Syrien: Russischer UN-Botschafter warnt vor westlicher "humanitärer Rhetorik"
21. Juli 2012 • 17:39 Uhr

In einem Interview mit "Russia Today" nach der UN-Sicherheitsratssitzung am 20. Juli attackierte der russische UN-Botschafter Vitaly Churkin die scheinheilige "humanitäre" Rhetorik der US und Großbritanniens. Russland und China hatten erneut den Versuch des Westens blockiert, den Weg für eine militärische Intervention in Syrien zu bereiten, nachdem die Frist für die UN-Überwachungsmission in Syrien am Freitag abgelaufen war. Mittlerweile wurde sie um 30 Tage verlängert.

Der britische Außenminister William Hague hatte nach dem UN-Veto gegenüber BBC gesagt, man würde jetzt die praktische Unterstützung für die syrische Opposition intensivieren und für mehr "humanitäre Hilfe" außerhalb des Sicherheitsrates sorgen. Sehr "praktisch" ist es offenbar, wenn führende syrische Minister bei Anschlägen der Opposition getötet werden - auch wenn man seine Hände "offiziell" in Unschuld wäscht und behauptet, "tödliches" Militärmaterial würde nicht an die Opposition geliefert.

Der russische UN-Botschafter sagte dazu: "Leider scheint die Strategie unserer westlichen Kollegen darin zu bestehen, bei jeder Gelegenheit weitere Spannungen in und um Syrien herum zu entfachen. Und dieses Mal nutzten sie die Gelegenheit der Verlängerung der [UN]-Monitoring-Mission in Syrien und versahen ihren Entwurf mit einer Reihee unakzeptabler Klauseln... Leider haben sie überhaupt nichts getan, um einen produktiven und positiven Prozeß in Gang zu setzen und zu befördern. Stattdessen haben sie mit den sog. "Freunden Syriens" zusammengearbeitet. Diese Gruppe sind Gegner der syrischen Regierung; ich würde sie nicht Gegner der syrischen Bevölkerung nennen, aber sie wollen um jeden Preis die syrische Regierung zu Fall bringen, ohne Rücksicht auf die extrem tragischen Konsequenzen."

"Humanitäre Intervention hört sich leider nur human an, aber Tatsache ist, daß jede militärische Intervention, aus welchem Grund auch immer, unweigerlich zu mehr Blutvergiessen führt. Und wir wissen, daß diese größten Humanisten der Welt - die USA und Großbritannien - beispielsweise im Irak intervenierten, indem sie alle möglichen noblen Vorwände zitierten - in diesem Fall nicht-existierende Massenvernichtungswaffen. Und was setzte das in Gang: 150.000 tote Zivilisten, ganz zu schweigen von Millionen Flüchtlingen, Vertriebenen und der völligen Zerrüttung des Landes. Also lassen Sie sich nicht von humanitärer Rhetorik verführen."

Die ungeheure Gefahr, die von der Eskalation in Syrien und gegen den Iran ausgeht, kann gar nicht dramatisch genug eingeschätzt werden. Schon vor Monaten warnten der russische Genralstabschef Makarow und andere hochrangige Vertreter vor der Gefahr eines Eskalation im Nahen Osten , bei der auch Nuklearwaffen eingesetzt werden könnten. Und die amerikanische Militärführung unter Generalstabschef Martin Dempsey hat in den vergangenen Monaten mit vernünftigen Kreisen im israelischen Militär- und Sicherheitsapparat alles getan, um die Kriegsfraktion um Netanyahu unter Kontrolle zu halten - ganz im Gegensatz zur politischen Führung unter Präsident Obama, der sich für seine Wahlkampagne von Tony Blair "beraten" lässt.

In Deutschland sollte man eigentlich noch aus historischer Erfahrung wissen, daß fortwährender "Regimewechsel" ebenso wie Nibelungentreue immer in den Abgrund führt! Jetzt muss eine politische Lösung auf den Tisch, bevor es zu spät ist!