Syrisch-türkische Grenzzwischenfälle erhöhen Weltkriegsgefahr
8. Oktober 2012 • 20:24 Uhr

Die Gefahr, daß ausgehend von den Krisen im Nahen Osten ein regionaler oder globaler Krieg ausbricht, ist in der vergangenen Woche mit dem wechselseitigen Mörserbeschuß an der Grenze zwischen der Türkei und Syrien eskaliert. Als Granaten aus Syrien in einem nahegelegenen türkischen Dorf einschlugen und dabei fünf Menschen starben, übte die türkische Armee Vergeltung mit der Beschießung von Stellungen der syrischen Armee. Weitere Zwischenfälle folgten.

Gutinformierte Beobachter in westlichen Militärkreisen zweifeln aber daran, daß tatsächlich die syrische Armee mit Mörserbeschuß diese Entwicklung auslöste. Sie verweisen darauf, daß die Rebellen der Freien Syrischen Armee (FSA), die in derselben Gegend operieren, über 120mm-Mörser gleicher Bauart verfügen und sogar in Videos auf YouTube diese Waffen zeigen. Der erfahrene US-Militärexperte Oberst a.D. Patrick Lang stellt auf seiner Webseite eine Reihe von Fragen, die darauf hinauslaufen, daß die syrische Armeeführung nicht durch eine so offensichtliche Grenzprovokation eine Intervention der NATO riskieren würde.

In den vergangenen Wochen hatte sich für die bewaffneten Rebellen die Aussicht auf Erfolge stark verringert, da ihnen die syrische Armee in der zweiten „Schlacht um Aleppo“ eine schmerzhafte Niederlage zufügte. Die FSA gibt mittlerweile offen zu, daß keine Soldaten der syrischen Armee mehr zu ihr überlaufen. Außerdem gibt es Berichte, wonach seit dem Terroranschlag von Bengasi der Zustrom von Waffen und Geld an die Rebellen vorerst unterbrochen ist.

Jetzt verdichten sich Hinweise, wonach die Obama-Regierung im Gefolge der Terrorattacke von Bengasi vom 11.9. ihre Militärkapazitäten in Afrika ausweiten will, u.a. mit neuen Stützpunkten für die Terrorismusbekämpfung mit Drohnen. Die dschihaddistischen Gruppen in Mali hatten in Libyen den Kern der Hilfstruppen für die amerikanisch-britisch-französische Koalition zum Sturz von Muammar Gaddafi gebildet. Nach ihrem „Sieg“ in Libyen verließen diese Rebellen das Land, um andere afrikanische Staaten zu destabilisieren oder um sich der bewaffneten Opposition gegen Syriens Präsidenten Assad anzuschließen. Diese Gruppen erhalten massive finanzielle und andere Unterstützung von saudischer Seite und aus Katar und wurden teils jahrzehntelang in London für ihre jetzigen Aktivitäten vorbereitet.

Die Intensität der militärischen Aufmärsche bedeutet in Kombination mit den zunehmenden Spannungen am Persischen Golf, dem östlichen Mittelmeer und Afrika, daß die Kriegsgefahr dramatisch wächst und dies um so mehr angesichts der Zuspitzung der Finanzkrise. Der US-Präsident könnte den Versuch unternehmen, vom völligen Desaster seiner Nahostpolitik abzulenken und seine Wahlaussichten zu verbessern, indem man die Amerikaner gegen eine „gemeinsame Bedrohung“ eint.





Videos zum Thema

Aktuelles zum Thema

EMPFEHLUNGEN