Isländische Abgeordnete verlangt Bankentrennung nach Glass-Steagall-Vorbild
6. August 2012 • 09:52 Uhr

In Island hat die Abgeordnete Alfeidour Ingadottir eine Vorlage für Bankentrennung ins Parlament eingebracht. Ihre Partei (Linke-Grüne) gehört zur Regierungskoalition und stellt den Wirtschaftsminister (Steingrimmur J. Sigfusson). Unter Bezug auf das Glass-Steagall-Trennbankensystem verlangt Ingadottir, Banken daran zu hindern, "staatliche geschützte Einlagen für riskante Investitionen zu benutzen". Abgeordnete in allen Parteien könnten sich darauf einigen, daß die Bankenaktivitäten getrennt werden müssen. Sie sei zuversichtlich, daß ihre Vorlage dieses Jahr durchkommen werde. "Die beste Art, Banken daran zu hindern, Spekulationsblasen zu schaffen, ist, Gesetze wie das Glass-Steagall-Gesetz von 1933 zu verabschieden, das mehr als sechs Jahrzehnte in den USA Geschäftsbanken- und Investmentaktivitäten von einer getrennt hatte." Die Nachrichtenagentur Bloomberg, die am 3. August in einem Hintergrundartikel über die Entwicklung der Spekulationsblase in Island 2007 berichtete, fügte hinzu: "Dieser Vorschlag gewinnt auch woanders an Fahrt. Selbst Sanford 'Sandy' Weill, dessen Schaffung der New Yorker Citigroup Inc. zum Gramm-Leach-Bliley-Gesetz führte, mit dem Finanzgiganten geschaffen werden konnten, sagt jetzt, daß Investmentbanken von Banken, die Kundeneinlagen verwalten, getrennt werden sollen."

In Italien schrieb der Herausgeber der konservativen italienischen Tageszeitung Il Tempo, Mario Sechi, am 4. August einen Leitartikel mit der Überschrift "Jetzt die Spekulanten von Investoren trennen". Zur Reaktion der "Märkte" auf Mario Draghi sagte er: "Das Finanzsystem heute ist vor allem von Spekulanten und nicht von Investoren besiedelt. Diese Dominanz entstand aus 30 Jahren galaktischer Blasen und Mist ("bolle e balle") mit grandioser Abzockerei, unabgesicherter Finanzleverage und Verwirrung über die Rolle traditioneller Banken und Investmentbanken. Das sind verschiedene Aufgaben, die, ich wiederhole, getrennt werden müssen". Die Vorfälle bei JP Morgan, mit Derivathandel den Markwert zu beeinflussen, seien "eine Art finanzielles Gangstertum. Das untergrabe auch die staatliche Souveränität". Die politische Welt habe bisher eine "peinliche Ignoranz" gezeigt, wie man damit umgehen soll. Sechi verlangte strafrechtliche Konsequenzen, vor allem auf dem Hintergrund der LIBOR-Manipulationen. "In anderen Bereichen wäre das schon längst passiert."