Nach dem LIBOR-Manipulationsskandal: Forderungen nach Glass-Steagall in Großbritannien
4. Juli 2012 • 18:34 Uhr

Ähnlich wie nach dem JP Morgan-Derivatedesaster in den USA führen die Enthüllungen über die Manipulation der britischen Banken des LIBOR-[Interbankenzinssatzes] zu einer Welle von Forderungen nach der Einführung einer vollen Glass-Steagall -Bankentrennung. Damit wird der Schwindel des kosmetischen "Vickers-Ringfencing", bei dem es lediglich um eine bankinterne Trennung der Geschäfte geht, zunehmend der Boden entzogen. Das dürfte Leute wie Paul Volcker wenig freuen, der in den USA versucht, dort die wachsende Bewegung für Glass-Steagall einzudämmen.

Der Parlamentsabgeordnete Jonathan Edwards, Finanzsprecher für die National Party of Wales, hat Schatzkanzler Osbornes Ankündigung, es werde keine öffentliche Untersuchung des LIBOR-Skandals geben, scharf angegriffen: "Es handelt sich um einen Verschwörungsskandal, mit Diebstahl und Betrug im Herzen der Finanzindustrie in London .. Wir haben ein strukturelles und kulturelles Problem mit dem britischen Bankenwesen, das völlig überholt werden muß. Entscheidend ist eine vollständige Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken (Glass-Steagall-Gesetz), die weiter geht als die Empfehlungen der Vickers-Kommission."

John Archibald Sinclair (3rd Viscount of Thurso), Liberaler Abgeordneter und Mitglied des Finanzauschusses erklärte am 30. Juni (berichtet in Scotsman am 1. Juli), die Vickers-Maßnahmen reichten bei weitem nicht aus. Man brauche "eine völlige Trennung. "Wenn Banker wie Bob Diamond [der Chef von Barclay's Bank] mir im Ausschuss erzählen, in der Universalbank sei nichts schiefgegangen, dann antworte ich ihm jetzt: Das ist nur deshalb, weil Sie die Märkte manipuliert haben. Hätte es einen fairen Markt gegeben, dann wären Sie wahrscheinlich gescheitert." Die Gelder der Banken müßten in die Wirtschaft fließen, statt in die Spekulation. "Ich denke, es gibt jetzt keine Wahl, außer daß per Gesetz das Investmentbanking von den Geschäftsbanken getrennt wird."

Am 2. Juli erschien ein Artikel im britischen Guardian, der sich mit demselben Thema beschäftigte. Der Autor, Terry Smith schrieb, die Argumente gegen eine volle Bankentrennung seien immer "dünn gewesen", aber nach dem LIBOR-Skandal gebe es überhaupt keine Begründung mehr dafür. "Was muß jetzt geschehen? Großbritannien und die USA müssen ein Glass-Steagall-Gesetz verabschieden. Das war das Bankengesetz, das 1933 in den USA nach dem großen Finanzkrach verabschiedet wurde, mit dem Geschäftsbanken und Investmentbanken getrennt wurden. "Ringfencing, wie es die Vickers-Kommission vorschlägt, wird nicht funktionieren." "Warum?" "Wie dieser LIBOR-Skandal zeigt, wird man immer Wege finden, über den Zaun zu klettern, darunter her zu graben oder außen herum zu gehen. Die einzigen Leute, die gegen die [Glass-Steagall-] Trennung] Lobbyarbeit gemacht haben, sind Banker ... Außerdem müssen wir eine wichtige Lektion darüber lernen, wer eigentlich Banken betreiben darf. Händlern sollte man das nie erlauben, denn sie kümmern sich nur um das kurzfristige. Ihre Kurzsichtigkeit bringt sie dazu, für den kurzfristigen Profit zu handeln, der den langfristigen Ruin in Kauf nimmt. Aus meiner Sicht riskiert jede Bank, die einen Händler an die Spitze setzt, daß sie bankrott geht."

Auch auf dem Kontinent gibt es also jetzt nicht länger eine Entschuldigung, den Erpressungen des britisch-imperialen Finanzsystems nachzugeben, das selbst völlig bankrott ist.