Ex-IWF-Chefökonom bei Senatsanhörung: Euro wird so nicht überleben
2. August 2012 • 17:25 Uhr

Simon Johnson am vergangenen Mittwoch im US-Senat

In einem Senatshearing des Aussenpolitischen Unterausschusses für Europäische Fragen zur Zukunft der Eurozone am 1. August in Washington erklärte der frühere IMF-Chefökonom Simon Johnson mehrfach, daß der Euro in seiner gegenwärtigen Form nicht überleben werde.

Alle Behauptungen des US-Finanzministers über die vermeintlich geringen Effekte auf amerikanische Banken seien null und nichtig, denn niemand kenne die Auswirkungen auf den Derivatemarkt. Johnson erklärte den Ausschussmitgliedern, die Europäische Zentralbank könne gar nicht soviel Geld zur Verfügung stellen, um alle und jeden zu retten. Je mehr Liquidität, desto weniger Kreditwürdigkeit. Die Phrase "soviel wie nötig" zu tun, werde deshalb nicht funktionieren. Man bewege sich jetzt in die gefährlichste Phase des Euro, in der "Auflösungsrisiken" vorherrschten. Johnson fragte, wie jemand ein Geschäft abschliessen könne, wenn er nicht wisse, ob es den Euro in einem Jahr noch gibt?

Man sitze "auf einem Pulverfaß voller undurchsichtiger, außerbörslicher Derivattransaktionen in einer Größenordnung von hunderten von Billionen Euros." Diese würden durch den Euribor bestimmt, der selbst in Frage gestellt werde. Niemand könne genaue Aussagen über das Ausmaß der Verwicklung amerikanischer Banken treffen oder darüber, was der Effekt eines griechischen Ausstiegs aus dem Euro wäre. Diesen sieht Johnson zu 90% als wahrscheinlich an und zwar noch vor Ende des Jahres.

Senatorin Jeanne Shaheen (D-NY), die die Anhörung leitete, war offensichtlich schockiert und fragte Johnson, wie es dann sein könne, daß Mr. Geithner ihnen "fortwährend versichert", daß die Verwicklung amerikanischer Banken in Europa "begrenzt" sei. Johnson wiederholte, was er mehrfach während seiner Rede gesagt hatte: die Komplexität von Derivaten ist dergestalt, daß noch nicht mal die Institutionen, die sie halten, wissen, wie stark sie exponiert sind. Deshalb könnten weder Herrn Finanzminister Geithner noch irgend jemand anderer solche Aussagen treffen, weil sie die wahre Größenordnung des Problems gar nicht überblickten.

Die Antwort darauf, was zu tun ist, erfuhren die Senatoren und andere Teilnehmer an diesem Tag aber nicht von Johnson, der sich früher mehrfach für die Wiedereinführung des Trennbankensystems ("Glass-Steagall") eingesetzt hat. Erneut waren über 30 Aktivisten des LaRouche-PAC-Aktionskomitees in Washington unterwegs, wie schon die Tage zuvor, um den Kongreß für die sofortige Verabschiedung des Glass-Steagall-Gesetzes von Marcy-Kaptur (H.R.1489) mit seinen fast 80 Kosponsoren zu mobilisieren, und die Amtsenthebung von Finanzminister Geithner und Präsident Obama zu verlangen, die durch ihre beständige Bankenrettung das Gemeinwohl permanent verletzt haben. Mehr zu dieser Mobilisierung finden Sie auf www.larouchepac.com





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