Cohn-Bendit: Vom Antikapitalisten zum Neoliberalen
25. Mai 2012 • 09:48 Uhr

Der Mann, der Jean-Paul Sartre 1974 als Chauffeur und Übersetzer diente bei dessen Propagandatour für die Terroristen der Roten Armee Fraktion, die damals in Stuttgart-Stammheim vor Gericht standen, hat sich offenbar dem reaktionärsten Flügel der Neoliberalen angeschlossen. Wie Athens News am 24. Mai berichtete, hat Daniel Cohn-Bendit, der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Europaparlament, die griechische SYRIZA-Partei wegen ihrer Forderung verurteilt, die brutalen Lohnkürzungen, die dem Land von der „Troika“ aufgezwungen worden waren, zurückzunehmen. Cohn-Bendit sagte, die Pläne zur Rücknahme der Lohnkürzungen und zur Festlegung eines Mindestlohns von 1300 Euro pro Monat seien „verrückt“ und „völlig idiotisch... Jeder weiß doch, daß die Koffer leer sind. Mit welchem Geld wollen sie diese Löhne bezahlen, wenn Europa nicht noch mehr Hilfe leistet?“ Unmittelbar zuvor hatten die griechischen Grünen die Einladung von SYRIZA abgelehnt, sich einem Wahlbündnis gegen das Memorandum anzuschließen. Hatte vielleicht Cohn-Bendit persönlich interveniert, um ein solches Bündnis zu verhindern?

Im Mai 1968 war Daniel Cohn-Bendit noch der Vorzeige-Aktivist der Pariser Studentenrevolte, die dazu diente, Präsident Charles de Gaulle zu stürzen. Sartres Reise zum Stuttgarter Terroristen-Prozeß war Teil der Bemühungen der Anwälte des Komitees gegen Folter an politischen Gefangenen in der BRD, die zweite Generation der gehirngewaschenen RAF-Terroristen zu rekrutieren, die 1977 dazu eingesetzt wurden, führende Vertreter der deutschen Gesellschaft zu ermorden: Generalbundesanwalt Siegfried Buback, Dr. Jürgen Ponto von der Dresdener Bank und den Chef des Arbeitgeberverbandes Hanns-Martin Schleyer. Ponto und Schleyer waren übrigens Vertreter der alten Schule, die noch wußte, daß wirklicher wirtschaftlicher Erfolg auf langfristigen Investitionen in die Industrie basiert und nicht auf riskanten und zweifelhaften Wettgeschäften.

Am 25. Mai war Cohn-Bendit dann in Toronto/Kanada, um dort zusammen mit Lord Peter Mandelson, die Idee zu widerlegen, daß das europäische Experiment gescheitert sei. Diese sogenannten Munk-Debatten werden organisiert von Peter Munk, dem Gründer des Rohstoffkonzerns Barrick Gold.