Nur Bankster fürchten Trennbankensystem
27. Juli 2012 • 19:56 Uhr

Daß sich inzwischen immer mehr Vertreter der Hochfinanz wie Sanford Weill, Ex-Chef der Citigroup, zur Wiedereinführung des Trennbankensystems einsetzen, charakterisiert den politischen Gezeitenwechsel in den USA. So hat Marcy Kapturs Gesetzesvorlage H.R. 1489 inzwischen 77 Ko-Sponsoren und auch infolge der verschiedenen Bankenskandale (LIBOR, Drogengeldwäsche) ist die Welle für ein Wiederinkraftsetzen des alten Glass-Steagall-Gesetzes kaum noch zu bremsen.

Auch in der britischen Presse findet ein hartes Durchgreifen gegen das Bankster-Unwesen immer mehr Befürworter. So schreibt Ruth Sunderland in Daily Mail, daß wenn die Financial Times, der Economist oder selbst der Chef der britischen Finanzaufsicht FSA, Adair Turner, das Wort „Bankster“ in den Mund nehmen, sich die Banker in Acht nehmen sollten. Sie erklärt dann die Herkunft des Wortes:

„Seine Prägung geht auf die Pecora-Kommission [Anfang der 30er Jahre] zurück, die in einer Serie von Anhörungen die Ursachen des Schwarzen Freitags 1929 an der Wallstreet untersuchte. In diesen Anhörungen unter Leitung des Rechtsanwaltes Ferdinand Pecora, wurden die führenden Banker der Zeit in aller Öffentlichkeit auseinander genommen. …Das führte dann zur Verabschiedung des Glass-Steagall-Acts, der das Kasinobanking von der eher langweiligen Geschäftsbankentätigkeit trennte, einer Gesetzgebung die mit nur wenig Seiten Text auskam im Gegensatz zu den Tausenden Seiten der heutigen Baseler Kapitalvorschriften. In den fünf Jahrzehnten unter der Glass-Steagall-Regulierung gab es keinen systemrelevanten Kollaps einer Bank und viele Beobachter machen den Grund für die jetzige Krise an deren Abschaffung unter Präsident Clinton fest. Das Bankensystem funktioniert in großen Teilen nicht mehr und sein Gangster-Kapitalismus fordert einen Zoll von der Volkswirtschaft, den wir uns … nicht leisten können. Reformen müssen die Rückkehr zum Glass-Steagall-Prinzip beinhalten, damit nicht der Steuerzahler weiter für die Schulden der Bankster haftet.“

Die Berichterstattung in den deutschen Medien ist weiterhin beschämend. So schreibt z.B. ein Hanno Mussler in der FAZ als Reaktion auf Weills Richtungswechsel, daß es zweifelhaft sei, ob den Banken das Geschäftsmodell vorgeschrieben werden solle. Natürlich muß es das! Hat doch gerade der LIBOR-Skandal gezeigt, wohin es führt, wenn man den Banken erlaubt, ihre eigenen Regeln zu schreiben.