Robert Mundell: Der Euro sollte die Nationen Europas zerstören
28. Juni 2012 • 12:23 Uhr

In einem aufschlußreichen Beitrag für den Guardian am 26.6. sprach der britische Journalist Greg Palast aus, was Leser dieser Webseite schon seit langem wissen: "Die Idee, daß der Euro fehlgeschlagen sei, zeugt von gefährlicher Naivität. Der Euro ist genau das, was sein Erzeuger und die 1% Reichen, die ihn unterstützten – vorhersah und beabsichtigte." Palast beschreibt mit diesen Worten die Einstellung von Robert Mundell, Wirtschaftsnobelpreisträger, Erfinder des "einheitlichen Währungsraumes" und "theoretischer" Vater des Euro.

Palast schreibt, er kenne Mundell durch seine Verbindung zu Milton Friedman und habe sich mit ihm über den Euro unterhalten. Der Euro würde seinen Zweck wirklich dann erfüllen, wenn die Krise zuschlägt, habe ihm Mundell erklärt. Wenn man die Kontrolle der Regierung über die Währung zu beseitige, würden lästige kleine Volksvertreter keine Möglichkeit mehr haben, Finanzmittel einzusetzen, um ihr Land aus einer Rezession herauszuholen. Mundell habe ihm gesagt, mit dem Euro "wird die Finanzpolitik aus der Reichweite der Politiker entfernt. Und ohne die Fiskalpolitik können Nationen nur dann ihre Arbeitsplätze erhalten, wenn sie die Marktregulierungen abbauen und dadurch wettbewerbsfähig werden." Dazu gehörten für Mundell, so Palast, das Arbeitsrecht, Umweltgesetze und natürlich Steuern. All das würde vom Euro beiseite gefegt werden. Und der Demokratie würde man nicht mehr erlauben, dem Markt in die Quere zu kommen.

Mundell habe ihm erklärt, der Euro sei defacto dasselbe wie "Reagonomics", denn die durch den Euro ausgeübte monetäre Disziplin erzwinge von den Politikern auch finanzpolitische Disziplin. Wenn dann die Krise zuschlage, bliebe wirtschaftlich entwaffneten Nationen nur noch die Möglichkeit, alle staatlichen Regulierungen abzuschaffen, massenhaft staatliche Industrien zu privatisieren, Steuern zu senken und den europäischen Sozialstaat auf den Müllhaufen zu befördern.

Palast zieht die Schlußfolgerung, der Begriff "Strukturreformen" sei eine Beschönigung für die Zerschlagung der Arbeiterschaft und die "Währungsunion Klassenkampf mit anderen Mitteln." "Weit von einem Fehlschlag entfernt, hat Mundell's Baby, der Euro, wahrscheinlich das Ziel seines Erzeugers noch bei weitem übertroffen."





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