Eine weitere Stimme der Wall Street fordert Trennbankensystem
29. August 2012 • 14:03 Uhr

Die amerikanische Zeitung US News & World Report veröffentlichte am 27. August einen Artikel des Hedgefondsmanagers und Juristen James Rickards, der sich darin emphatisch für die Wiederinkraftsetzung des Glass-Steagall-Gesetzes ausspricht. Rickards war zeitweilig Justitiar des Hedgefonds Long Term Capital Management (LTCM), der im Herbst 1998 wegen großer Verluste in einer bis dahin beispiellosen internationalen Rettungsaktion mit mehreren Milliarden Dollar gerettet werden mußte, bevor er dann in Folge ganz abgewickelt wurde. Ironischerweise war zwei seiner Vorstandsmitglieder, Robert Merton und Myron S. Scholes, im Jahr zuvor der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften verliehen worden.

Unter dem Titel „Abschaffung von Glass-Steagall für Finanzkrise verantwortlich“ schreibt Rickards: „In der Tat, die Finanzkrise wäre uns ganz und gar erspart geblieben, hätte man nicht das Glass-Steagall-Gesetz, das sieben Jahrzehnte lang Investment- von Geschäftsbanken getrennt hielt, 1999 abgeschafft . Wenn es überhaupt eine Hoffnung geben soll, eine erneute Kernschmelze des Finanzsystems zu verhindern, dann ist es wichtig zu verstehen, warum die Rücknahme von Glass-Steagall zum Ausbruch der Finanzkrise beitrug.“

Im interessantesten Teil des Artikels widerlegt Rickards einige der gängigsten Argumente der Bankenapologeten, die den Zusammenhang von Abschaffung von Glass-Steagall und Entwicklung der Finanzkrise leugnen. „Der eine Bankenvertreter sagt, man könne die Banken nicht der Ausgabe betrügerischer Immobilienkredite bezichtigen, da diese von skrupellosen Immobilienmaklern zu verantworten seien. Das ist Unsinn. Die Makler hätten diese Kredite gar nicht kreieren können, wenn ihnen die Banken nicht ihre Produkte abgekauft hätten. Ein anderer Apologet sagt, die Tatsache, daß keine große Bank bankrott gegangen ist, beweise, daß sie nicht Grund der Krise gewesen seien. Das ist ebenso lächerlich. Der einzige Grund, daß keine Großbank unterging, waren die Rettungspakete der Regierung. … Und wieder ein anderer Bankensprecher argumentiert, daß eher Nichtbanken wie Lehman und Bear Stearns die Hauptschuld an der Krise trügen. Das ignoriert den Fakt, daß Nichtbanken ihre Finanzierung über Banken in der Form von Hypotheken, Rückkaufsvereinbarungen und Kreditlinien abwickeln. Ohne von den Großbanken mit generösen Krediten für zweifelhafte Papiere (wie z.B. strukturierte Finanzprodukte) ausgestattet zu werden, hätten die Nichtbanken nicht auf solche Hebelgeschäfte eingehen können.“

„Mit Glass-Steagall konnten Banken nicht die gesicherten Einlagen ihrer Kunden als Grundlage von Eigenhandel benutzen, um sie dann in Form von Derivaten an ihre Kunden weiterzuverhökern. Diese Möglichkeit zusammen mit der Liquiditätsversorgung der anderen Spieler, hat die Blasen-Maschinerie so lange am Laufen gehalten. Jetzt, da die Erinnerung noch frisch ist, ist es an der Zeit Glass-Steagall wieder einzuführen, um einen dritten Zyklus von Betrug am (Bank-)Kunden zu verhindern.“