USA: EX-Senator verlangt Wiederaufnahme der 9/11-Untersuchungen
13. September 2012 • 08:52 Uhr

Am 11. Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 veröffentlichte der ehemalige Senator Bob Graham zusammen mit Sharon Premoli, einer Überlebenden aus dem World Trade Center, einen Leitartikel in der Huffington Post unter der Überschrift: „Jetzt die 9/11-Untersuchung wiederaufnehmen“. Graham saß im Geheimdienstausschuß des Senats und war stellvertretender Vorsitzender der von beiden Kammern des Kongresses gebildeten Untersuchungskommission zum 11. September. Von ihm sind inzwischen zwei Bücher zum Thema erschienen.

In einem parallel veröffentlichten Interview im Florida Current bezichtigt Graham die Bush- wie auch die Obama-Administration der Vertuschung, insbesondere was die Verwicklung Saudi Arabiens angeht.

„Sie sagen, die Regierung Bush hat die saudische Verwicklung verheimlicht?“, wird Graham dort gefragt. Seine Antwort: „Ja, und um unparteiisch zu bleiben muß ich sagen, daß die Regierung Obama diese Praxis im wesentlichen fortgeführt hat. 28 Seiten [vom Abschlußbericht der Untersuchungskommission] wurden unter Bush als geheim eingestuft, aber nach dreieinhalb Jahren [Obamas] im Amt und dem Wahlkampfversprechen von 2008 diese offen zu legen, ist nichts passiert.“

Und auf die Frage, was jetzt gemacht werden müßte, sagte Graham: „Der Präsident sollte die Wiederaufnahme der Untersuchung anordnen, damit die noch offenen Fragen beantwortet werden können. Wie groß war die Verwicklung anderer Staaten, insbesondere die von Saudi Arabien? Nr. 2, warum haben diese Staaten, von denen wir annehmen, daß sie die Anschläge unterstützten, so gehandelt? Drittens, warum haben die Vereinigten Staaten soviel daran gesetzt, diese Verwicklungen zu vertuschen?“

Es folgen einige Passage des Artikels aus der Huffington Post:

„Von Anfang an erschien es uns in der Untersuchungskommission sehr unwahrscheinlich, daß die Flugzeugentführer – die meisten von ihnen sprachen kein Englisch und waren noch nie in den USA gewesen – diesen heimtückischen Plan ohne Hilfe haben durchführen können. Die Untersuchung zeigte, daß unsere Vermutungen gerechtfertigt waren und ein 28-seitiges Kapitel behandelte diese ausländischen Einflüsse auf die Entführer, als sie sich in den USA befanden. Dieses Kapitel ist bis heute unter Verschluß und wird dem amerikanischen Volk vorenthalten.

Bedauerlicherweise enthalten selbst diese 28 Seiten nur einen Bruchteil der Beweise der Komplizenschaft Saudi Arabiens, die die Regierung weiterhin vor der Öffentlichkeit verbirgt. Offensichtlich ist die fadenscheinige Anwendung des Geheimhaltungsprogramms Teil der systematischen Bemühungen, Saudi Arabien vor jedweder Strafverfolgung zu schützen. Zum Beispiel reagierte die CIA erst vor kurzem, also mit fast achtjähriger Verspätung, auf die 2004 von den Familien der Opfer vom 9. September erhobene Forderung nach Veröffentlichung jener Dokumente und Berichte, die im Schlußbericht der 9/11-Untersuchungskommission erwähnt wurden. Bedauerlicherweise wurden dann Dokumente wie der CIA-Bericht „Finanzielle Unterstützung terroristischer Organisation durch saudiarabische Quellen“ auf Anordnung unserer Regierung in einer Form veröffentlicht, in der alle wesentlichen Aussagen durch Schwärzung unlesbar gemacht worden waren. …

Im Juli dieses Jahres hat das Komitee Sicherheit des Heimatlandes vom Permanenten Untersuchungsausschusses des Senats, einen 330-seitigen Bericht herausgegeben, in dem der HSBC-Bank vorgeworfen wird, bei ihren Geschäften mit der größten saudischen Privatbank, Al Rajhi Bank, deren Verbindungen zur Terrorfinanzierung ignoriert zu haben. In dem Bericht steht, daß nach den Anschlägen vom 11. September 'Beweise auftauchten, daß die Al Rajhi Bank sowie einige ihrer Eigentümer Verbindungen zu Organisationen hatten, die terroristische Aktivitäten finanzieren, inklusive der Tatsache, daß ein Mitbegründer der Bank einer der frühen finanziellen Förderer von Al-Kaida war.' … Diese Person wurde im Bericht als ein Glied in Osama bin-Ladens "goldener Kette" an Al-Kaida Finanzunterstützern identifiziert. ...

Unser Außenministerium unterstützte die Saudis in ihren Bemühungen einer Anklage zu entgehen, mit dem Argument, die delikate Materie der amerikanisch-saudischen Beziehungen sei nicht im Zuständigkeitsbereich der Justiz sondern sei Sache der Exekutive. Ein Berufungsgericht hat später die von der Regierung vorgebrachten Präzedenzfälle als nicht anwendbar verworfen, aber da hatte die Intervention des Außenministeriums eine Klage gegen das Königreich Saudi Arabien bereits unmöglich gemacht.“

Am Ende gehen die beiden Autoren auf die Frage ein, welche Konsequenzen die Vereinigten Staaten aus den Erkenntnissen ziehen sollten.

„ … Der Präsident sollte die Freigabe aller relevanten Dokumente anordnen. Sie wurden der amerikanischen Öffentlichkeit zu lange vorenthalten. Die Freigabe müßte sich auch auf die 28 Seiten des Abschlußberichtes der 9/11-Untersuchungskommission beziehen und auch alle in ihm genannten Dokumente beinhalten, die Al-Kaidas finanzielles Unterstützungsnetzwerk betreffen. … der sprichwörtliche Finger des Verdachts zeigt auf Saudi Arabien. Wir müssen endlich die ganze Wahrheit erfahren.“