschland selbst schon Nervosität ausgebrochen, ob die angestrebte Energiewende überhaupt erreichbar ist: Harald Uphoff vom BEE (Bundesverband Erneuerbare Energien), warnte in seinem Frankfurter Redebeitrag, ohne sichtbare Verbesserung und Verstetigung der öffentlichen Förderung drohe ein Scheitern der Wende - und wenn diese schon beim internationalen Vorreiter Deutschland scheitere, würden andere Länder natürlich dem deutschen Beispiel nicht folgen. Warum sollten sie auch.