Chinas Raumfahrtprogramm: ein großer Schritt nach vorn
3. Juli 2012 • 10:49 Uhr

Die erfolgreiche Mission des bemannten chinesischen Raumschiffs SHENZHOU-9 - mit dem Start am 16.6., Andocken an das Raumstationsmodul TIANGONG-1 im All und der sicheren Rückkehr am 28.6. - stellt einen wichtigen Fortschritt für Chinas langfristigen Plan dar, Menschen im Weltraum leben und arbeiten zu lassen.

Dieser vierte bemannte Flug Chinas demonstrierte die Fähigkeit, eine Mannschaft sicher zu einem Raumschiff im Orbit zu transportieren, Laborausrüstung für längere Aufenthalte im All zu liefern und an Bord künstliche Lebensumstände für sichere, produktive Missionen aufrechtzuerhalten. Chinesische Forscher und Ärzte konnten auch die Auswirkungen der Mikrogravitation auf die Astronauten - chinesisch „Taikonauten“ genannt - studieren. Die Besatzung untersuchte drei Aspekte der Weltraummedizin: 1. ständige Überwachung der Gesundheit der Taikonauten in Echtzeit, 2. Studium der physiologischen Effekte der Schwerelosigkeit, die sich im Laufe des Fluges veränderten, 3. Prüfung der operationellen Fähigkeiten der Astronauten in dieser fremden Umgebung, d.h. ob Desorientierung ihre Leistungsfähigkeit beeinträchtigt. Diese drei Aspekte wurden herausgehoben, weil sie für die geplanten längeren Aufenthalte im All wesentlich sind. Zur Besatzung gehörte diesmal auch eine Frau.

Der Vizedirektor des chinesischen bemannten Weltraumprogramms, Wang Zhaoyao, nannte die Mission nach der Landung einen umfassenden Erfolg. Strategisch sei sie „eine Demonstration unserer allgemeinen nationalen Stärke. Das ist für ein großes Land wie China besonders wichtig. In Hinsicht auf Wissenschaft und Technik werden die Durchbrüche in der Weltraumtechnik die technologische Position allgemein fördern." Dies sei auch eine wichtige wirtschaftlicher Hebelfaktor, denn laut allgemeinen Schätzungen betrage das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag in solchen Raumfahrtprogrammen etwa 1:10 oder 1:12. Aus dem Raumfahrtprogramm seien bereits mehr als 900 nationale Patente angemeldet worden. Kulturell, so fügte Wang hinzu, „inspiriert der Pioniergeist der Weltraumforschung die allgemeine Öffentlichkeit, vor allem die jungen Menschen. Und sie bringt klare Vorteile für die chinesischen ingenieurtechnischen Fähigkeiten.“

Chinesische Vertreter haben Interesse an der Zusammenarbeit mit anderen Ländern im Weltraum bekundet und dazu bereits Anträge bei der UN-Weltraumbehörde (UNOOSA) gestellt. Wang wies darauf hin, daß China mit Deutschland bereits bei 16 lebenswissenschaftlichen Experimenten kooperiert. Auch in der Astronautenausbildung, beim Weltraumlabor und bei der Raumstation wünscht man sich internationale Zusammenarbeit. Die USA legen einer Beteiligung Chinas an der Internationalen Raumstation (ISS) aber immer wieder Hindernisse in den Weg.